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Das „Sowohl-als-auch-Prinzip“

Das linke britische Online-Magazin sp!ked hat am 7. Dezember 2018 einen Artikel veröffentlicht, in dem man dem Sportartikelhersteller Nike Heuchelei vorwirft, weil Nike den NFL-Spieler Colin Kaepernick unterstützt, der gegen Rassismus und Polizeigewalt protestiert, während man NBA-Spieler Enes Kanter, einen Anhänger der türkischen Gülen-Bewegung, diese Solidarität nicht zukommen lässt.

„Ich habe mit Nike gesprochen und sie sagten, dass sie mir gerne einen Vertrag geben wollen, dieses aber nicht tun können, weil die türkische Regierung dann jeden Nike-Laden in der Türkei schließt. Ich bin ein NBA-Spieler ohne Schuh Deal. Ich habe kein Übernahmeangebot. Und ich spiele in New York.“ Enes Kanter

Das spiked-Magazin hat Recht, wenn es hier die Heuchelei eines kapitalistischen Imperiums anprangert. Natürlich geht es Nike in erster Linie um das Geschäft. Man wird sich in der Zentrale in Beaverton frühzeitig einen Plan zurecht gelegt haben, wie man aus dem Schulterschluß mit dem farbigen NFL-Spieler Kaepernick, der als eine Art „David“ gegen den „Goliath“ im Weißen Haus zu Kreuze zieht, Profit schlagen kann.

Spiegel Online schrieb Ende September 2018 dazu:

„Nike macht mit seinem jüngsten Werbespot Furore. Star der Kampagne ist der kontroverse Footballer Colin Kaepernick. Der Sportartikelkonzern setzt darauf, dass die Rassismus-Debatte seine Kassen füllt. Es könnte klappen.“

Dass es hier nicht um soziale Wärme oder gar Gerechtigkeit geht, zeigt der Fall „Enes Kanter“ eindrücklich.

Während das sp!ked-Magazin Nike zurecht kritisiert, verschweigt es aber, dass die Gülen-Bewegung, der Kanter anhängt, eine islamistische Bewegung ist. Um das ideologische Fundament dieser Bewegung einordnen zu können, sollte man Zitate des Gründers der Bewegung, Fethullah Gülen, kennen:

„Koran und Hadith sind wahr und absolut. Wissenschaft und wissenschaftliche Fakten sind wahr, solange sie mit Koran und Hadith übereinstimmen. Sobald sie aber eine andere Position einnehmen und von der Wahrheit, von Koran und Hadith, wegführen, sind sie fehlerhaft. Selbst zweifelsfrei etablierte wissenschaftliche Fakten können nicht die Säulen sein, auf denen die Wahrheit des Iman (Glauben) ruhen.“ Aslan, Bozay – Graue Wölfe heulen wieder; S. 217

„Die Apostasie wird nach dem islamischen Gesetz von den meisten Staaten und allen Streitkräften genauso hart beurteilt wie der (Landes)verrat. Man muss hoffen, durch Flehen, Beten, Überzeugen und durch alle anderen legitimen Mittel verhindern zu können, dass ein solches Verbrechen publik wird und der Gesellschaft schadet. Diejenigen, die diesen Weg weiter verfolgen, müssen dazu eingeladen werden, die Schwere ihrer Handlungen zu überdenken und zu bereuen. Und wenn sie diese Möglichkeit zurückweisen, ist die Todesstrafe angemessen.“ Fethullah Gülen – Dinde Zorlama Yoktur Âyetini İzah Eder misiniz

Der Bruch zwischen den beiden islamistischen Bewegungen der AKP und den Gefolgsleuten von Gülen war kein ideologischer Bruch. Als Anwälte, die der Gülen-Bewegung zugerechnet werden, 2013 gegen Erdogan wegen Korruptionsvorwürfen zu ermitteln begannen, hatte die AKP-Spitze schlichtweg Angst um ihre Macht.

Dass die Gülen-Bewegung schon lange vor Erdogan als „Staat im Staate“ wahrgenommen wurde, hatte damit vorerst wenig zu tun, denn diese Kraft hinter den Kulissen hatte Erdogan einst an die Macht gebracht. Aber wie es in jeder Diktatur üblich ist, fallen irgendwann auch die engsten Vertrauten dem System zum Opfer.

Dass man nun mit Enes Kanter, den Anhänger einer islamistischen Bewegung als eine Art Widerstandskämpfer für die Freiheit verklärt, zeigt, dass viele Medienhäuser in der westlichen Hemisphäre auch nach all den Jahren nichts dazu gelernt haben. Es liegt wohl in der Sozialisation vieler Menschen begründet, dass man sich mit dem augenscheinlich Unterlegenden gegen „die da oben“ solidarisiert. Das muss nicht negativ sein, ganz im Gegenteil.

Wenn sich aber eine Basis hinter einer Einzelpersonen versammelt und diese aufwertet, sollte man sich zumindest darüber im Klaren sein, für welche Standpunkte sie steht. Nur „klein und unterdrückt“ kann nicht als Referenzrahmen ausreichen. Auch unterdrückte Menschen können für sich Standpunkte vertreten, die wiederum eine andere Gruppe in ihrem elementaren Menschenrechten bedrohen.

Als 2012 die islamistische Muslimbruderschaft in Ägypten durch die Militärjunta gestürzt wurde, gab es vielfach Solidaritätsbekundungen von Aktivist*innen der linken Bewegung mit den Islamist*innen in Nordafrika. Die Frage stand schon damals im Raum, warum man als klar denkender Mensch nicht sowohl die Islamist*innen als auch die Militärjunta ablehnen konnte. Warum sich auf eine Seite schlagen, wenn doch beide Seiten grundlegenden Prinzipien der Menschenrechte widersprechen?

Genauso verhält es sich bei bei der Kritik des sp!ked-Magazins. Es ist richtig, eine progressive Kapitalismuskritik zu üben. Sich dafür aber absolut unkritisch an die Seite eines Anhängers einer islamistischen Bewegung zu stellen, halte ich für kontraproduktiv. Sowohl Kapitalismuskritik als auch die Kritik an klerikal-faschistischen Ideologien können in einem gut recherchierten Artikel Platz finden. Diese Chance hat man bei sp!ked verpasst.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Politischer Islam? Es heißt Islamismus!

Ende November 2018 hat sich ein Kreis um Persönlichkeiten wie Cem Özdemir, Seyran Ateş, Ali Ertan Toprak oder Ahmad Mansour zusammengeschlossen und die „Initiative Säkularer Islam“ gegründet. Gerade die Frauenrechtlerin und Imamin Ateş steht für einen Kampf gegen den „politischen Islam“ und fordert von Muslim*innen eine kritische innerislamische Debatte. Toleranz gegenüber dem politischen Islam hält sie für falsch und warnt vor dem Einfluss der Islamverbände. Auch Toprak sieht das ähnlich:

„Die deutsche Mehrheitsgesellschaft soll dazu gebracht werden, aus falsch verstandener Toleranz jede Forderung der Nationalislamisten zu erfüllen. Dahinter steckt die Agenda einer fundamentalistischen Ideologie, die ausgehend vom politischen Islam der Muslimbruderschaft und befördert durch den türkischen Präsidenten in die deutsche Gesellschaft gepflanzt wird.“ Toprak – welt.de 06/18

Nun ist der Begriff „politischer Islam“ vielfach auszulegen. Wenn es nur um das politische Agieren einer religiösen Institution oder Organisation geht, kann man eher von Alltag statt Ausnahmesituation in Deutschland sprechen. Dieser Vorgang muss, bei aller berechtigten Kritik, keine Gefährdung der Demokratie darstellen. Kirche wie auch islamische Einrichtungen sind vielfach in politische Prozesse, wie im Bildungssektor, mit eingebunden und treten dort auch explizit als religiöse Ansprechpartner*innen auf. Gleichzeitig heißt das aber nicht, dass sie pauschal für einen Gottesstaat eintreten.

„Politik ist die „Staatskunst“. Sie regelt das geordnete Zusammenleben der Bürgerinnen und Bürger. Es geht in der Politik um alles, was mit Gestaltung und Einflussnahme in Gesellschaft zu tun hat, sowohl im persönlichen als auch im öffentlichen Bereich.“ bpb – Was ist Politik?

De facto unterhält der deutsche Staat im Säkularismus ein freundschaftliches und zugewandtes Verhältnis zu Religionsgemeinschaften, insbesondere zur Kirche. Die Hinwendung unterscheidet das deutsche System vom französischen Laizismus, in dem Religion ausschließlich Privatangelegenheit ist.

Die Säkularisierung einer Gesellschaft ist natürlich auch ein politischer Vorgang. Wenn dieser durch eine islamische Organisation nachdrücklich gefordert wird, dann agieren Muslim*innen logischerweise politisch – unter Berücksichtigung ihres Islamverständnisses. Dabei gefährden sie weder Demokratie noch Menschenrechte, sie bedienen sich schlichtweg ihres Rechtes, auch explizit als Muslim*innen politisch mitzuarbeiten und zu gestalten. Ein politischer Islam, der sich auf ein liberal-säkulares Weltbild beruft.

Anders verhält es sich im Islamismus, der eine islamische Gesellschaft oder einen Gottesstaat anstrebt und in Fundamentalopposition zu den Menschenrechten und individueller Freiheit steht. Der Islamismus will nicht mitbestimmen oder sich einbringen, er will schlichtweg jede weltliche Instanz unter das Joch des klerikalen Faschismus unterwerfen.

Mehr Infos dazu: Nie wieder Islamismus

Der Islamismus ist seinem Wesen nach antisemitisch, sexistisch, homophob, autoritär und totalitär. Politik spiegelt sich hier in einem Islamverständnis männlicher Gelehrter wieder, das Andersdenkende systematisch diskriminiert oder tötet und ganze Gesellschaften ent-individualisiert. Islamist*innen kämpfen für eine homogene und identitäre Sozialordnung. That`s it.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek, war von 2001 bis 2007 sowohl Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes Alsdorf, als auch Pressesprecher und Generalsekretär des Zentralrats. Er war somit politischer Muslim, man könnte das als politischen Islam beschreiben. Trotzdem ist Mazyek meiner Meinung nach kein Islamist. Er duldet schlichtweg islamistische Gruppierungen in seinem Zentralrat, da er diese quantitativ braucht, um seinen persönlichen Machtanspruch in der Politik geltend zu machen. Somit fungiert er als Handlanger islamistischer Bewegungen, die sich durch seine Repräsentanz als legitime Ansprechpartner*innen in Szene setzen können.

Hier wird die Gefahr klar, die durch einen oftmals fließenden Übergang zwischen politischem Islam und Islamismus entsteht. Hier gilt es anzusetzen und Kritik zu üben. Die Begriffe pauschal gleichzusetzen halte ich allerdings für falsch und wenig zielführend.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Islamistisches Gedankengut in der Welt der Promis?

Am 06. Oktober 2018 kam es in Las Vegas zum Duell der beiden MMA-Superstars Conor McGregor und Khabib Nurmagomedov. Nurmagomedov dominierte den Kampf weitestgehend und besiegte McGregor in der 4. Runde mit einem Würgegriff. Was danach passierte, wird schon heute als die „UFC-Schande“ beschrieben.

Nachdem sich Nurmagomedov durch McGregors Entourage beleidigt fühlte, kletterte er über den Käfig, sprang von der Umrandung ins Publikum und prügelte sich dort mit den Betreuern des Iren. Währenddessen enterten zwei Männer des russischen Teams das Oktagon und gingen dort auf McGregor los. Es entwickelte sich eine wüste Massenschlägerei.

Bereits im Vorfeld des Kampfes war McGregor seinen Gegner mit gewohnt rauer Rhetorik angegangen. Provokationen, Beleidigungen und Sticheleien – man kennt derartiges aus der Welt des Kampfsports. Aber dieses Mal kam eine weitere Komponente dazu, die den Konflikt für viele Menschen auf eine neue Ebene hob: Die Religion.

Nurmagomedov ist strenggläubiger sunnitischer Muslim. Im Juli 2014 hatte er die Chance auf einen lukrativen Titelkampf gegen Donald Cerrone, doch winkte ab, weil das Duell im Fastenmonat Ramadan stattgefunden hätte. Später wurde ihm ein Kampf bei der UFC 200 angeboten. Erneut lehnte er dankend ab, da wenige Tage vorher das Fest des Fastenbrechens (auf Arabisch: ʿĪd al-Fitr) gefeiert wurde.

In diesem Kontext war es interessant zu sehen, wie Nurmagomedov nach dem Skandal in der Wüste von Nevada seinen Ausraster entschuldigte:

„Das ist nicht meine beste Seite. Ich bin auch nur ein Mensch, aber ich verstehe nicht, warum die Leute darüber sprechen, dass ich auf den Käfig springe während er über meine Religion spricht, über mein Land, meinen Vater.“ Die UFC-Schande und ihre Folgen

Explizit wird hier das Sprechen über die Religion hervorgehoben. Und ja, McGregor hatte im Vorfeld seinen Kontrahenten auf eine durchweg niveaulose und asoziale Art und Weise beleidigt und attackiert. Es stimmt aber ebenso, dass das Beleidigen einer Religion, selbst unter Zuhilfenahme von Fäkalsprache, Teil einer modernen Demokratie sowie Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit ist. Dieses Recht wurde über die Jahrhunderte blutig gegen die Kirche in Europa erkämpft und entwickelte sich zu einem entscheidenden Zahnrad des Humanismus und der Aufklärung. Diese Freiheit ist dem Islamismus fremd, vielmehr bedroht diese Freiheit seinen klerikal-faschistischen Kern.

Natürlich ist Nurmagomedov nicht der einzige Mensch auf der Welt, der dünnhäutig auf Beleidigungen reagiert. Spürbar hat sich dennoch etwas geändert. Die islamische Welt ist heute nicht für eine progressive Religionskritik bekannt, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Dass Menschen aber immer öfter zu massiver Gewalt greifen, um ihre Religion zu beschützen, ist in der westlichen Hemisphäre der Moderne eine eher neue Erscheinungsform.

Es ist richtig, dass die überwiegende Mehrheit von Muslim*innen sich gegen Religionskriege und andere Barbareien im Namen der Religion ausspricht. Aber immer öfters hört man auch Verständnis für die Taten von dschihadistischen Terrorist*innen und Islamist*innen.

So erklärte der deutsch-iranische Rapper Milonair in einem Interview mit dem HipHop-Magazin Backspin, dass er nachvollziehen könne, dass eine Gruppe von Islamisten die Charlie-Hebdo-Redaktion gestürmt hatten, um ihren Propheten vor Beleidigungen zu beschützen.

Da der Islamismus die heiligen Texte und den Propheten als unfehlbar beschreibt, ist jede Kritik an diesen zwangsläufig eine Beleidigung Gottes. Ein dogmatisches und totalitäres Religionsverständnis, das keinen Widerspruch duldet.

Die marrokanisch-stämmige Sängerin Namika, die weder sehr religiös noch konservativ wirkt, und in ihren Liedern über Freiheit, Liebe und Zusammenhalt singt, äußerte sich im Mai 2018 in einem Interview mit HipHop.de über die Folgen des Echo-Skandals rund um Kollegah und Farid Bang und legte zudem ihre Sichtweise zum Thema Religionskritik dar.

„It’s just don‘t mess with religion. Generell, lass Religion aus dem Spiel, mach‘ deine Kunst und alles ist in Ordnung.“

Ich möchte Namika kein islamistisches Gedankengut unterstellen. Aber ihre Grundhaltung und der Imperativ nicht über Religion zu sprechen, schon mal gar nicht kritisch, widerspiegelen ein reaktionäres und dogmatisches Verständnis von Religion, das in der muslimischen Welt weit verbreitet ist und die betroffenen Gesellschaften auf verschiedensten Ebenen lähmt.

Dieser Schleier des Schweigens bildet in der islamischen Welt die indirekte ideologische Basis des Islamismus. Der Nährboden für Organisationen wie die Muslimbruderschaft, die bei vielen Menschen wirtschaftliche Nöte und Bildungsferne zu instrumentalisieren wissen.

Ich hatte bereits in einem meiner ersten Artikel 2016 darauf hingewiesen, wie die mehrheitlich muslimischen Comedians von RebellComedy, einseitige politische Erklärungsversuche unter ihr durchaus amüsantes Programm mischen:
RebellComedy – Propaganda für die Parallelgesellschaft

Weite Teile der muslimischen Communities in Deutschland sind konservativ sozialisiert und neigen seit 2001 immer mehr dazu, auch islamistisch gefärbte Gedankenmuster zu vertreten. Ob nun ein Mesut Özil, der sich mit dem Islamisten Erdoğan fotografieren lässt, ein muslimischer Rapper wie Kollegah, der klar antisemitische Weltbilder in seinen Songs propagiert, oder eine Enissa Amani, die bei „Hart aber fair“ islamischen Fundamentalismus relativiert – sie alle scheinen nicht überblicken zu können, dass es Islamverständnisse gibt, die in erhebliche Reibung mit der Moderne und den Menschenrechten kommen. Dabei sind Ansätze islamistischer Gesellschaftsvorstellungen bereits Teil unseres Alltags geworden und verstecken sich in diversen Denkverboten und Dogmen. Darüber zu schweigen und die Religion vor Kritik zu beschützen, fördert nicht den Fortschritt, sondern den Untergang einer Religion.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Stefanie Carp – Symbol des gescheiterten interkulturellen Dialoges

„Im Weißbuch des Europarats zum interkulturellen Dialog wird der kulturelle Dialog genauer definiert als „ein Prozess des offenen und respektvollen Meinungsaustausches von Einzelnen und Gruppen unterschiedlicher ethnischer, kultureller, religiöser und sprachlicher Herkunft und Traditionen in einem Geist von gegenseitigem Verständnis und Respekt. Die Freiheit und die Fähigkeit der Meinungsäußerung, aber auch der Wille und die Fähigkeit, dem, was die anderen zu sagen haben, zuzuhören, sind hierbei unverzichtbar. Der interkulturelle Dialog trägt zur politischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Integration bei sowie zum Zusammenhalt von Gesellschaften mit unterschiedlichen Kulturen.“

In Deutschland des 21. Jahrhunderts scheint sich der interkulturelle Dialog, für den die freie und somit auch kritische Meinungsäußerung unverzichtbar sind, zu einem leblosen und versteinerten Protokoll entwickelt zu haben. Einige Funktionär*innen der deutschen Mehrheitsgesellschaft treten als eine Art kollektives „Ich“ auf, das auf Lobbyist*innen von meist muslimischen Interessengruppen trifft, die als „die Fremden“ fungieren. Andere Kulturen sind zumindest in der Wahrnehmung bei diesem Dialog nicht präsent. Es gibt in Deutschland weder eine Konferenz für Hindus, Buddhist*innen oder Atheist*innen. Die Islam-Konferenz hingegen ist Aushängeschild der deutschen Innenpolitik. Dass an diesem Tisch nur ultra-konservative Vertreter*innen sitzen, mutet beinahe preußisch an.

Das eigentliche Problem dabei ist aber nicht der Fokus auf dem Faktor „Islam“. Das Protokoll des Scheiterns fußt auf dem Fundament eines rassistischen Menschenbildes – geformt und gepflegt durch Teile der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Dieses Bild sieht im „Ich“ einen „Big Player“, welcher sich nachvollziehbar allen Kritikpunkten des menschlichen Verstandes und den Mindestanforderungen der Menschenrechte stellt. Man analysiert Eigenschaften, die von Vorteil sind und andere, die es abzulehnen gilt. In der Religion würde man von gut und böse sprechen. Dieses Mindestmaß an Reflexion und Anspruch erwartet das „Ich“ im interkulturellen Dialog aber nicht von seinem Gegenüber, „dem Fremden“. Hier gibt man sich damit zufrieden, diesen auf die Attribute „edel“ und „Opfer“ zu reduzieren.

Aus dem rassistischen Menschenbild der europäischen Kolonialherren, die Fremde als „wilde Barbaren“ herabwürdigten, ist ein positiver Rassismus entstanden, der sie nun als eine Art „edle Exoten“ und ständige Opfer kapitalistischer Umtriebe beschreibt. In dieser Wahrnehmung ist kein Platz für das Indiviuum. Menschen werden kollektiviert und homogenisiert. Das trifft in Deutschland besonders auf viele linke Aktivist*innen und ihren Umgang mit Muslim*innen zu.

Als tragisches Symbol dieser Gedankenwelt tritt gerade Stefanie Carp, die Intendantin der Ruhrtriennale, in Erscheinung. Erst lud sie die Gruppe „Young Fathers“, die herzlich mit der antisemitischen BDS-Kampagne sympathisieren, ein, um sie dann wieder auszuladen und schlußendlich wieder einzubestellen. Gestern stellte sich zudem heraus, dass mit dem Hezarfen-Ensemble aus Istanbul, ein Gast auf der Ruhrtriennale eine Bühne geboten bekommt, der den Völkermord an den Armenier*innen 1917 im Osmanischen Reich eine „Umsiedlung“ nennt, sich also dem Sprachgebrauch türkischer Nationalist*innen bedient.

„Spätestens beim Wort „Umsiedlung“ hätten alle Alarmsysteme schrillen müssen. Denn hier „wird nicht nur die planmäßige und nationalistisch motivierte Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich zu einer Umsiedlung verharmlost, sondern der Genozid als solcher geleugnet“, sagte Dogan Akhanli WELT. Der deutsche Schriftsteller mit türkischen Wurzeln ist einer der besten Kenner der Geschichte des armenischen Völkermordes.“ Welt – Worüber Intendantin Stefanie Carp nicht sprechen will

In beiden Fällen sei Frau Carp nicht ausreichend informiert gewesen. Das Ganze geht soweit, dass Frau Carp sich jede kritische Frage zu den Themen verbittet, da sie keine Politikerin sei. Dass die Dame aber sehr wohl politische Interessen verfolgt, zeigt das Programmheft der Triennale:

„Das Programmheft ist voll von Themen wie Migration, Gleichheit, Freiheit. Carp will „autokratische Regierungen, neue Nationalismen und Rassismus verhindern“, wie sie im Vorwort schreibt. Dazu lädt sie Künstlerinnen und Künstler vorwiegend aus dem afrikanischen und arabischen Raum ein, die ihre These belegen sollen.“

Künstler*innen, die ein Programm gegen Rassismus und Nationalismus bereichern sollen, müssen anscheinend nur aus Afrika oder dem arabischen Raum kommen, um von Frau Carp berücksichtigt zu werden. Sie werden reduziert auf Ethnie und Herkunft. Welche Ziele und Ansichten diese Menschen losgelöst von ihrer Herkunft verfolgen, scheint irrelevant zu sein. Fremde Exoten, die kollektiv edel und für Carp wohl selbst Opfer sind, wenn sie eine „Kauf nicht bei Juden“-Kampagne unterstützen. Dass Antisemitismus, Nationalismus und Rassismus Teil einer jeden Gesellschaft dieser Erde sein können, passt dabei nicht in das Weltbild einiger Kulturschaffender. Denn dann müsste man die „Ich und der Fremde“-Logik hinterfragen. Auf diesem Niveau bewegt sich die gesamte Debatte rund um Islam und Islamismus in Deutschland. Der interkulturelle Dialog in Deutschland wird immer noch von einer Art „Kolonialwarenhändler*innen“ geführt, die die Rechnung vorlegen. Die Rechnung ist simple und verbittet sich Kritik:

„Ich und der Fremde – Die Kollektivsucht der angeblich moralisch Überlegenden.“

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Die Linke braucht eine Task-Force

Nach dem desaströsen Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden, setzten sich führende Vereinsfunktionäre, Manager und Trainer an einen Tisch und gründeten die sogenannte „Task-Force“ des DFBs. Dieser Zusammenschluss analysierte die Versäumnisse und Fehlentwicklungen der letzten Jahre und verzichtete dabei nicht auf ungeschnittene, harte Selbstkritik. Diese war überfällig, da sich die deutsche Fußball-Landschaft im Stillstand, mitunter auch im Rückschritt befand, was besonders 1998 durch die erste Amtshandlung des neuen Bundestrainers Erich Ribbeck deutlich wurde, der einen 37-Jährigen Lothar Matthäus reaktivierte und sich so den Namen „Totengräber des deutschen Fußballs“ verdiente.

Die deutsche Nationalmannschaft zeigte weder einen schönen noch erfolgreichen Fußball und wurde von kleinen Teams an die Wand gespielt, die sich neuen und effektiveren Systemen zugewandt hatten. Der DFB hingegen fungierte als regressive Autorität, die sich internationalen Entwicklungen verschloss und Kritiker*innen nicht ernst nahm. All das sollte sich nun mit der Task-Force ändern.

Betrachtet man den Zustand, in dem sich das linke Spektrum befindet, ist der Vergleich mit der Situation des deutschen Fußballs nach 1998 nicht abwegig. Weite Teile „der“ Linken versinken in Graben- und Klassenkämpfen, während nicht wenige Genossinnen und Genossen die massive Gefahr des Islamismus partout ignorieren und Kritik an diesem beinahe tabuisieren. Dabei fehlt es auch beträchtlich an historischem Wissen, denn islamistische Gruppierungen wie die Muslimbruderschaft haben einst mit der NSDAP kooperiert und hängen auch heute noch einem Hitler-Kult an, den man nicht zuletzt in Kreisen der Hamas auch öffentlich zur Schau stellt.

Wo sind die qualitativen und nachhaltigen Antworten auf solche Probleme? Eine Linke, die 60.000 Menschen in Berlin zum „Wegbassen“ von deutschen Nationalist*innen mobilisieren kann, aber weitestgehend ohrenbetäubend schweigt, wenn die renommierte Humboldt Universität zu Berlin für ihr neues Islam-Institut eine Kooperation mit islamistischen und antisemitischen Verbänden eingeht.

Diese Art von Doppelmoral und ein damit verbundenes Gefühl der „moralischen Überlegenheit“ tragen die Linke zu Grabe. Politiker*innen wie Christine Buchholz, eine bekannte marx21-Unterstützerin und religionspolitische Sprecherin Der Linken, stellt sich seit Jahren an die Seite von Organisationen, die nicht zu Unrecht dem Spektrum des legalistischen Islamismus zugerechnet werden. Solche Aktionen stehen symbolisch für das Weltbild von marx21, wobei die trotzkistische Sekte mit Unterstützerin Buchholz und Janine Wissler, der stellvertretenden Vorsitzenden Der Linken, Schlüsselpositionen einer Partei im Bundestag kontrolliert.

Zudem ist mit Jules El-Khatib ein weiterer marx21-Aktivist nun zum stellvertretenden Landesvorsitzenden in NRW gewählt worden, wo er nur noch der Antizionistin Inge Höger untersteht. Nicht zu vergessen die Linksjugend [’solid], die sich zwar am 15.04.2018 beim Bundeskongress gegen Islamismus und die islamischen Dachverbände positioniert hat, beim gleichen Kongress aber Nadine Bendahou zur neuen Bundesvorsitzenden wählte, die mich gerade wegen meiner Kritik an den islamischen Dachverbänden über Monate auf widerlichste Art und Weise versuchte zu diffamieren. In der Person Bendahou spiegelt sich alle Doppelmoral der linken Bewegung wieder, wodurch sich die Dame nicht zu unrecht den Titel „Ribbeck der Linken“ verdient hat.

Die Neurechte Bewegung, Pegida und auch die AfD sind nicht nur im Aufwind, weil sie auf ein nicht zu unterschätzendes Potential an rassistischem Gedankengut in der Mehrheitsgesellschaft zurückgreifen. Ihr Aufstieg hängt untrennbar mit der Heuchelei und Doppelmoral weiter Teile der linken Bewegung zusammen, die die Islamismus-Problematik tabuisiert und selbst Menschen mundtot machen will, die sich differenziert und emanzipatorisch mit den Problemen des klerikalen Faschismus nicht-europäischer Herkunft auseinandersetzen. So konnte ein Vakuum der nicht beantworteten Fragen entstehen, das AfD und Konsorten für ihre fremdenfeindliche Ideologie instrumentalisieren und ausschlachten.

Dem gegenüber steht eine Linke, die Menschenrechtsverletzungen im Namen problematischer Islam- und Traditionsverständnisse als kulturelle Vielfalt verkauft und Menschen als Rassist*innen diffamiert, die derartige Absurditäten in Frage stellen. Eine Linke, die regressiv regiert wird, Neuentwicklungen und Öffnungen für einen internationalen antifaschistischen Kampf bei Seite wischt und sich vordergründig „nur“ mit deutsch-deutschen Rassist*innen und Nationalist*innen beschäftigen will. Und ja, inzwischen ist es gelegentlich auch legitim geworden von „DER“ Linken zu reden, denn wenn ein Kreis von marx21-Aktivist*innen und AntiImps derart einflussreich in der größten linken Partei der Bundesrepublik agiert, der jedes Jahr aufs Neue von Genoss*innen in den parteiinternen Wahlen bestätigt wird, dann wird die Mehrheit, die vielleicht progressiv denken könnte, zur irrelevanten Masse.

Man fragt sich zu Recht, wo hier das revolutionäre Potential ist, das man so häufig für sich in Anspruch nimmt. Diese Heuchelei kombiniert mit dem Antisemitismus-Problem von Teilen der Linken, zerstört jeden Traum an eine solidarische und gerechte Gesellschaft.

Wir befinden uns an einem Scheideweg der Geschichte. Ein Punkt, an dem wir die Linke zu Grabe tragen und das Schicksal dieser Gesellschaft in die Hände von Nationalist*innen legen, oder an dem wir aufstehen, mutig und ehrlich zu uns selber sind und uns endlich eingestehen, dass es so nicht weiter gehen kann. Wir brauchen eine Task-Force, die hart und konstruktiv den ideologischen Rost hinterfragt und revolutionär die regressiven Grenzen und Mauern in unseren Köpfen niederreißt.

Fritz Scherer, ein Teil der damaligen DFB-Task-Force, sagte 2000, „dass man keine Ja-Sager mehr bräuchte und man nun Verantwortung übernehmen und vertreten müsse“. Diese Ja-Sager*innen kennen wir nur zu gut. Menschen, die uns in einem Vier-Augen-Gespräch zwar recht geben, aber im nächsten Satz anmerken, dass sie uns öffentlich nicht unterstützen, da dies zu Missverständnissen führen könnte. Ich habe ein für alle Mal genug von solchen Genossinnen und Genossen, es reicht!

„Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme.“ Karl Marx

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Was lehrt uns Frank Lucas?

Am 9. September 1930 wurde Frank Lucas in North Carolina in den USA geboren. Nachdem er als Fahrer und treuer Gefolgsmann für den Gangsterboss Ellsworth „Bumpy“ Johnson in New York gearbeitet hatte, beerbte er diesen nach dessen Tod und revolutionierte den Drogenhandel, indem er das Heroin nicht von den üblichen Mittelsmännern der Mafia, sondern direkt von den Erzeugern in Südostasien aus dem Goldenen Dreieck erwarb und es über Armeekontakte aus Vietnam in die USA schmuggeln ließ. In den 1970er Jahren entwickelte sich Lucas zu einem der einflussreichsten Drogenhändler New Yorks bis er schließlich 1975 verhaftet und zu 70 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

In Harlem und Umgebung genoss Lucas überraschenderweise ein hohes Ansehen, obwohl er die Strassen mit dem Gift des Schlafmohns überschwemmte und so die sozialen Katastrophen in den Ghettos auf ein neues, trauriges Niveau hob. Frank Lucas war nicht nur der Pate der Strasse, er betätigte sich darüber hinaus als eine Art „Ghetto Samariter“, wobei er regelmäßig an Thanksgiving hunderte Truthähne an die Armen verteilen ließ. Der Film „American Gangster“ zeigt dies anschaulich.

Auch wenn der Vergleich auf den ersten Blick abwegig erscheint:
der Islamismus agiert weitestgehend ähnlich wie Lucas. Nicht nur, dass er sich aktiv Neuerungen in den Weg stellt, die Menschen aus Armut und Verzweifelung retten könnten, er befeuert systematisch den Status Quo des Still- und Rückstandes. Er liefert das geistige Opium, welches Menschen zu Hass, Bildungsferne und Abschottung erzieht. In Deutschland redet man inzwischen von sogenannten „Gegengesellschaften“. Der Islamismus will die Menschen nicht von Unterdrückung, Kolonialismus oder Imperialismus befreien, er will sie schlichtweg unter das eigene klerikale Joch zwingen.

Dabei sind islamistische Organisationen wie die Muslimbruderschaft in ihrer Heimat besonders für karitative Projekte bekannt, die den Anschein erwecken sollen, dass die Vergessenen der Militär-Juntas in den Reihen der IslamistInnen einen Ort der Zuflucht und Hilfe finden. Die Muslimbrüder haben heute in Ägypten etwa eine Million aktive Mitglieder und unterhalten verschiedene karitative Einrichtungen wie Krankenhäuser und Sozialstationen, vor allem in den ärmeren Vierteln. Armenspeisungen und die Schaffung von Arbeitsplätzen für Jugendliche haben dazu geführt, dass die Muslimbrüder insbesondere aus den unteren Schichten Unterstützung erfahren.

Gerade in den Armenvierteln Ägyptens liegt die Zahl der genital verstümmelten Frauen besonders hoch. Als Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft 2012 zum neuen ägyptischen Präsidenten gewählt wurde, befasste sich der erste Gesetzesentwurf der Regierung mit der Aufhebung des Verbots der Genitalverstümmelung von Frauen, was säkulare Gruppen heftig kritisierten. Dabei ging es auch darum, medizinische Einrichtungen besser zu unterstützen, so dass die Gefahr von Infektionen und Entzündungen nach der Beschneidung verringert werden sollte. Statt sich dem Kern des Problems zu widmen, werden einzig Symptome in ihren katastrophalen Auswirkungen versucht einzudämmen. Sich dem Ursprung des Problems zu widmen, also der Geisteshaltung hinter dem Grauen, würde bedeuten sich selber in Frage zu stellen. Ein trauriges, aber anschauliches Beispiel dafür, inwiefern sich der Islamismus als Verwalter von Armut und Verzweifelung betätigt. Dass die Menschen dieses Spiel nicht durchschauen, liegt auch daran, dass dem Islamismus auf perfide Art und Weise daran gelegen ist, die Menschen begrenzt gebildet und faschistisch-kollektivistisch sozialisiert zu halten.

Der moderne Islamismus hat sich nun dahingehend entwickelt, dass man sich intellektuellen Errungenschaften, Bildung und technischem Fortschritt nicht gänzlich verschließt. Man begrenzt diese nur im Rahmen des Korans und der Sunna. Um das zu verdeutlichen, sollte man folgendes Zitat des Islamisten Fethullah Gülen kennen:

„Koran und Hadith sind wahr und absolut. Wissenschaft und wissenschaftliche Fakten sind wahr, solange sie mit Koran und Hadith übereinstimmen. Sobald sie aber eine andere Position einnehmen und von der Wahrheit, von Koran und Hadith, wegführen, sind sie fehlerhaft. Selbst zweifelsfrei etablierte wissenschaftliche Fakten können nicht die Säulen sein, auf denen die Wahrheit des Iman (Glauben) ruhen.“ Aslan, Bozay – Graue Wölfe heulen wieder; S. 217

Diese Aussage beschreibt exakt das klerikal-faschistische Wesen des Islamismus und offenbart zugleich, warum sich die islamische Welt in weiten Teilen eben nicht nur wegen Kolonialismus und Imperialismus in einem desaströsen Zustand befindet. Diese Geisteshaltung bremst jeden Fortschritt und jeden Blick über den Tellerrand hinweg aus. Eine ständige, massenhaft sozialisierte Grenze, die Menschen schlicht zu Unterworfenden macht, denn die „eine“ Wahrheit wurde bereits offenbart und bedarf keiner individuellen und progressiven Erweiterung – besonders nicht von Frauen. Hier liegt ein entscheidendes Fundament für materielle als auch geistige Armut.

So wie amerikanische Drogendealer die Massen mit einzelnen heroisch anmutenden Aktionen wie das Verteilen von Truthähnen an Thanksgiving für sich begeisterten, so besänftigt der Islamismus mit karitativen Einrichtungen und Armenspeisungen, um Menschen von dem eigentlichen Problem des klerikalen Opiums abzulenken – nicht mehr und nicht weniger. Ideologischer Rost wird bei Unruhen nicht entfernt, er wird schlichtweg neu überstrichen. Der Islamismus ist demnach ein ständiger „Wiener Kongress“. Muhammad Badi’e, der aktuelle Führer der Muslimbruderschaft, ist nichts anderes als ein Frank Lucas der Kairoer Armenviertel. Ein Mensch, dem es um Macht und Kontrolle geht, koste es, was es wolle.

Mit antifschistischen Grüßen
Schmalle

Manche Sachen lassen sich nicht vom Tisch wischen

Es lässt tief blicken, dass einige Journalist*innen nach dem Foto-Skandal der deutschen Nationalspieler Özil und Gündoğan der Meinung sind, dass die beiden Fußballstars während der WM-Vorbereitung nur ausgepfiffen würden, weil ihre Eltern aus der Türkei stammen. Einzig der Rassismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft spiegele sich hier wieder. Thema beendet.

Natürlich sind Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in deutschen Fußballstadien ein Dauerthema. Aber damit die eigentliche Kritik abwürgen zu wollen, bringt diese Gesellschaft kein Stück weiter.
Mesut Özil und besonders İlkay Gündoğan haben in einer internationalen Presseaktion dem islamistischen, antisemitischen Klerikal-Faschisten Recep Tayyip Erdoğan gehuldigt. Dabei hat Gündoğan ein Trikot mit der Widmung „Für meinen verehrten Präsidenten – hochachtungsvoll“ überreicht, was in Wahlkampfzeiten natürlich unmittelbar durch die faschistische AKP medienwirksam ausgeschlachtet wurde.

Dass jetzt, wo die Stimmung der gesamten Mannschaft unter dem Skandal leidet, ein Oliver Bierhoff sich genötigt sieht, darauf hinzuweisen, dass es mit Kritik und Gegenwind nun reiche, zeigt einzig nur, dass die Verantwortlichen des DFBs sich nicht darüber im Klaren sind, welche politische Verantwortung sie inne haben. Für viele Menschen ist der Fotoskandal eben mehr als eine Anekdote ihres Alltags. Hier zeigt sich ungeschnitten, dass die Sympathie für eine islamistische Partei in der Türkei durchweg von arm bis reich getragen wird. Von Strassenpöblern wie Bilgili Üretmen bis hin zu einem eloquenten und freundlich auftretenden İlkay Gündoğan.

Hätte es keine derartige Reaktion der Fußballfans gegeben, wäre das Thema ohne großes Tamtam vom Tisch gewischt worden. Legendär ist dabei jetzt schon die rassistische Aussage Bierhoffs, dass man in solchen Situationen Verständnis haben müsse, da „Türken ja so ticken“. Über diesen Rassismus, den Ahmad Mansour einst den „positiven Rassismus“ nannte, lese ich aber wenig kritisches. Vielmehr wirken die Reaktionen des DFBs und einiger Journalist*innen auf mich, als ob man es sich sehr einfach machen will, indem man der Mehrheitsgesellschaft die Schuld zu schiebt. Diese redet mit Sicherheit wenig über die diktatorischen Zustände im WM-Land Russland, das kann man ihr zum Vorwurf machen. Sie hat sich aber eben nicht mit Trikotwidmung an die Seite eines Islamisten gestellt, in dessen Land die Städte Andersdenkender so aussehen:

Ich stelle mir fiktional eine ganz einfache Frage:
Wie hätte die Öffentlichkeit reagiert, wenn Thomas Müller und Manuel Neuer das gleiche Foto mit Alexander Gauland veröffentlicht hätten, wobei Müller ein Trikot mit der Widmung „Für meinen verehrten Fraktionsvorsitzenden – hochachtungsvoll“ überreicht hätte?

Vielleicht bräuchten auch deutsche Politiker*innen, bevor sie nach Teheran, Ankara oder Riad reisen, eine ähnliche Reaktion, wie wir sie in den Fußballstadien vernommen haben. Der Kampf gegen den Faschismus und Islamismus bringt Tage mit sich, die mehr als weh tun. Fortschritt speist sich auch aus emotionaler Reibung, wobei es Probleme gibt, die man schlichtweg nicht innerhalb weniger Stunden vom Tisch wischen kann. Die Diskriminierung des kurdischstämmigen Fußballspielers Deniz Naki durch den türkischen Fußballverband, zeigt uns allen, wie politisch auch Sport ist. Wenn wir wegschauen und Probleme übergehen wollen, brauchen wir keinen antifaschistischen Kampf zu führen und können ab morgen eine Kissenschlacht mit Blumenbettwäsche veranstalten.

Solidarische Grüße an Deniz Naki
Schmalle

Bin Laden, Sayyid Qutb & Trotzki

Von 1968 bis 1976 besuchte Osama bin Laden die Al-Thagr-Schule in Dschidda (Saudi-Arabien), wo ihn ein Lehrer, der der Muslimbruderschaft angehörte, ideologisch beeinflusste und dazu bewegte, ebenfalls Teil der Bewegung zu werden. Diesen Vorgang beschreibt der amerikanische Schriftsteller Lawrence Wright in seinem Buch „Der Tod wird euch finden“. Ende der 1970er immatrikulierte sich bin Laden dann für Betriebswirtschaft und Bauingenieurwesen an der König-Abdul-Aziz-Universität. Dort stieß er auf die Werke des palästinensischen Muslimbruders Abdallah Yusuf Azzam, der zu einer Art Mentor für bin Laden wurde.

Den maßgeblichen Einfluss auf bin Ladens ideologische Radikalisierung hatten in den Folgejahren aber Inhalte, die der Bruder Sayyid Qutbs, Mohammad Qutb, an bin Ladens Universität in Vorträgen verbreitete. Mohammad Qutb verstand sich als ideologischer Nachfolger seines Bruders, der sich bis zu seiner Hinrichtung 1966, zum Vordenker der ägyptischen Muslimbruderschaft entwickelt hatte und wie kein Anderer den Islamismus des 20. Jahrhunderts prägte.

Der Blick Qutbs auf die Welt und ihre unterschiedlichen Gesellschaften wurde der Blick bin Ladens, durch den er Jahre später die Vernichtung Andersdenkender für sich und seine Gefolgsleute legitimierte.

Auch wenn die Muslimbruderschaft heute primär keine dschihadistisch-islamistische Organisation wie al-Qaida oder der IS ist, berufen sich nach wie vor TerroristInnen auf die Vordenker der Bruderschaft, Hasan al-Banna und Sayyid Qutb.

Indem Sayyid Qutb in seinen Schriften den Begriff „Dschahiliyya/Jāhiliyya“ manifestierte, der alle Gesellschaften als minderwertig und unrein beschreibt, die von einer absoluten Umsetzung der Scharia auf allen gesellschaftlichen Ebenen und Institutionen abweichen, versuchte er auch einen Erklärungsversuch für die Rückständigkeit der islamischen Welt gegenüber Europa und den USA zu liefern. Dieser Vorstellung nach, kontrolliere die Dschahiliyya die Erde in erster Linie durch eine „jüdische Weltverschwörung“, die „Atheismus, Kommunismus, Kapitalismus und sexuelle Unmoral“ erschaffen hätte und der islamischen Welt nur überlegen sei, weil zu viele „Muslime, die vom rechten Weg abwichen“ als eine Art „Agenten des Judentums“ fungierten.

Zu den wichtigsten programmatischen Texten des islamistischen Antisemitismus gehört dabei Qutbs 1950 veröffentlichter Aufsatz „Ma’rakatuna ma’ al-yahud“ (Unser Kampf mit den Juden).

In seinem Buch Maʿālim fī t-tarīq („Wegzeichen“), das wie kein anderes literarisches Werk dem Islamismus ein Gesicht gegeben hat, definiert Qutb den Islamismus als klerikal-faschistische Bewegung, die im Besitz der „einen“ Wahrheit ist:

„All die Angelegenheiten dieser Welt und der Nächsten sind auf ihr angesiedelt; der Mensch wird auf ihrer Grundlage gegenüber Allāh (ta‘ālā) verantwortlich sein und jene, die von dieser Wahrheit abweichen, werden auf ihr bestraft werden und die Menschen werden von Allāh nach ihr gerichtet werden. Wahrheit ist unteilbar, und es ist der Name dieses allgemeinen Gesetzes, das Allāh für alle Angelegenheiten verfügt hat und alles Existente, folgt ihr oder wird durch sie bestraft.“ […] „Die Wahrheit ist eine Einzige und sie ist unteilbar; alles, was davon abweicht, ist Irrtum.“ […] „Es gibt nichts jenseits des Glaubens außer Unglauben, nichts jenseits des Ìslām außer Jāhiliyya, nichts jenseits der Wahrheit außer Unwahrheit.“ […] „Er sagt, dass die Wahrheit eine ist und nicht geteilt werden kann; wenn es nicht die Wahrheit ist, muss es die Unwahrheit sein. Die Vermischung und Koexistenz der Wahrheit und der Unwahrheit ist unmöglich. Die Herrschaft gehört Allāh, oder andernfalls der Jāhiliyya; entweder wird Allāhs Sharī‘a herrschen oder die Begierden der Menschen.“ Qutb-Wegzeichen, S.85; 121; 174; 177

Wie sich das Eindringen dieser „Wahrheit“ auf die Gesellschaft auswirkt, beschreibt Qutb wie folgt:

„Die Wahrheit ist, dass der Ìslām nicht nur die Gedanken und Haltungen ändert, sondern auch das System und die Lebensweisen, die Gesetze und Bräuche. Hinzu kommt, dass dieser Wechsel so fundamental ist, dass keine Beziehung mehr mit der Lebensweise der Jāhiliyya erhalten bleiben kann, mit dem Leben, das die Menschheit heute lebt.“ Qutb-Wegzeichen: S.186,187

Dieser fundamentale Wechsel oder Umbruch zeigt den revolutionären Charakter des modernen Islamismus auf, der wohl auch durch die Wirkung der Oktoberrevolution in Russland beeinflusst wurde. Sayyid Qutb machte sich in Ägypten vor seiner Zeit als religiöser Vordenker, einen Namen als intellektueller Journalist und Literaturkritiker, nachdem er Anfang der 1930er sein Lehrerstudium erfolgreich abgeschlossen hatte. Zu dieser Zeit, in der der arabische Nationalismus im Angesicht britischer Truppen im Land erstarkte, beschäftigte sich Qutb auch ausführlich mit sozialistischen Theorien. Den Kampf gegen alles nicht-islamische (dschāhilī) beschrieb Qutb als einen andauernden Kampf, der prinzipiell, beinahe zeitlos und überall geführt werden müsse:

„Die Dschāhilīya ist keine Zeitperiode, sondern vielmehr ein Zustand, der immer dann zurückkehrt, wenn die Gesellschaft vom Weg des Islams abweicht. Das gilt in gleicher Weise für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Hasnain: Sayyid Qutb’s Concept of Jahiliyya as Metaphor for Modern Society

„Demnach ist dieser Kampf keine vorübergehende Phase, sondern ein ewiger Zustand, entsprechend der Tatsache, dass Wahrheit und Unwahrheit auf dieser Erde nicht koexistieren können.“ […] „Diese Bewegung benutzt die Methoden des Predigens und Überzeugens für das Reformieren der Gedanken und des Glaubens; sie benutzt physische Macht und Jihād für die Abschaffung der Ordnungen und Autoritäten des Systems der Jāhiliyya , das die Menschen daran hindert, ihre Ideen und Überzeugungen zu verbessern und sie zwingt ihre falschen Wege zu befolgen und sie zur Dienerschaft zu menschlichen Herren anstatt zum Allmächtigen Herrn veranlasst.“ Qutb-Wegzeichen: S.85; 71,72

Um den Antrieb zur weltweiten Revolution verstehen zu können, muss man sich darüber im Klaren sein, dass für Qutb nur ein allumfassendes „Ersetzen“ der nicht-islamischen Gesellschaft durch ihr islamisches Gegenstück in Frage kam:

„Unsere erste Aufgabe ist es, diese Jāhiliyya mit ìslāmischen Gedanken und Traditionen zu ersetzen.“ […] „Dies kann weder geschehen, indem wir einige Schritte mit der Jāhiliyya zusammen gehen, noch durch das Abtrennen der Beziehungen zu ihr und unseren Rückzug in eine separate Ecke…“ […] „Die Kluft zwischen dem Ìslām und der Jāhiliyya ist sehr groß und eine Brücke über ihr zu bauen ist nicht möglich, so dass die Menschen der zwei Seiten sich miteinander vermischen könnten, sondern allein auf die Weise, dass die Menschen der Jāhiliyya zum Ìslām kommen können, ob sie nun in einem so genannten ìslāmischen Land ansässig sind und sich selbst als Muslime betrachten oder außerhalb des ìslāmischen Landes sind.“ Qutb-Weigzeichen: S. 189,190

Die genannten Punkte sind das geistige Fundament des „ständigen Dschihads“, der unweigerlich an die Theorie der „permanenten Revolution“ von Leo Trotzki erinnert. Eine sozialistische Revolution als weltweiter, ständiger Prozess unter Führung von Arbeiterräten.
Diesbezüglich scheint es nicht weiter auffällig, dass Qutb sich auch sozialistischer Rhetorik bediente. Im Buch „Der Prophet und der Pharao“ vom französischen Islamismus-Experten Gilles Kepel, wird Qutb mit den Worten zitiert, dass „eine Avantgarde es in Angriff nehmen müsse, die Dschāhilīya, die überall auf der Welt ihre tiefen Wurzeln geschlagen habe, von innen her zu zerstören.“

Der Begriff der Avantgarde fand Einzug in die politische Sprache insbesondere von revolutionären linken Bewegungen. So verstand Lenin, und mit ihm der spätere Marxismus-Leninismus, die kommunistische Partei als „Avantgarde der Arbeiterklasse“.

Für Qutb war diese Avantgarde die Muslimbruderschaft, die eine Vorreiterrolle im Kampf für ein weltweites Kalifat einnehmen sollte.

Unter Qutbs Formulierung „Zerstörung von innen“ verstehen übrigens bis heute sogenannte „legalistische IslamistInnen“ das Unterwandern der Institutionen von nicht-islamischen Gesellschaften, um in diesen an Einfluss zu gewinnen und sie schlussendlich abzuschaffen. Ein ähnliches Szenario zeigt Michel Houellebecq in seinem Roman „Unterwerfung“. Es liegt nahe, dass Qutb auch hier durch TrotzkistInnen beeinflusst wurde, da diese die Methode des „Entrismus“ verwenden, der offenen oder verdeckten Mitarbeit in Parteien und Organisationen, um sie zu unterwandern und die eigene Ideologie durchzusetzen.

Natürlich war Qutb kein Freund des Sozialismus, ganz im Gegenteil. Genauso wie er Kapitalismus, Demokratie und Liberalismus verachtete, betrachtete er auch linke Bewegungen als verkommende, gottlose und minderwertige Konstrukte, die es zu bekämpfen und überwinden galt.
Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass einige MarxistInnen seit der Islamischen Revolution 1979 im Iran dazu neigen, IslamistInnen politisch zu unterstützen, wobei gerade Ajatollah Ruhollah Chomeini nach der Revolution zeigte, dass Linke in einem islamischen Gottesstaat relativ zeitnah exekutiert werden.

Ebenso erstaunlich finde ich es, dass eine Organisation wie marx21, die vom Verfassungsschutz als „trotzkistisch“ beschrieben wird, sich durch ihre Unterstützerin Christine Buchholz 2013 bei der 33. Jahreskonferenz der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) die Ehre gab und die islamische Organisation, die als Deutschlandvertretung der Muslimbruderschaft gilt, mit Lobeshymnen überschüttete. Dabei steht marx21 nur für die Speerspitze einer linken Bewegung, die in weiten Teilen keine Antwort auf die Islamismus-Problematik zu bieten hat, Kritik tabuisiert und teilweise den Schulterschluss mit fragwürdigen Gemeinden sucht.

Sayyid Qutb und Leo Trotzki sahen sich ähnlich leidenschaftlich im Kampf gegen den Imperialismus, das steht außer Frage. Weitere Gemeinsamkeiten wird man lange suchen müssen. Um das zu verstehen, wird die linke Bewegung wohl erst massiv auf die Nase fallen müssen, um ein wirkliches Umdenken einzuleiten.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Der Müller-Sabri-Skandal

Am 01. Oktober 2015 verlieh Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Großen Festsaal des Roten Rathauses an zwölf verdiente Bürger*innen der Stadt den Verdienstorden des Landes Berlin. Unter diesen zwölf befand sich Mohamad Taha Sabri, der Imam der Neuköllner Dar-as-Salam Moschee, auch bekannt als Neuköllner Begegnungsstätte (NBS).

Der Verdienstorden des Landes Berlin gilt als höchste Auszeichnung des Bundeslandes, mit der Personen geehrt werden, die sich in besonderer Weise um Berlin verdient gemacht haben. Sabri wird in der Begründung als „Prediger gegen Hass, Gewalt und Terrorismus“ beschrieben. Vorschlagsberechtigt ist der regierende Bürgermeister von Berlin, Anregungen kommen vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses und den Mitgliedern des Berliner Senats.

Relativ schnell wurden kritische Stimmen laut zur Neuköllner Begegnungsstätte (NBS), wobei der Berliner Verfassungsschutz die NBS schon seit 2014 dem Milieu der islamistischen, antisemitischen Muslimbruderschaft zuordnet. Wie konnte der Iman einer solchen Moschee die höchste Auszeichnung eines Bundeslandes bekommen?

Infos zur Muslimbruderschaft: Die zwei Gesichter der Annette Ranko

Mit einer angebrachten kritischen Distanz zum Verfassungsschutz in Deutschland, könnte man sich jetzt denken, dass Herr Sabri womöglich einer Schmutzkampagne ausgesetzt wird. So einfach scheint es aber dann doch nicht zu sein.

Nach Recherchen von rbb24 sprach der saudische Hassprediger Mohamed al-Arifi zwei mal seit 2009 in der NBS. Herr Sabri zeigte sich auch spürbar erheitert an der Seite des Salafisten auf diversen Fotos.

Eine kurze Recherche zu al-Arifi zeigt, dass er explizit zum Jihad in Syrien aufrief. Entsprechende Videos werden auch mit deutschen Untertiteln weiterverbreitet. Al-Arifi hetzt gegen Shiit*innen, Andersgläubige, Homosexuelle. Jüdinnen und Juden bezeichnet er als „Enkel der Affen und Schweine“.

Al-Arifis Predigt soll 2009 zudem von einer hochbrisanten Figur gefilmt worden sein:

„rbb-Recherchen zufolge hat diese Predigt 2009 der mittlerweile zum „Bildungsminister“ des sogenannten „Islamischen Staates“ aufgestiegene Berliner Salafist Reda Seyam als Kameramann gedreht. Bilder zeigen al-Arifi neben dem Imam der NBS, Mohammed Taha Sabri, im Hintergrund Seyam.“

Mohamad Taha Sabri und die NBS haben also in zwei Fällen einen dschihadistisch-salafistischen Prediger auftreten lassen, dessen Gefolgsleute heute in Teilen beim IS sind. Das ist Fakt.

Und es geht noch weiter. So berichtet rbb:

„Laut rbb-Recherchen hat Imam Sabri überdies am 16. Oktober 2016 im Beisein eines Kamerateams von Al Jazeera eine Predigt in der NBS gehalten, die seinem liberalen Image zu widersprechen scheint: „Jede Erneuerung ist Ketzerei, jede Ketzerei ist eine Irrleitung und jede Irrleitung endet im Höllenfeuer.“ Auch predigte er, der Koran erhöhe Völker über andere: „Bei den anderen, Christen, Juden, Zoroastriern, Buddhisten oder in irgendeiner anderen Umma, wirst du keinen finden, der sein Buch so auswendig kann wie Muhammads Umma das tut.“

Stimmt dieser Bericht, beschuldigt Sabri liberale Muslim*innen nicht nur des Irrglaubens, er erhebt auch einen Exklusivitätsanspruch der muslimischen Communitys über alle anderen Gemeinschaften der Welt. Das ist klassisches islamistisches Gedankengut. Ich erinnere ungern daran, dass wir hier von einem Mann reden, der den Verdienstorden des Landes Berlin erhalten hat.

Am 12. März 2016 trafen sich in der NBS viele muslimbrudernahe und andere islamische Vertreter aus diversen Ländern fast unbemerkt von der Öffentlichkeit zur Gründung eines Fatwa-Ausschusses. Unter den vielen Gelehrten aus der arabischen Welt war auch Ali al-Qaradaghi, ein bekannter Unterstützer des Muslimbruders Yusuf al-Qaradawi.

In seinen Predigten und Erörterungen billigt al-Qaradawi Selbstmordattentate im Kampf der Palästinenser*innen gegen Israel als erlaubten Märtyrertod, nennt Adolf Hitler „eine gerechte Strafe Allahs für die Juden“ und stimmt die Muslim*innen auf einen neuerlichen Holocaust in der Zukunft ein. Darüber hinaus befürwortet er die Todesstrafe für „Abkehr vom Islam“ und außerehelichen Geschlechtsverkehr. Homosexualität ist für ihn eine „geschlechtliche Abartigkeit“.

Angesprochen auf die Person al-Qaradawi, antwortet Mohamed Taha Sabri rbb24:

„Er ist ein großer Gelehrter, vom Wissen her. Aber er ist auch umstritten. Was die politische Einstellung betrifft und dass er aus Katar kommt, das ist eine andere Frage.“

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wenn wir von Yusuf al-Qaradawi reden, dann reden wir von einem Hassprediger, der sich einen Holocaust 2.0 wünscht, nur dieses Mal mit Muslim*innen als ausführende Kraft. Diesen Mann nennt Mohamed Taha Sabri „einen großen Gelehrten“. Wenn Sabri danach anmerkt, dass er angeblich nicht wisse, was al-Qaradawi so über Jüdinnen und Jude sage, dann stimmt das entweder nicht oder er kennt wesentliche Inhalte nicht, die sonst so gut wie jeder Mensch in der arabischen Welt kennt, gerade auch junge Menschen. Das ist in diesem Fall eine bildungstechnische Bankrotterklärung für den Imam einer einflussreichen arabischen Moschee in Deutschland.

Des Weiteren hat sich Taha Sabri öffentlich mit der Bewegung um den Muslimbruder Mursi, der am 3. Juli 2013 nach tagelangen Massenprotesten gegen seine Politik als ägyptischer Präsident abgesetzt wurde, solidarisiert. Davon zeugen dutzende Fotos von Sabri mit dem r4bia-Handzeichen. Mursi befasste sich übrigens in seinem ersten (!) Gesetzesentwurf damit, das Verbot der Genitalverstümmelung von Frauen aufzuheben.

Wenn Sabri heute auf Nachfrage von rbb24 antwortet, dass das „r4bia-Handzeichen nichts mit der Muslimbruderschaft zu tun habe“, kann ich das persönlich nicht mehr ernst nehmen. Fakt ist, dass das r4bia-Zeichen seit August 2013 das Symbol des Widerstands der Muslimbrüder gegen den ägyptischen Militärmachthaber Abdel Fattah al-Sisi ist. Damals wurde ein Protestcamp der Muslimbruderschaft auf dem Rabia-al-Adawiyya-Platz in Kairo brutal geräumt. Daher der Name. Auf dem Bild sieht man auch deutlich, dass der Herr links neben Sabri ein Mursi-Shirt trägt.

Ich muss es nachdrücklich nochmal erwähnen: Wir reden hier von einem Menschen, der von dem regierenden Bürgermeister der Stadt Berlin die höchste Auszeichnung des Bundeslandes erhalten hat. Das ist nicht hinnehmbar. Dass Herr Müller auch nach differenzierter und konstruktiver Kritik diese Verleihung nicht als Fehler benennen will, macht ihn untragbar in seinem Amt. Müller schadet nicht nur dem Amt des Bürgermeisters, sondern macht auch seine Partei, die SPD, für die letzten verbliebenen Wähler*innen unglaubwürdig. Der Müller-Sabri-Skandal zeigt eindrucksvoll, was in der deutschen Integrations- und Islam-Politik falsch läuft. Eine Politik, die die Werte der freiheitlich demokratischen Gesellschaft in diesem Fall mit Füssen tritt.

Michael Müller sollte die Konsequenzen ziehen und zurücktreten.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Milli Görüs & Erbakan

Seit 2010 geht in Deutschland das Gerücht um, dass die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) sich nach und nach von der Bewegung in der Türkei emanzipiert und nachdrücklich distanziert. Davon beeindruckt äußerte der Verfassungsschutz vor 3 Jahren, dass die IGMG in nächster Zeit aus der Beobachtung herausfallen könnte.

„Wir nehmen den Wandel bei einigen Organisationen des legalistischen Islamismus wahr“. Ohne Prophet sein zu wollen: Es könnte sein, dass wir in ein paar Jahren feststellen, dass die IGMG auf dem Boden der Verfassung steht“, sagte Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen 2015 dem Tagesspiegel.

Weiter heißt es in dem Artikel:

„Ihrer Führung attestieren die Verfassungsschützer „anhaltende Bemühungen“, den Verband aus seinen islamistischen Bezügen in der Türkei zu lösen.“

Soweit, so gut. Schaut man sich allerdings seit 2013 die verschiedenen Internetauftritte der IGMG an, kann man durchaus auch zu einem anderen Eindruck kommen, gerade mit Blick auf die Figur Necmettin Erbakan, dem Gründer Milli Görüs-Bewegung und Vater des türkischen Islamismus, der für sein antisemitisches Weltbild bekannt wurde. Erbakan wollte die türkischen Bürger*innen unter einem Dach von Nationalismus und Islamismus vereinen und nach Vorbild der Muslimbruderschaft, ein islamistisches Staatswesen errichten.

Als Hauptfeind galt ihm dabei der Zionismus:

„Der Zionismus ist ein Glaube und eine Ideologie, dessen Zentrum sich bei den Banken der New Yorker Wallstreet befindet. Die Zionisten glauben, dass sie die tatsächlichen und auserwählten Diener Gottes sind. Ferner sind sie davon überzeugt, dass die anderen Menschen als ihre Sklaven geschaffen wurden. Sie gehen davon aus, dass es ihre Aufgabe ist, die Welt zu beherrschen. Sie verstehen die Ausbeutung der anderen Menschen als Teil ihrer Glaubenswelt. Die Zionisten haben den Imperialismus unter ihre Kontrolle gebracht, und beuten mittels der kapitalistischen Zinswirtschaft die gesamte Menschheit aus. Sie üben ihre Herrschaft mittels imperialistischer Staaten aus.“ N.Erbakan

Erbakan, der auch der Mentor des Faschisten Recep Tayyip Erdoğan war, wird seit Jahren auf der Facebook-Seite und Homepage der IGMG glorifiziert.

Einige Beispiele:

Und auch im Jahre 2018 widmet man Erbakan weiter glorifizierende Beiträge und Videos auf der Facebook-Pinnwannd. Dabei versucht man erst gar nicht dezent oder unauffällig vorzugehen. Offensiv und selbstbewusst wird ein Judenhasser, Islamist und geistiger Brandstifter auch der besonders jungen Gefolgschaft der Milli Görüs-Bewegung präsentiert und in einem Atemzug mit Malcolm X im dazugehörigen Video gezeigt.

Quelle klick hier

Wenn das Distanz zum Vater der der islamistischen und antisemitischen Milli Görüs-Ideologie in der Türkei sein soll, dann sollte das Wort Distanz neu definiert werden.

Milli Görüs steht für ein ultra-konservatives Islamverständnis mit einer rigiden Geschlechtertrennung und einer fragwürdigen „Jugendarbeit“, wobei junge Menschen in Milli Görüs-Camps sich jedes Jahr zu Hunderten treffen. Was dort für Inhalte vermittelt werden, weiß niemand so recht.

Dass Milli Görüs ein hochproblematisches Verhältnis zu Israel hat, um es milde auszudrücken, sollte nach der Ideologie Erbakans auch niemanden mehr überraschen. So war die IGMG einer der Veranstalter der Israel-kritischen Demos in Berlin im Dezember 2017. Solche Bilder gehören da schon zur Tagesordnung:

Ich zitiere zum Abschluss nochmal Hans-Georg Maaßen:

„Es könnte sein, dass wir in ein paar Jahren feststellen, dass die IGMG auf dem Boden der Verfassung steht.“

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Das Schweigen der Kopftuch-Feministinnen

2018 – Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr und melde mich aus dem wohlverdienten Winterurlaub zurück. Leider scheint sich auch dieses Jahr wenig in Deutschland zu ändern. Marx21 wird in linken Kreisen weiterhin geduldet und veranstaltet beinahe ungestört seinen fragwürdigen marx is` muss-Kongress. Im Bundestag relativieren die meisten Linken nach wie vor die Islamismus-Problematik und gefühlt 90% der Beiträge zum Thema „Zuwanderung“ bieten Expert*innen an, deren Nahost-Analyse im Kalten Krieg stecken geblieben ist. Also alles beim Alten.

Durch Zufall bin ich auf einen Post der Seite Stop Extremism gestoßen, in dem der Kopftuch-Feministin Kübra Gümüsay der juristische Kampf angesagt wird, nachdem diese einen Artikel der Emma per Unterlassungsklage verschwinden ließ, den auch das Stop Extremism-Team geteilt hatte. In dem besagten Artikel werden Gümüsay eine „fehlende Distanzierung von islamistischen Sichtweisen“ vorgeworfen. Dass Gümüsay sich in der Vergangenheit sehr positiv zur islamistischen, antisemitischen und faschistischen AKP geäußert hat, habe ich in meinem letzten Artikel bereits thematisiert: Ein offener Brief an Sookee

Scheinbar verklagen Akteur*innen aus dem Dunsktkreis der islamischen Dachverbände, relativ häufig und schnell Kritiker*innen, das ist inzwischen bekannt. Ebenso leidenschaftlich sind Damen wie Gümüsay, Betül Ulusoy oder Khola Maryam Hübsch aktiv im Kampf für die Etablierung des Kopftuches im Staatsdienst. Dass der deutsche Staat sich selber religionslos definiert und nur durch seine Staatsdiener*innen verkörpert werden kann, wird dabei durch die Damen ignoriert. Ein Blick in die blutige Geschichte Europas, in der die Kirche Menschen foltern und wahllos exekutieren konnte, weil man dem Klerus die Politik überließ, scheint keine Mahnung mehr zu sein.

Khola Maryam Hübsch ging im Sommer 2017 bei einem Plädoyer für kopftuchtragende Richterinnen direkt in die Vollen und begann mit einem Antisemitismus/Kopftuch-Vergleich:

„Antisemitismus ist das Gerücht über Juden, schrieb Adorno. Es gibt auch ein Gerücht über die kopftuchtragende Frau. Nicht nur wird kolportiert, sie sei unterdrückt. Es heißt auch: Sie wirkt nicht neutral. Denn neutral ist, was aus Mehrheitsperspektive normal erscheint.
Doch wie kann das Kopftuch einer Lehrerin, Richterin oder Rechtsreferendarin jemals normal und damit „neutral“ erscheinen, wenn es Frauen in diesen Berufsgruppen von vornherein verboten wird? Und warum dürfen die Brüder und Väter dieser Frauen Richter und Lehrer werden? Nur weil man ihnen ihre Überzeugungen nicht ansieht? Gleichberechtigung sieht anders aus.“

Im Großen und Ganzen wischt man sich den Schweiß von der Stirn und resümiert erleichtert, dass die Dame sich nicht an „legitime Israel-Kritik ©“ gewagt hat.

Ihre Kollegin, die Juristin Betül Ulusoy, ist da nicht weniger ambitioniert. 2015 erweckte sie per Twitter und Facebook, auch mit großer Unterstützung aus dem linken Spektrum, den Eindruck, ihr wäre der Referendariatsplatz verweigert worden, weil sie Kopftuch trägt. Das stimmte zwar nicht, aber es gab eine Empörungswelle. Richtig war, dass der Leiter des Rechtsamts erst eine Entscheidung des Bezirksamts-Kollegiums über die Einstellung der Frau haben wollte, um diese mit dem Neutralitätsgesetz abzugleichen. Das Bezirksamt entschied dann, dass Ulusoy im Rechtsamt arbeiten dürfe, aber keine hoheitlichen Aufgaben gegenüber Bürger*innen wahrnehme, wenn sie das Kopftuch trägt. De Facto war so für eine Kopftuchfeministin das staatliche Neutralitätsgesetz ausser Kraft gesetzt. Als wäre das noch nicht genug, ließ Ulusoy das Referendariat im Bezirksamt Neukölln sausen und trat die Stelle nie an. Vielleicht reichte ihr die Entscheidung als Präzedenzfall – wir wissen es nicht.

Kopftuch-Feministinnen wirken auf viele modern und liberal. Sie setzen sich medienwirksam in Szene, reden auf diversen Plattformen deutscher Parteien und schmücken mit ihren Gesichtern die Titelblätter der Printmedien. Ihr Kampf gilt der Diskriminierung von kopftuchtragenden Frauen. Mit Leidenschaft und Eloquenz streiten sie für die Etablierung des Kopftuches auch in Schulen, Gerichten und der Polizeiwache. Sie wollen eine Stimme für die sein, die nicht gehört werden. Solidarität steht dick gedruckt auf ihren Fahnen. Doch Solidarität mit wem eigentlich?

Ende Dezember entstand in Teheran, der Hauptstadt des Iran, ein Bild, das wohl Geschichte schreiben wird. Eine bisher unbekannte junge Frau trug ihr weißes Kopftuch nicht um den Kopf gewickelt, sondern schwenkte es an einem Stock wie eine Fahne. Ein Bild, welches sich auch als Symbol für den Protest gegen das islamistische, antisemitische Folterregime der Mullahs im Iran manifestiert.

Im Rahmen einer Frauenaktion, die seit dem 24. Mai 2017 allwöchentlich unter dem Motto „Weißer Mittwoch“ durchgeführt wird, protestieren weiß gekleidete Frauen gegen die staatlich verordnete Bekleidungsregelung und verbreiten Fotos in den sozialen Medien. Die Aktion richtet sich dabei nicht gegen das Kopftuch an sich, sondern gegen den Zwang es zu tragen.

Die junge Frau, Irans Symbolfigur des Widerstands, wurde inzwischen festgenommen und unterliegt der Willkür des islamistischen Folterregimes.

In den sozialen Netzwerken feiern Menschen weltweit den Mut dieser Frau. Sie solidarisieren sich mit „Weißer Mittwoch“, das Bild der Frau wird in sozialen Netzwerken das Profilbild all jener, die der Islamismus von Marokko bis Indonesien in ihren Menschenrechten beschränkt. Ein Akt der Freiheit im Angesicht des Todes.

Seltsam still ist es auf den Seiten der Kopftuch-Feministinnen. Ich habe mich sowohl auf der Facebook-Seite von Gümüsay als auch Ulusoy und Hübsch umgesehen. Zusätzlich ihre Namen in Kombination „Iran“ „Hijab“ „Weißer Mittwoch“ gegoogelt. Auch Youtube und Twitter wurden durchleuchtet. Ich fand: NICHTS.

Kein Statement, kein Interview, keinen Artikel. (Falls ich mich täusche, bitte schickt mir die entsprechenden Beiträge)

Galt ihre Solidarität und Leidenschaft etwa nur den Frauen, die das Kopftuch freiwillig tragen? Sind ihnen die Millionen Frauen in islamistischen Regimen, die gezwungen sind sich unter Hijab, Niqab oder Burka zu verstecken, womöglich egal? Sind Frauen ohne Kopfbedeckung nicht den gleichen Einsatz wert? Die Stille ist ohrenbetäubend. Das Schweigen der ewig Beleidigten.

Kübra Gümüsay scheint es sogar zu nerven, dass überhaupt eine Debatte zu der Kopftuchproblematik im Angesicht der Massenproteste geführt wird. So retweetet sie am 8. Januar 2018 folgenden Beitrag:

Die so hochgelobten Kopftuch-Feministinnen sollten sich in Zukunft Gedanken darüber machen, für wen und was sie kämpfen. Solidarität sollte auch den Frauen gelten, die einen anderen Weg bestreiten, denn diese leben meist nicht so frei, wie die genannten Damen in Westeuropa. Ein Blick in den Iran, nach Saudi Arabien oder auch in das angeblich moderate Ägypten reicht da aus.

Ich zitiere zum Abschluss die Journalistin Güner Yasemin Balcı (Muslimisches Forum Deutschland – MFD), die in wenigen Sätzen aufzeigt, warum man bei Hijab-Ladys wie Ulusoy oder Gümüsay auch die Kehrseite der Medaille betrachten sollte:

„Frauen mit Kopftuch sind oft klug und selbstbewusst – und oft dann besonders durchsetzungsfähig, wenn es darum geht, den Männern ihr Patriarchat zu erhalten. Sie sind die Hüterinnen konservativer muslimischer Moralvorstellungen. Als Mütter, Schwestern, Töchter und Ehefrauen genießen sie, bei Einhaltung islamischer Anstandsregeln, besondere Anerkennung. Von Frauen, die ein uneingeschränktes Recht auf das Tragen des Kopftuchs fordern, hört man selten, dass sie sich für Mädchen einsetzen, denen das Tuch von ihrer Familie aufgezwungen wird. Dabei müssten doch gerade jene für Selbstbestimmung eintreten, denen oft das Gegenteil unterstellt wird. Jeder Mensch in Deutschland hat das Recht, ein Kopftuch zu tragen. Und jeder Mensch hat in Deutschland das Recht, kein Kopftuch zu tragen. Weil sich für Letzteres bisher keine einzige muslimische Interessenvertretung eingesetzt hat, bleiben das Tuch und die damit verbundenen Regeln für „züchtige“ Frauen ein Thema des Anstoßes.“ Güner Yasemin Balcı – Verschleierte Unterordnung

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Ein offener Brief an Sookee

Hallo Sookee,

erst einmal Props für deinen musikalischen Werdegang und antifaschistischen Kampf. Besonders dein feministisches Engagement sowie dein unermüdlicher Einsatz gegen Antisemitismus, sind ein starkes Zeichen für eine neue Generation von jungen Menschen, die Antworten auf große Fragen suchen. In diesem Sinne sende ich dir solidarische Grüße nach Berlin.

Was mich allerdings ein wenig verwundert, ist, dass ich in deinen Interviews oder Beiträgen kaum etwas über islamistischen Antisemitismus oder türkischen Ultra-Nationalismus lese, die gerade in deiner Heimatstadt Berlin omnipräsent sind. Es mag an mir liegen, dass ich vielleicht zu wenige deiner Beiträge bisher bewusst mitbekommen habe. Sprechen wir also von einem ersten Eindruck.

Als ich vor einigen Tagen die Facebook-Seite von Kübra Gümüşay besuchte, stieß ich u.a. auf ein Foto, auf dem du sichtlich gut gelaunt mit Kübra zu sehen bist. Anscheinend hattet ihr im Oktober 2016 die gleiche Veranstaltung besucht oder zusammen dort referiert.

Dieses Bild ließ mich ein Stück weit verstört zurück, wenn ich ehrlich bin. Ich gehe davon aus, dass du die kritische Diskussion rund um Kübra Gümüşay in den letzten Jahren mitbekommen hast und somit auch darüber informiert sein solltest, dass Kübra sich mehrfach verteidigend und sogar lobend an die Seite von Organisationen und Parteien gestellt hat, die von diversen Expert*innen und offiziellen Ämtern aus Deutschland einem islamistischen Spektrum zugeordnet werden. Ist dir das egal? Wie hättest du reagiert, wenn auf dem Bild ein bekannte AFD-Sympathisantin vertreten gewesen wäre?

Aber der Reihe nach…

Soweit ich mich erinnern kann (ich bin mir aber nicht 100% sicher), hat Kübra Gümüşay in der Vergangenheit preisgegeben, dass sie in Reihen der „Millî Görüş-Bewegung“ aufgewachsen und sozialisiert sei. Neben anderen Veranstaltungen ist sie 2016 auch bei einem anti-rassistischen Event der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş – IGMG aufgetreten.

Die Millî Görüş (Nationale Sicht)-Bewegung wurde Anfang der 1970er Jahre in der Türkei durch den Islamisten, Nationalisten und Antisemiten Necmettin Erbakan gegründet. Erbakan war übrigens der Mentor Erdogans und gilt als Vater des türkischen Islamismus, der unmittelbar durch die Mutterorganisation des modernen Islamismus, die Muslimbruderschaft, beeinflusst wurde.

Necmettin Erbakan war besonders für seinen radikalen Antisemitismus bekannt, welcher auch zu einer Grundsäule seines 1973 erschienen Buches „Milli Görüş“ zählt. Zionist*innen bezeichnete er u.a. als „Bakterien“. Erdogan-Freund und AKP-Mitgründer, Abdullah Gül, sieht in Erbakan sein größtes Vorbild.

Im November 2010 gab Erbakan Der Welt ein Interview, in dem er folgendes sagte:

„Seit 5700 Jahren regieren Juden die Welt. Es ist eine Herrschaft des Unrechts, der Grausamkeit und der Gewalt. Sie haben einen starken Glauben, eine Religion, die ihnen sagt, dass sie die Welt beherrschen sollen. Sehen Sie sich diese Ein-Dollar-Note an. Darauf ist ein Symbol, eine Pyramide von 13 Stufen, mit einem Auge in der Spitze. Es ist das Symbol der zionistischen Weltherrschaft.“

Ich möchte eine solche Rhetorik ungern weiter kommentieren, du wirst sie für dich richtig einordnen können. ;)

Nun haben wir in Deutschland die Situation, dass in Millî Görüş-Gemeinden über Jahrzehnte Menschen mit dieser Ideologie indoktriniert wurden, was der Bewegung in Deutschland immer wieder Einträge in diversen Verfassungsschutz-Berichten bescherte. So schreibt der Niedersächsische Verfassungsschutz über die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG):

„Die ideologischen Wurzeln der IGMG liegen in der von dem türkischen Politiker Necmettin ERBAKAN (gestorben 27.02.2011) Ende der 1960er Jahre gegründeten Milli Görüs-Bewegung. ERBAKAN strebte die Schaffung einer neuen Großtürkei in Anlehnung an das Osmanische Reich bei gleichzeitiger Abschaffung des Laizismus an. In seiner Ideologie verknüpfte ERBAKAN islamistische mit türkisch- nationalistischen Elementen.“

Es wird aber auch angefügt:

„Die Charakterisierung der IGMG als islamistische Großorganisation ist allerdings insofern zu relativieren, als zunehmend weniger Anhaltspunkte für extremistische Aktivitäten und Positionen der IGMG vorliegen.“

Guckt man sich Berichte an und durchforscht den Internet-Auftritt der Bewegung, kann man auch zu einer anderen Einschätzung kommen. Zumindest scheint aber klar zu sein, dass zwar weniger Anhaltspunkte für extremistische Aktivitäten in Reihen der IGMG auftreten, diese aber nicht komplett verschwunden zu sein scheinen.

Der Islamwissenschaftler Dr. Marwan Abou-Taam schätzt die Verbindung zwischen den MG-Bewegungen in Deutschland und der Türkei wie folgt ein:

„Trotz aller Differenziertheit erfolgte bislang kein eindeutiger Bruch mit der Programmatik oder gar mit der Ideologie, vielmehr existieren nach wie vor wichtige ideologische Affinitäten und substantielle Verbindungen zwischen den beiden Bewegungen in Deutschland und in der Türkei.“

Der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg schrieb im April 2016:

„Zum fünften Mal jährte sich am 27. Februar 2016 der Todestag Necmettin ERBAKANs, des Gründers und Führers der „Milli-Görüs“-Bewegung. Seine Person wurde in den Tagen und Wochen rund um diesen Gedenktag in den Publikationen der Bewegung, insbesondere in der Tageszeitung „Milli Gazete“, entsprechend gewürdigt. Bei Gedenkveranstaltungen in Moscheevereinen der „Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs e. V.“ (IGMG) in Baden-Württemberg, aber auch in Postings in den sozialen Netzwerken wurde die ungebrochene Loyalität zur Person ERBAKANs und zu seinen politischen Positionen ein weiteres Mal sichtbar.“

Wir wissen beide, dass der Verfassungsschutz eine hoch problematische Quelle ist. Deshalb wäre es von Vorteil, wenn du diesbezüglich mit linken türkisch-, kurdisch- oder armenisch-stämmigen Menschen sprechen würdest. Sei dir sicher, sie werden die Berichte über Millî Görüş bestätigen.

Somit kehren wir zu Kübra Gümüşay zurück, mit der du dich lachend auf einem Bild im Internet zeigst. Nicht nur, dass sie auf Veranstaltungen der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) auftritt und somit der Organisation eine Art „feministischen“ Anstrich verpasst, sie ging in der Vergangenheit sogar soweit, die Beobachtung der Millî Görüş-Bewegung in Deutschland in einem TAZ-Artikel, als eine Art Stigmatisierung der Mitglieder zu verteufeln. Eine Organisation, die in Teilen bis heute einen Mann glorifiziert, der Zionist*innen „Bakterien“ nannte. Eine Organisation, die im August 2013 den ehemaligen Vorsitzenden der Saadet Partisi, Mustafa Kamalak, nach Deutschland zum Tag der „Geschwisterlichkeit und Solidarität“ einlud. Die Saadet Partisi ist eine islamistische & nationalistische Partei in der Türkei und Teil der Millî Görüş-Bewegung. Zentrale Leitfigur der Partei ist Necmettin Erbakan.

Als wäre das noch nicht genug, berichtete Kübra Gümüşay 2013 sehr positiv von der islamistischen, nationalistischen und antisemitischen AKP (deren Gründer aus der Millî Görüş-Bewegung kommen) und fügte sogar an, dass sie „keine Alternative zur AKP in der Türkei sehe“. Also keine Alternative zum Islamismus, Antisemitismus und Faschismus der Person Erdoğan, den sie übrigens noch als besten Redner einer Veranstaltung anpries. Das ließ schon damals tief blicken…

Nicht umsonst forderte Reyhan Şahin, die aus einem alevitischen Elternhaus stammt, Kübra Gümüşay 2016 auf, sich endlich zu positionieren:

„Kübra Gümüşay, Ist es Absicht, dass Du – obwohl Du Dich aktiv in IGMG- und AKP-nahen Kreisen bewegst – spezifische Themen in Deiner anti-rassistischen und feministischen Agenda bewusst rauslässt? An welche Themen ich da denke: Erdoğans Frauen degradierende Politik in der Türkei, die Ächtung von Homosexuellen in der Türkei, die dortige Hetzjagd auf LGBTs und Transgender-Menschen, die Lage von Aleviten und Alevitinnen im Besonderen, konkreter: die Vergewaltigungen und Folter von Kurdinnen in Cizre und Muş-Varto in diesem und letztem Jahr, (natürlich immer aus kritischer Perspektive), Etwas allgemeiner: Die Folter von IS-Kämpfer*innen von Jesidinnen? Die derzeitigen Vergewaltigungen und Folter der gefangenen „Putschisten“ als Landesverräter – Ist das für Dich kein Rassismus oder Sexismus gegen die Menschheit? Sind dies keine Ungerechtigkeiten oder Gräueltaten, die frau als „Feministin“ und „Muslimin“ benennen sollte? Im Gegenzug dazu finden sich doppeldeutige pro-Erdoğan-Postings von Dir auf Twitter, Deine Auftritte in zwiespältigen islamischen Veranstaltungen, Dein unkritisches Interview mit Tariq Ramadan für Zeit Campus von 2013 sowie Deine Vernetzung mit einer handvoll anderer Kopftuch tragender Frauen dieser Gesinnung, die nur unter sich agieren und solche patriarchalen, nationalistischen und rassistischen Strukturen weder benennen, noch hinterfragen.“

Weitere Infos zu Kontexten, in denen sich Frau Gümüşay bewegt: Gümüşay verklagt EMMA …

Liebe Sookee,

ich sehe drei Möglichkeiten, wie man auf so einen Brief reagieren kann. Entweder man ignoriert ihn oder schwingt diverse Keulen und geht nicht konkret auf Kritik-Punkte ein oder man überlegt sich, ob es Nachbesserungsbedarf im eigenen Standing gibt.

„Smiley-wir-haben-uns-alle-lieb-Bilder“ helfen Frauen nicht weiter, die durch Islamismus und Unterdrückung jeden Tag leiden müssen.

Ich finde es gefährlich, dass Kübra Gümüşay die genannten Strukturen nicht kritisch anspricht, sie teilweise relativiert und vor Ort sogar referiert. Tausenden Anhänger*innen ihrer Internetpräsenz sehen eine Feministin in Reihen der Millî Görüş-Bewegung auftreten, die in der Türkei offen antisemitisch, rassistisch, nationalistisch und islamistisch agiert. Eine Bewegung, deren Gemeinden in Deutschland bis heute eine rigide Geschlechtertrennung praktizieren. Strukturen, in denen Homosexualität ein Tabuthema ist.

Ayla Kiran schrieb 2008 in ihrer Studienarbeit „Die scheinbare Wandlung der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs“ auf Seite 14:

„So beherrschen die Sprecherinnen der Millî Görüş den westeuropäischen, feministischen Diskurs, den sie klug für ihre islamistischen Ziele zu nutzen wissen.“

Mit solidarischen Grüßen
Schmalle

Arte & die Antisemitismus-Dokus – Es bleibt schwierig

Sommer 2017 in Deutschland. Der deutsch-französische Kultursender Arte weigert sich eine von ihm in Auftrag gegebene Dokumentation über Antisemitismus zu veröffentlichen. „Auserwählt und ausgegrenzt“, so der Titel der Doku, erfülle nicht ausreichend die Kriterien, den stärker werdenden Antisemitismus in Europa abzubilden. Auch handwerkliche Fehler werden unterstellt. Der Zentralrat der Juden äußert darüber Unverständnis und fordert den Sender öffentlich auf, den Film auszustrahlen. Experten wie Ahmad Mansour und Michael Wolffsohn schließen sich dieser Forderung an.
Was nun folgt ist ein Schmierentheater, das vielen in den nächsten Jahren mit bitterem Beigeschmack in Erinnerung bleiben wird. Schlussendlich wird die Doku dann in einer Nacht und Nebel-Aktion durch die Bild-Zeitung veröffentlicht, worauf sich Arte wohl genötigt sieht, den Beitrag in einem höchst zweifelhaften Format mit Kommentaren und Hinweisen selber auszustrahlen.

Dass die Doku ihr Hauptaugenmerk auf islamistischen Antisemitismus legt, könnte einigen Verantwortlichen bitter aufgestoßen sein und veranschaulicht exemplarisch, welche Probleme in Deutschland nach wie vor bestehen, wenn es darum geht, Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch in Teilen der Einwanderungsgesellschaft zu benennen.

Ende Oktober 2017 können Interessierte nun eine neue Antisemitismus-Doku von Arte begutachten, die sich konkret mit der Geschichte eines jüdischen Jugendlichen beschäftigt, der seine Schule in Berlin auf Grunde antisemitischer Hetze und Übergriffe durch muslimische MitschülerInnen verlassen musste. Dabei kam es wohl auch zu nachgespielten „Hinrichtungs-Exzessen“ mit Plastik-Waffen.

Im ersten Augenblick mag man denken, dass die Arte-Redaktion sich die kritischen Stimmen der Vergangenheit zu Herzen genommen hat und eine differenzierte und mutige Dokumentation veröffentlicht.
Doch leider wird man auch bei dieser Doku, die den Namen „Weil du Jude bist“ trägt, weitestgehend enttäuscht.
Wieder ist es dem Arte-Team nicht gelungen, die „richtigen“ Fragen zu stellen. Die gesamte Doku präsentiert die Islamismus-Thematik nur am Rande und widmet sich im größeren Umfang dem Antisemitismus deutscher RechtspopulistInnen und ExtremistInnen, die mit diesem konkreten Fall eher wenig zu tun haben.

Dass man somit erneut versucht eine wichtige Islamismus-Diskussion zu umgehen, ist eine Bankrotterklärung für die journalistische Kompetenz der zuständigen Verantwortlichen dieser Doku. Das Ganze geht soweit, dass ohne Kritik und Rückfrage, Antisemitismus-Statistiken genannt werden, die diverse ExpertInnen aber auch Politiker wie Volker Beck, als unzureichend beschreiben. Hierzu empfehle ich folgendes Video:

So wird in der Doku gesagt, „dass die Täter antisemitischer Vorfälle, laut Statistik, überwiegend aus dem rechtsextremen Lager stammen.“ Das ist auf den ersten Blick richtig. Recherchiert man allerdings wenige Minuten bei Google, findet man folgende Zitate:

„Das Erfassungssystem antisemitischer Straftaten ist intransparent und durch die getrennte Erfassung von Antisemitismus und Israelfeindlichkeit in einem getrennten Bericht verschleiernd. So lange beispielsweise ein Brandanschlag auf eine Synagoge nicht als antisemitisch sondern als Teil des Nahostkonflikts gesehen wird, ist diese Aufspaltung mehr als zweifelhaft.“ Volker Beck

„Probleme gibt es jedoch laut „Welt“ bei der Zuordnung der Straftaten zu Tätergruppen. So würden antisemitische Straftaten grundsätzlich dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet, wenn es keine anderweitige Identifikation gebe. So gelte der Schriftzug „Juden raus“ generell als „rechtsextrem motiviert“, obwohl die Parole auch in islamistischen Kreisen populär ist. Die „Welt“ zitierte aus einem Bericht des „Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus“: „Damit entsteht möglicherweise ein nach rechts verzerrtes Bild über die Tatmotivation und den Täterkreis.“ Das decke sich auch mit den Erfahrungen von Juden in Deutschland. Die Behörden ordnen 93 Prozent der aktuell 681 Fälle von antisemitischen Delikten dem rechten Spektrum zu. Betroffene sprächen hingegen von mutmaßlich muslimischen Tätern in 62 Prozent der verbalen und 81 Prozent der körperlichen Angriffe. In den Polizeistatistiken sei die religiöse Motivation der Straftaten stark unterbewertet.“ Focus – 08.09.2017

Die Liste ähnlicher Zitate lässt sich mit einem relativ geringen Arbeitsaufwand problemlos erweitern. Hier stellt sich mir die Frage, ob die zuständigen JournalistInnen ihr Handwerk nicht verstehen oder einfach eine konkrete Problematik nicht näher benennen wollen, um unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen?
Wenn ein jüdisches Kind von ausschließlich muslimischen MitschülerInnen antisemitisch angegangen wird, sollte man sich der Ideologie hinter dieser Tat widmen und mögliche Motivationen beleuchten. Dass man sich in der Doku, nach der Benennung der Religionszugehörigkeit der TäterInnen, nicht viel später auf einer Demo von deutschen RechtsextremistInnen befindet, statt beispielsweise den islamistisch-antisemitischen al-Quds-Tag in Berlin zu zeigen, führt den Beitrag ad absurdum.

Wie soll man in Zukunft Probleme lösen, wenn man diese nicht konkret benennen will. Genauso wie die deutsche Mehrheitsgesellschaft sich der Kritik stellen muss, dass Hass auf MuslimInnen nicht nur zum Alltag im Milieu der Rechtsradikalen gehört und antimuslimische Ressentiments heute bis weit in die Mitte der Gesellschaft reichen, genauso müssen sich auch die muslimischen Communities der islamistischen Antisemitismus-Diskussion stellen – auf Augenhöhe. Arte verweigert sich dieser Diskussion weitestgehend und befördert so den Wind in den Segeln der RechtspopulistInnen, die derartige journalistische Aussetzer für ihre fremdenfeindliche Propaganda instrumentalisieren können. So kommen wir keinen Schritt weiter.

FAZIT

Angst, die lähmt, führt in den Abgrund. JournalistInnen, die sich einer notwendigen Diskussion verweigern, tun ihren Teil dazu. Es ist Zeit mutig und differenziert Fragen zu stellen, Kritik zu äußern und wenn nötig auch mit Respekt zu streiten. Das nennt man Demokratie.

Im Netz des Zentralrats (ZMD)

Die deutsche Bundesregierung wird 2018 die Fördermittel für die islamischen Dachverbände DITIB und den Zentralrat der Muslime (ZMD) laut m.dw.com, um bis zu 90% kürzen. Während DITIB dabei im Fokus der Kritik steht, weiß man wenig über den selbsternannten Zentralrat und dessen Strukturen.

Der ZMD vertritt mit 15.000 – 20.000 Mitgliedern ca. 0,4% der MuslimInnen in Deutschland. Man kann also anders als beim Zentralrat der Juden, der ca. 50% der Jüdinnen und Juden in Deutschland repräsentiert, beim ZMD von einer namenstechnischen Mogelpackung sprechen. Nichtsdestotrotz fühlt sich der Vorsitzende des ZMD, Aiman Mazyek, in diversen Talkshows und bei gemeinsamen Auftritten mit PolitikerInnen, regelmäßig dazu berufen, für alle MuslimInnen in Deutschland zu sprechen.

Wer wirklich in diesem Zentralrat aktiv ist und dort die Strippen zieht, ist bei der medialen Über-Präsenz von Mazyek für die meisten Menschen nicht ersichtlich. Anders als die drei anderen Dachverbände DITIB, Islamrat und VIKZ ist der Zentralrat nicht durch türkische Verbände dominiert und stellt sich mit arabischen, afrikanischen, bosnischen und anderen internationalen Verbänden multikulturell auf. Dass es in den Reihen dieser Verbände aber mehrfach Verbindungen zu islamistischen und teils türkisch-ultra-nationalistischen Organisationen gibt, ist für viele ExpertInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen und Verfassungsschutzämter auch 2017 ein Faktum. Auffallend ist, dass der ZMD seit Ende 2016 die Übersicht über seine Mitglieder „aus Sicherheitsgründen“ nicht mehr transparent für die Öffentlichkeit präsentiert.

Natürlich sind die Mitglieder den KennerInnen der Szene nach wie vor bekannt und auf Anfrage auch einsehbar. Mein besonderes Augenmerk gilt in diesem Artikel den drei Verbänden IGD (Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V.), ATIB (Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.) und IZH (Islamisches Zentrum Hamburg), die im ZMD äußerst einflussreich agieren.

Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) ist eine der ältesten muslimischen Organisationen in Deutschland, die am 9. März 1960 aus dem Projekt Islamisches Zentrum München hervorging, das wiederum 1958 durch den prominenten Muslimbruder und Schwiegersohn des MB-Begründers Hasan al-Banna, Said Ramadan, ins Leben gerufen wurde.

Der US-amerikanische Autor Ian Johnson beschrieb in seinem Buch „A Mosque in Munich. Nazis, the CIA, and the Muslim Brotherhood in the West“ ausführlich, wie der amerikanische Geheimdienst CIA, Ramadan nach Deutschland holte, um ihn in ein bundesweit agierendes anti-kommunistisches Netzwerk einzuspannen. Die Muslimbruderschaft definiert sich seit ihrer Gründung Ende der 1920er Jahre als dezidiert anti-kommunistisch.

1989 wurde die IGD Gründungsmitglied der Federation of Islamic Organisations in Europe (FIOE), die als europäischer Dachverband der Muslimbruderschaft gilt. Islamwissenschaftler Aladdin Sarhan (Muslimisches Forum Deutschland – MFD) beschreibt die IGD wie folgt:

„Bereits seit ihrer Gründung steht die IGD unter bestimmender Einflussnahme der Muslimbruderschaft (MB).“ […] „Die IGD gilt als wichtiger Akteur im europäischen MB-Netzwerk. Sie ist Gründungsmitglied der „Föderation der Islamischen Organisationen in Europa“ (FIOE) mit Sitz in Brüssel. Bei der FIOE handelt es sich um den Dachverband aller MB-nahen Organisationen in Europa.“ […] “ In enger Verbindung zur FIOE steht der „Europäische Rat für Fatwa und Islamstudien“ (ECFR) mit Sitz in Dublin. Seit seiner Gründung 1997 steht er unter dem Vorsitz Yusuf al-Qaradawis, einem in Katar lebenden islamistischen Gelehrten.“ Aladdin Sarhan – Die Muslimbruderschaft in Deutschland

Dass in dieser Beschreibung der Name Yusuf al-Qaradawi fällt, ist kein Zufall. Al-Qaradawi gilt als Vordenker der Muslimbruderschaft, der von Katar aus regelmäßig über den Sender Al Jazeera zu Millionen Menschen in der islamischen Welt spricht. In seinen Predigten und Erörterungen billigt al-Qaradawi Selbstmordattentate im Kampf der PalästinenserInnen gegen Israel als erlaubten Märtyrertod, nennt Adolf Hitler „eine gerechte Strafe Allahs für die Juden“ und stimmt die Muslime auf einen neuerlichen Holocaust in der Zukunft ein. Darüber hinaus befürwortet er die Todesstrafe für „Abkehr vom Islam“ und außerehelichen Geschlechtsverkehr. Homosexualität ist für ihn eine „geschlechtliche Abartigkeit“.

Die IGD wird nicht selten als Organisation beschrieben, die „al-Qaradawis Bücher in Deutschland populär machte“.

Ahmad Mansour (Muslimisches Forum Deutschland – MFD) kritisierte Ende 2016 Sheikh Ferid Heider, der regelmäßig in Kreisen der IGD auftritt und in der Vergangenheit Literatur al-Qaradawis im Internet beworben hatte:

„Mir geht’s nicht um die Inhalte seiner Rede, viel mehr um das, was Heider repräsentiert: um sein Islamverständnis. Denn, wie soll man beispielsweise die Tatsache verstehen, dass er al-Qardawis Buch „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“ auf seiner Seite bewirbt? Al-Qaradawi ist eine Größe in der arabischen, islamischen Welt. Ein Gelehrter, der Selbstmordanschläge gegen Juden in Israel legitimiert und offen Jahre lang zum Jihad in Syrien aufgerufen hat.“

Der bayerische Verfassungsschutz schrieb 2016 über die IGD:

„Die IGD versucht durch politisches Engagement in Deutschland ihre von der Ideologie der Muslimbruderschaft (MB) geprägten Ziele zu erreichen. Die Anhänger der IGD sind bemüht, ihre Verbindung zur MB in öffentlichen Verlautbarungen nicht zum Ausdruck zu bringen. Die Bestrebungen der IGD richten sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland.“

Interessant ist auch die Rolle des IZAs (Islamisches Zentrum Aachen), welches ursprünglich vom Führer der syrischen Muslimbruderschaft, Issam al-Attar, gegründet wurde und sich 1981 von der IGD abspaltete. Das IZA soll laut Islamexpertin Valentina Colombo, die „geistliche Heimat von Aiman Mazyek“ sein.

Ein weiteres Mitglied des ZMD ist die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V. (ATIB).

Die ATIB spaltete sich 1987 von Mitgliedsvereinen der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland (ADÜTDF)“ ab. 2001 wurde die ADÜTDF vom „Zentrum für Türkeistudien“ in einem Gutachten („Zuwanderung“, Essen 2001, S. 78, Tabelle 19) als Tochterorganisation der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) identifiziert. Die MHP ist zugleich die Mutterorganisation der rechtsradikalen Grauen Wölfe-Bewegung. Der Gründer der ATIB, Musa Serdar Çelebi, trat erst jahrelang in Reihen der MHP auf, bevor er sich wohl (laut der Fraktion Die Linke, siehe kleine Anfrage, Drucksache 18/9233) ab den 1990er Jahren der türkischen rechtsextremen-islamistischen Partei BBP (Partei der Großen Einheit) anschloss:

„In der Türkei war Musa Serdar Çelebi zugleich jahrelang Vizevorsitzender der im Jahr 1993 von der MHP abgespaltenen, ebenfalls dem Ülkücü-bzw. Graue-Wölfe-Spektrum zugerechneten Partei der Großen Einheit (Büyük Birlik Partisi – BBP).“

Auch die BBP gehört der „Ülkücü“/Idealisten-Bewegung (Graue Wölfe) an, legt aber anders als die MHP, mehr wert auf den islamistischen Faktor. Islamwissenschaftler Michael Kiefer sieht im Programm der BBP Ähnlichkeiten zur deutschen NPD:

„Meines Erachtens kann man, wenn man Schnittmengen bilden möchte, durchaus sagen, dass die BBP ähnliche Dinge, ähnliche Programmpunkte auffasst wie die NPD.“ 3sat – Fragwürdige Friedensmission

Zentral in dieser Ideologie ist die Türkisch-islamische Synthese, ein politisch rechtsgerichtetes islamisch-konservatives Ideologem, das türkischen Nationalismus und Islamismus miteinander verbindet. Der Begriff wurde 1972 geprägt durch den konservativen Historiker İbrahim Kafesoğlu, der die türkisch-islamische Synthese auf die erste türkisch-islamische Dynastie der Karahaniden im 11. Jahrhundert zurückführte. Kafesoğlu betrachtete den Kontakt der alten Steppenkultur der Türken mit dem Islam als Veredelungsprozess. „Türkentum“ ist nach dieser Vorstellung nur in Verbindung mit dem sunnitischen Islam möglich. Daraus folgt auch die Diskriminierung der AlevitInnen und ChristInnen in der Türkei. Vor allem bei den AlevitInnen würde eine Anerkennung dieser als muslimische Minderheit (eigene Konfession) eine Anzweiflung des Türkentums ergeben und somit als ‚Separatismusbestrebung‘ in der Türkei gelten.

Musa Serdar Çelebis Sohn, Mehmet Alparslan Çelebi, ist ebenfalls Mitglied der ATIB und heute stellv. Vorsitzender des Zentralrats der Muslime.

Çelebi als auch die ATIB weisen jegliche Verbindungen zu den Grauen Wölfen von sich und distanzieren sich auf ihren Internetseiten von Nationalismus und Rechtsradikalismus. Diverse ExpertInnen, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen sehen das allerdings anders.
Dr. Kemal Bozay ( Politik-, Erziehungs-, Sozialwissenschaftler & Experte für türkischen Nationalismus) erwähnte die ATIB in seinem Buch Graue Wölfe heulen wieder mehrfach. So schrieb er:

„Die rechtsextrem-islamistisch gesinnte ATIB dagegen verwendet den Begriff des >Europäischen Türkentums< in enger Verbindung mit der >Nationalen Identität< .“[...] „Die Belebung der >Nationalen Identität< , sowie ihre Übertragung an neue Generationen, bilden in den Argumentationen von ATIB den Grundbaustein für die weitere Existenz des >Europäischen Türkentums< .[...]."

Im Juli 2017 bestätigte er seine Einschätzung in einem Dossier für die Bundeszentrale für politische Bildung:

Ismail Küppeli (für ufuq.de), Menschenrechtler Ilias Uyar, Prof. Dr. Ina Wunn und JournalistInnen der Sendung frontal21 kamen bei ihren Recherchen zu ähnlichen Ergebnissen.

Für mich ist es schwer vorstellbar, dass alle genannten ExpertInnen entweder falsch informiert sind oder gar lügen. Trotzdem überlasse ich die Interpretation der aufgeführten Quellen natürlich der Leserin und dem Leser. ;)

Als dritte fadenscheinige Organisation fällt in Reihen des ZMD das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) auf.

Das IZH ist eine der ältesten islamischen Institutionen Europas und stellt das Zentrum des schiitischen Islam in Deutschland dar. Das IZH ist dem geistlichen Oberhaupt des Iran unmittelbar unterstellt und wird somit durch das islamistische, antisemitische und homophobe Mullah-Regime im Iran kontrolliert. Theoretisch gesehen müsste man hier eigentlich nicht weiter schreiben, um jeglicher Kooperationen mit diesem Verein eine klare Absage zu erteilen. Leider zeichnet sich die momentane Haltung der deutschen Politik nicht durch einen differenzierten Blick auf die islamischen Dachverbände aus. Da das IZH Mitglied der Schura (Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg) ist, arbeitet es als direkter Kooperationpartner mit dem Bundesland Hamburg zusammen.

„Über SCHURA werden von den Mitgliedsgemeinden religiöse und soziale Aktivitäten gemeinsam organisiert und koordiniert. Dies betrifft vor allem den Jugend- und Frauenbereich aber auch gemeinsame Aktivitäten während des Fastenmonats Ramadan (Vorträge, Qur´anlesungen, gemeinsames Iftar), des Opferfestes oder Prophetengeburtstages.“ Schura – Selbstbeschreibung

Jahrelang wurde der antisemitische Quds-Marsch in Berlin vom IZH organisiert. Auch 2017 waren Funktionäre des Zentrums in die Organisation des Quds-Marsches eingebunden. Als Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) sich Anfang 2017 im IZH einer Diskussion stellte, zeigte er sich schockiert über Inhalte, die in Reihen des Zentrums propagiert werden:

Auch der Verfassungsschutz in Hamburg beobachtet das IZH:

„Neben den extremistischen Salafisten sind weitere islamistische Bestrebungen in Hamburg aktiv. So steht die an der Außenalster gelegene, als sogenannte „Blaue Moschee“ bekannte, schiitische „Imam-Ali-Moschee“ weiterhin im Fokus des Verfassungsschutzes. Trägerverein dieses Brückenkopfes des iranischen Regimes nach Deutschland und Europa ist das „Islamische Zentrum Hamburg“ (IZH).“

Warum die Stadt Hamburg weiter über den Schura-Rat mit dem IZH kooperiert, bleibt mir dabei schleierhaft.

FAZIT

Wenn man den diversen ExpertInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen und Verfassungsshutzorganen glaubt, ist der Zentralrat der Muslime (ZMD) ein Sammelbecken für IslamistInnen und türkische Ultra-NationalistInnen. Jegliche Kooperation mit dem ZMD sollte daher umgehend beendet werden. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Die zwei Gesichter der Annette Ranko

Nachdem ich das Buch „Die Muslimbruderschaft – Porträt einer mächtigen Verbindung“ von Annette Ranko gelesen habe, bin ich einerseits dankbar, dass Frau Ranko die politischen Vorstellungen und Ziele der Muslimbruderschaft gut recherchiert präsentiert, andererseits macht es mich fassungslos, dass die Mutter-Organisation des modernen Islamismus auch in diesem Buch als eine Bewegung beschrieben wird, die sich in erster Linie der Wohlfahrt verschrieben hat. Eine fatale Fehleinschätzung, die für mich nicht nachvollziehbar ist. Aber der Reihe nach…

Was mir bei dem Buch besonders bitter aufstößt, ist die Tatsache, dass auf 162 Seiten die Wörter Antisemitismus und Nazis nicht ein einziges Mal (!) genannt werden. So berichtet Ranko davon, dass Hasan al-Bannā (der Gründer der MB) Anfang der 1940er Jahre innerhalb der Organisation einen bewaffneten Geheimapparat ins Leben rief. Sie erwähnt aber nicht, dass die Bruderschaft bis 1939 finanzielle Unterstützung durch die NSDAP erhielt, und dass diese und weitere Gelder wohl auch in den Aufbau des Geheimapparates flossen. Vor allem ging es den Nazis dabei nicht nur um die Förderung eines Kooperationspartners gegen die Briten. Vielmehr zeigte sich schon früh in der „Juden-Frage“, dass entscheidende ideologische Schnittmengen vorhanden waren. In den Straßen Kairos organisierten die Muslimbrüder anti-jüdische Massendemonstrationen, auf denen Parolen wie „Nieder mit den Juden“ und „Juden raus aus Ägypten und Palästina“ propagiert wurden.

Die Muslimbruderschaft verbreitete Flugblätter mit Boykott-Aufrufen jüdischer Waren und Geschäfte. In der Zeitschrift der MB, Al Nadhir, erschien eine regelmäßige Kolumne mit der Kopfzeile „Die Gefährlichkeit der Juden von Ägypten“. Man veröffentlichte Namen und Adressen von jüdischen GeschäftsinhaberInnen angeblich jüdischer Zeitungen aus aller Welt, wobei alles „Böse“ (für Muslimbrüder besonders der Kommunismus) auf die „jüdische Gefahr“ zurückgeführt wurde. Ebenso erlangten die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ und „Mein Kampf“ über die Netzwerke der Muslimbruderschaft eine große Popularität in der arabischen Welt. Antisemitismus ist ein Kernlement der Muslimbruderschaft, wobei die Vernichtung Israels zuletzt 2012 öffentlich beworben wurde.

Mehr Infos: Die Verharmlosung der Muslimbruderschaft

Warum die Autorin diese historischen Fakten nicht erwähnt, kann ich mir nicht erklären. Stattdessen wird mantraartig immer wieder darauf hingewiesen, dass Hasan al-Bannā die Lebensbedingungen der ÄgypterInnen verbessern und „drastische soziale Ungerechtigkeiten“ überwinden wollte. Dass diese „Gerechtigkeit“ freilich nicht für die Jüdinnen und Juden in Ägypten galt, erklärt sich an Hand der Propaganda von selbst. Hasan al-Bannā war ein Antisemit der übelsten Sorte, der mit seinem Freund Mohammed Amin al-Husseini, dem Großmufti von Jerusalem, große Bewunderung für die Nazis und Adolf Hitler pflegte, wobei al-Husseini persönlicher Ehrengast Hitlers in Oybin (Sachsen) wurde, wo ihm ein stattliches Haus, finanziert von den Nazis, überlassen wurde. Dass al-Husseini 1947 schlussendlich zum Führer der Muslimbruderschaft in Palästina ernannt wurde, war somit nur konsequent.

Natürlich setzt sich die Muslimbruderschaft auch für Arme und Bedürftige ein. Doch das oberste Ziel war und bleibt die Errichtung einer islamischen Gesellschaft, aus der sich am Ende ein Gottesstaat entwickeln soll. Hasan al-Bannā formulierte die Grundüberzeugungen der Muslimbrüder in fünf Sätzen:

„Gott ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unsere Verfassung. Der Dschihad ist unser Weg. Der Tod für Gott ist unser nobelster Wunsch.“

Hamed Abdel-Samad beschrieb den sozialen Einsatz der Muslimbruderschaft in seinem Buch „Der Untergang der islamischen Welt“ als ein „Verwalten der Armut“, nicht als einen Einsatz, um die Armut zu überwinden. Dass der Islamismus ein entscheidender Grund, neben den Auswirkungen des Kolonialismus, für die Rückständigkeit und Armut großer Teile der islamischen Welt ist, wird von vielen SymphatisantInnen der Muslimbruderschaft auch heute noch verleugnet. Ich finde es unverzeihlich, dass Ranko sogar soweit geht und auf Seite 110 ihres Buches die Behauptung aufstellt, dass es „den Muslimbrüdern vor allem um Barmherzigkeit und Nächstenliebe gehe“. Eine Relativierung und Glorifizierung des Islamismus, die ich mir widerlicher nicht hätte ausmalen können. Man bedenke, dass Hasan al-Bannā 1938 den berühmten Leitartikel „Die Todesindustrie“ veröffentlichte, der als Blaupause für dschihadistische Selbstmordattentate gilt und in Reihen der Hamas, dem palästinensischer Ableger der MB, eine Art Manifest des Alltags darstellt.

Bei aller berechtigen Kritik an Frau Ranko, muss man aber auch erwähnen, dass Sie innerhalb des Buches ein ganz anderes „Gesicht“ zeigt, Ihrer journalistischen Pflicht nachkommt und sehr wohl kritisch und realistisch das Programm der Muslimbruderschaft einschätzt und bewertet. Dass sich hier der menschenverachtende und faschstoide Charakter der Muslimbruderschaft zeigt, hätte Sie bei Ihren Thesen zur Barmherzigkeit zumindest nachdenklich stimmen müssen. Die Einschätzungen sind so klar und deutlich, dass es reicht, sie unkommentiert zu zitieren. Die Leserin und der Leser bekommen einen ungeschnittenen Einblick in das Gesellschafts- und Menschenbild des Islamismus.

Ziele und politische Vorstellungen der Muslimbruderschaft – Ein Ausschnitt (S. 69-100):

01) „Der dezidiert islamische Charakter der anvisierten politischen Ordnung – der im Widerspruch zu einigen liberal-demokratischen Prinzipien steht – ist klar und deutlich in den Programmschriften offengelegt.“

02) „In diesem Staat soll der islamische Referenzrahmen die zentrale Komponente der politischen Ordnung bilden. Das bedeutet: Die Prinzipien der Scharia sollen Hauptquelle des Rechts sein, sie sollen außerdem die Grundlage der staatlichen Weltanschauung darstellen sowie das Fundament all seiner Handlungen. Dahinter verbirgt sich also der Anspruch, den Islam als ein allumfassendes System zu begreifen, welches auch das politische System einschließt.“

03) […] „die in Koran und Sunna genannten Vorschriften müssten – unabhängig von Ort und Zeit – wörtlich umgesetzt werden. Dies liege daran, dass der Aufrechterhaltung einer konservativ-islamischen Moral ein großer Stellenwert zukomme, denn sie sei der unantastbare Kern der islamischen Identität“ […]

04) „Wichtig ist jedoch zu betonen, dass die Scharia-Prinzipien hierbei immer als den westlichen demokratischen Konzepten überlegen dargestellt werden.“

05) „Verfassung und Gesetz im von der Muslimbruderschaft angestrebten »Rechtsstaat« haben sich an der Scharia zu orientieren. Für die Legislative bedeutet das, dass sich Gesetze, die im Bereich der öffentlichen Moral liegen, weitestgehend an wörtliche Vorschriften aus Koran und Sunna zu halten haben.“

06) „De facto jedoch verankert die Muslimbruderschaft ihre Vorstellungen von Gleichheit im Islam. Das betrifft einige wesentliche Einschränkungen der Rechte, vor allem für Frauen und religiöse Minderheiten. Von einer wahrhaften Gleichberechtigung aller kann also nicht die Rede sein.“

07) „Die Problematik ergibt sich im Kern daraus, dass die Gruppe ihr Konzept des Staatsbürgers im Islam verankert und damit von vorneherein die Rechte nicht-muslimischer Minderheiten beschneidet. Denn im klassischen Rechtsverständnis des Islam wird zwischen Rechten von Muslimen und Nicht-Muslimen unterschieden. Volle Bürgerrechte genießen lediglich männliche Muslime. Die Nicht-Muslime werden unterteilt in Christen und Juden einerseits (ahl-al-Kitab), die Besitzer einer Schrift, die zumindest einen Gott anbeten, und in Angehörige anderer Religionen andererseits. Lediglich die erste Gruppe genießt gewisse Rechte. Christen und Juden werden im klassischen islamischen Recht als Schutzbefohlene (dhimmi) ausgegeben. Sie haben eine besondere Steuer (jiziya) zu entrichten und genießen im Gegenzug den Schutz des islamischen Gemeinwesens“ […]. „Außerdem bleiben ihnen einflussreiche Ämter verwehrt“ […]. „Auch die Muslimbruderschaft schränkt die Rechte der Christen und Juden ein“ […]. „Die Rechte der Mitglieder anderer religiöser Gemeinschaften bleiben völlig ungeklärt. Damit steht immer im Raum, dass diese – falls sie nicht zum Islam konvertieren – keinerlei Rechte besitzen.“

08) „Gleiche Rechte für Mann und Frau sind im anvisierten Staat der Muslimbruderschaft nicht vorgesehen. […] „Laut Muslimbruderschaft unterscheidet sich die Frau aber ebenfalls durch eine verletzlicheres »Schamgefühl« vom Mann. Aus diesem Grund zieme es sich für die Frau, lediglich Gesicht und Handflächen zu zeigen – das heißt, ein Kopftuch zu tragen und mit ihrer Kleidung den Körper bis auf die Hände bedeckt zu halten. Auch der allzu offene Kontakt mit Männern im öffentlichen Raum soll vermieden werden. Zudem hat der Staat – laut Muslimbruderschaft – im Bereich der öffentlichen Moral Scharia-Normen weitestgehend wörtlich zu verstehen und umzusetzen, was die Rechtslage der Frauen noch verschlimmert.“ […] „Die öffentliche Moral verlangt also insbesondere den strengen Blick auf die Rolle der Frau: Aufgrund ihrer »Schamhaftigkeit« soll die Frau den zu offenen Kontakt mit nicht verwandten Männern meiden. Die berufliche Tätigkeit der Frau sollte zu ihrer »weiblichen Natur« passen, was den Beruf der Lehrerin, Kindergärtnerin oder Krankenschwester als besonders geeignet erscheinen lässt. […] „Die Darstellung von Frauen im kulturellen Produktionen, wie Theater, Kino oder auch in der Werbung, soll sich dem Rollenbild der Frau mit erhöhter »Schamhaftigkeit« und ihrer besonderen Rolle als Mutter anpassen. Kino- und Fernsehfilme, die leicht bekleidete Frauen zeigen oder sexuelle Handlungen auch nur andeuten, sollen zensiert werden.“

Fazit

Dass Frau Ranko von Nächstenliebe, Barmherzigkeit und dem Kampf gegen Ungerechtigkeit in Verbindung mit dem Namen „Muslimbruderschaft“ spricht, ist eine Beleidigung eines jeden klar denkenden Menschen. Die Muslimbruderschaft ist der Prototyp des Islamismus, das Abbild des islamistischen Faschismus und das Spiegelbild der Unterdrückung von Frauen und Minderheiten. Wer diese Organisation nicht aufs Schärfste verurteilt und jegliche Kooperation boykottiert, öffnet dem Faschismus Tür und Tor.

Eine Welle des Hasses

Am 17. Juni 2017 wurde in Berlin die Ibn-Rushd-Goethe Moschee u.a. von der Frauenrechtlerin Seyran Ates und dem Islamwissenschaftler Dr. Abdel-Hakim Ourghi eröffnet. Die Moschee verweist in ihrer Selbstdarstellung darauf, dass man in der Gemeinde „das Zusammenleben von Menschen islamischen Glaubens in Deutschland nach den Regeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland“ gestalten wolle.

Das Besondere an dieser Moschee ist nicht nur der Fakt, dass sie sich als explizit liberal versteht und „die verschiedenen Richtungen des Islam, wie Sunniten, Schiiten, Aleviten und andere Ausrichtungen des Islam, sowie Menschen aller sexuellen Orientierungen und Identitäten, in allen Beziehungen vollkommen gleichberechtigt“ willkommen heißt, vielmehr wird in der Moschee das Tabu gebrochen, welches nur Männern das Privileg des Vorbetenden zu kommen lässt. In der Ibn-Rushd-Goethe Moschee halten Frauen und Männer gemeinsam die Predigt und das teilweise sogar ohne die traditionelle Kopfbedeckung der Frau.

Dass diese Erneuerung innerhalb der muslimischen Communitys in Deutschland, die eher konservativ geprägt sind, nicht nur freundliche Reaktionen hervorbringen würde, damit hatte wohl jeder gerechnet. Dass sich aber nach der Eröffnung eine beispiellose Welle des Hasses in den sozialen Netzwerken über die Moschee und ihre Mitglieder ergoss, und Beleidigungen, Morddrohungen und Gewaltfantasien für jedermann live in den entsprechenden Kommentarspalten mitzulesen waren, bestätigte viele Menschen in ihrer Annahme, dass die muslimischen Communitys nach wie vor ein erhebliches Fundamentalismus-Problem haben.

Die Meinung einiger VertreterInnen der islamischen Dachverbände zeigte sich weniger radikal, machte aber deutlich, dass die Ablehnung der neuen liberalen Moschee auch weit bis in die Reihen der politischen RepräsentantInnen der islamischen Gemeinschaft reichen. So schrieb der stellv. Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Mehmet Alparslan Çelebi, bei Facebook:

„Die Islamhasserin Seyran Ates wird zur Imamin, Islamkritiker beten hinter ihr. Die Medien wissen auch nicht mehr genau was sie denken sollen. Köstlich, wenn nicht Ramadan wäre, würde ich mir Popcorn machen und dem Spektakel auf meiner Couch zusehen.“
Quelle: Mehmet Alparslan Çelebi-Facebook (Anmk. Herr Celebi hat inzwischen das Wort „Hasserin“ durch „Kritikerin“ ersetzt)

Selbst Haluk Yildiz, der Vorsitzende der BIG-Partei, die von diversen JournalistInnen als „Erdogans Lobbytruppe“ beschrieben wird, sah sich genötigt ein Video-Statement zur Eröffnung der neuen Moschee zu veröffentlichen. In diesem zelebriert er in knapp 11 Minuten die Feststellung, dass für ihn die liberale Form des Islam, die in der Ibn-Rushd-Goethe Moschee gelebt werde, nichts mit „dem“ Islam zu tun habe. Mal wieder scheinen gerade Männer im Sinne des traditionellen Patriarchats den Menschen erklären zu wollen, wie sie ihren Glauben „richtig“ zu leben haben. Ein Desaster, welches noch lange nachwirken wird und den rechten Rändern Deutschlands genau die Munition liefert, die sie für ihre muslimfeindliche Agenda benötigen.

Wer an diesem Punkt einen solidarischen Schulterschluss von einflussreichen Linken-PolitikerInnen mit den Mitgliedern der Ibn-Rushd-Goethe Moschee erwartet, wird diesen leider vorerst vergeblich suchen.
Christine Buchholz (MdB – Die Linke), die sich als einflussreiche Unterstützerin der marx21-Bewegung öffentlich mit Aiman Mazyek (Zentralrat der Muslime – ZMD) solidarisiert hatte, nachdem dieser auf einer Todesliste des Bundeswehrsoldaten Franco A. auftauchte, zeigt bis heute (Stand 20.06.2017) kein Zeichen der Anteilnahme oder Unterstützung. Eine Bankrotterklärung.

Dabei scheint sich der Hass vor allem gegen Seyran Ates zu richten, die bereits 1984 von einem türkisch-rechtsradikalen Mitglied der „Grauen Wölfe“-Bewegung in den Kopf geschossen wurde und nur schwer verletzt überlebte.

Und die Gewaltfantasien und Morddrohungen gehen bei weitem nicht nur von Menschen aus, die man im salafistischen Milieu verortet, das zeigen die Facebook-Profile der KommentatorInnen deutlich. Vielmehr scheint das Fundamentalismus-Problem weit in den Mainstream der muslimischen Communitys zu reichen, dabei spielen vor allem die islamischen Dachverbände eine unrühmliche Rolle, auch wenn sich diese öffentlich von Gewalt distanzieren. Jede Silbe der Kritik eines Ahmad Mansours scheint sich hier zu bewahrheiten.

FAZIT

Liberale Projekte wie die Ibn-Rushd-Goethe Moschee brauchen die Unterstützung und Solidarität der Mehrheitsgesellschaft und Politik, auch wenn sich diese eigentlich nicht in die Angelegenheiten einer Religionsgemeinschaft einmischen sollte. Sieht man aber das enorme Gewalt-Potential von Teilen der muslimischen Communitys sogar gegen ihre eigenen Glaubensgeschwister, die für Demokratie und Menschenrechte einstehen wollen, so ist auch ein politisches Zeichen überfällig, um die fundamentalistischen Flügel und Gewalt-PropagandistInnen endlich in ihre Schranken zu weisen.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Marx21 und der Islamismus

Marx21 ist ein Netzwerk innerhalb der Partei Die Linke mit rund 400 Mitgliedern und Nachfolger der im September 2007 aufgelösten entristisch trotzkistischen Organisation Linksruck. Marx21 bezeichnet sich selbst als „Netzwerk um das Magazin marx21“. So besteht das Netzwerk auf antiimperialistische Positionen, wendet sich gegen eine Beteiligung der Partei Die Linke an Regierungen, fordert einen „Sozialismus von unten“ und sieht sich selbst in einer revolutionären Tradition. Der Verfassungsschutz sieht das Ziel der Organisation in der „Errichtung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung durch eine Revolution“. Die bayerische Landesbehörde für Verfassungsschutz stuft marx21 als offen extremistische Vereinigung ein.“ Quelle

Nachdem ich in den letzten Wochen einige sehr emotionale Auseinandersetzungen mit Anhängerinnen und Anhängern der marx21-Bewegung auf Facebook hatte, melde ich mich im neuen Jahr mit einer Zusammenfassung der Geschehnisse zurück auf meinem Blog. Frohes Neues!

Einmal im Jahr veranstaltet marx21 seinen Kongress Marx is` Muss, auf dem in diesem Jahr Themen wie „Wirtschaftskrise, Blockupy-Proteste, die arabische Revolution bis hin zu Debatten über den Aufschwung des Rechtspopulismus in Europa“ kritisch behandelt werden. Als Referentinnen und Referenten findet man auf der Homepage des Kongresses neben PolitikerInnen der Linkspartei, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen, auch VertreterInnen des konservativen Islam, die laut diverser ExpertInnen und Verfassungsschutzämter Verbindungen zu faschistischen, islamistischen Organisationen und sogar türkischen Ultra-NationalistInnen aufweisen. Eigentlich ein Skandal, gerade für eine linke Veranstaltung, sollte man meinen. Menschen, die auf den entsprechenden marx21-Seiten Kritik äußern, werden dabei nicht nur systematisch blockiert, sie werden auch als HetzerInnen beleidigt.

„Hetze gegen bestimmte Personen und deren Religion“? Was war passiert, dass sich marx21 zu einem derartigen Statement veranlasst fühlte?

Als bekannt wurde, dass in diesem Jahr der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek, beim Kongress zum Thema „Wie stoppen wir die AFD“ sprechen wird, kochten auf der Veranstaltungsseite die Emotionen über.

Kritikerinnen und Kritiker äußerten ihr Entsetzen und stützten ihre Kritik dabei besonders auf die Zusammensetzung und die Mitglieder des Zentralrats der Muslime (ZMD).
So beheimatet der ZMD u.a. den türkischen-islamischen Verband „ATIB“, der laut dem Politikwissenschaftler Ismail Küpeli, dem Experte für türkischen Ultra-Nationalismus, Dr. Kemal Bozay (Buch: Die Grauen Wölfe heulen wieder), dem bayrischen Landtag oder JournalistInnen des ZDF (Beitrag: Graue Wölfe | Eine Chronologie der stillen Macht) dem Spektrum der türkisch-rechtsradikalen Grauen Wölfe zugerechnet wird. Die ATIB stellt mit Mehmet Alparslan Çelebi sogar den stellv. Vorsitzenden des ZMD.

Auch die Religionswissenschaftlerin Prof. Dr. Ina Wunn und ihr Kollege Hamideh Mohaghegh kamen in ihrem Buch Muslimische Gruppierungen in Deutschland zu dem selben Ergebnis.

Interessant dabei ist, dass Wunn und Mohaghegh eine ultra-nationalistische Bewegung in einem Buch über islamische Organisationen aufführen. Doch sie liegen genau richtig. Denn die Grauen Wölfe stützen sich auf die Türkisch-islamische Synthese, ein politisch rechtsgerichtetes islamisch-konservatives Ideologem, das türkischen Nationalismus und Islamismus miteinander verbindet. Dabei stand der nationalistische Faktor in der Vergangenheit immer im Vordergrund. Spätestens mit dem Aufstieg der islamistischen AKP ändern sich diese Zustände aber dahingehend, dass der islamistische Faktor inzwischen zumindest als gleichwertig neben dem Nationalismus bei den Grauen Wölfen angesehen wird. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Menschen in der Türkei von der Mutterpartei der Grauen Wölfe, der MHP, abwenden und sich dem rechts-außen Flügel der islamistischen AKP anschließen, auch aus Machtinteressen.

Ein weiteres Mitglied des ZMD ist die IGD (Islamische Gemeinschaft in Deutschland), die laut diverser Verfassungsschutzberichte und der Konrad-Adenauer-Stiftung als Deutschlandvertretung der islamistischen Muslimbruderschaft identifiziert wird. So schreibt die Konrad-Adenauer-Stiftung über die IGD:

„Bereits seit ihrer Gründung steht die IGD unter bestimmender Einflussnahme der Muslimbruderschaft. Ihre Gründung im Jahre 1960 ging von Said Ramadan aus, dem prominenten Muslimbruder und Schwiegersohn des Muslimbruderschaft-Begründers Hasan al-Banna.“ […] „Die IGD gilt als wichtiger Akteur im europäischen Muslimbruderschafts-Netzwerk. Sie ist Gründungsmitglied der „Föderation der Islamischen Organisationen in Europa“ (FIOE) mit Sitz in Brüssel. Bei der FIOE handelt es sich um den Dachverband aller Muslimbruderschafts-nahen Organisationen in Europa.“
Die Muslimbruderschaft in Deutschland

Die Fakten-Lage scheint eindeutig, doch die Reaktion der marx21-Abteilung auf die konstruktiv angebrachte Kritik ist ein Skandal, der seinesgleichen noch lange suchen wird.

Nachdem die kritischen Kommentare auf der Veranstaltungsseite die Oberhand gewannen, löschten die Admins der Seite ALLE kritischen Kommentare zu Aiman Mazyek und lieferten ein skandalöses Statement (das oben im Beitrag zu sehen ist).
Demnach sind alle Menschen, die die Zusammensetzung des ZMD kritisieren, Hetzer gegen Aiman Mazyek und „den“ Islam. Wo konkret „der“ Islam als solcher kritisiert wurde, dazu äußert man sich nicht bei marx21. Fest steht aber, dass marx21 LobbyistInnen der ultra-konservativen Dachverbände regelmäßig ein Podium bietet und KritikerInnen dessen als islamophob beleidigt.

Und Mazyek ist nicht der einzige Total-Ausfall beim „Marx is` Muss“-Kongress. 2015 referierte die AKP-Sympathisantin Betül Ulusoy, die dadurch bekannt wurde, dass sie im Sommer 2016 „Erdogan Gegner als Dreck bezeichnete, der nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei nun gesäubert werden könne“. Zudem machte sie im September des gleichen Jahres in Berlin Wahlkampf für Pinar Cetin (DITIB), eine bekennende Leugnerin des Genozids an den Armeniern 1915/16. Auffällig ist daher auch nicht, dass Ulusoy sich öffentlich der Rhetorik der türkischen Ultra-NationalistInnen bedient, indem sie den Genozid an den Armeniern als „angeblichen Genozid“ tituliert.

Ein weiterer Gast, der auch 2017 wieder referieren wird, ist Sameh Naguib, der die Hamas für eine „nationale Befreiungsbewegung (!) und die Muslimbruderschaft für eine reformistische Massenbewegung“ hält. Quelle

Fehlen darf natürlich auch nicht das marx21-Unterstützerin Christine Buchholz. Ihr legendärer Satz „Die Dämonisierung der Hizbollah ist Teil der ideologischen Kriegsführung. Die Linke sollte dabei nicht mitmachen“ prägt bis heute ein Selbstverständnis, das fern ab von gut und böse sich Platz in einer Parallel-Realität sucht.

Ein marx21-Kongress ohne Intifada-Bezug wirkt auf mich nicht koscher, daher zum Abschluss nochmal ein Beitrag der „marx is` muss“-Referentin-2016, Büsra Delikaya:

FAZIT

Als Fazit benutze ich heute die Bewertung des „Marx is` Muss“-Kongresses durch Aziza Vieille Âme. Mehr muss dann auch wirklich nicht mehr gesagt werden.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

RebellComedy – Propaganda für die Parallelgesellschaft

RebellComedy ist eine Stand-Up Comedy Mix-Show von jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Viele der Künstlerinnen und Künstler haben dabei ihre familiären Wurzeln in der arabischen, türkischen oder persischen Welt. Gegründet wurde die Show 2005 von Babak Ghassim (Gondebak) und Usama Elyas (Ususmango), welche die Geschäftsführer der RebellComedy darstellen. Bekanntestes Mitglied der Gruppe ist Pro7-Star Enissa Amani, die sich inzwischen deutschlandweit einen Namen gemacht hat.

Die Show feiert große Erfolge und ist besonders beim jungen Publikum mit Migrationshintergrund sehr beliebt. Sich selber beschreiben die Künstler wie folgt:

„Stand-Up Comedy ist hierbei der zentrale Punkt, denn bislang hat es in der hiesigen Comedyszene niemand vermocht, dieses in den U.S.A. bereits etablierte und äußerst erfolgreiche Genre auf deutsche Verhältnisse anzupassen und sich dabei dennoch treu zu bleiben. Somit ist RebellComedy einfach neu, anders und einzigartig.Obwohl die Comedians ihre marokkanischen, iranischen, türkischen oder auch schweizer Wurzeln in der Show auch mal thematisieren, rutschen sie nie in eine klischeebehaftete Schiene. Das Publikum kennt die parodierten Geschichten aus dem eigenen Leben und kann sich deshalb mit den Comedians identifizieren.“
www.rebellcomedy.net

Ich selber habe mir das Programm von RebellComedy schon oft angesehen und musste regelmäßig herzhaft lachen. Ich lebe seit ich denken kann, mit Menschen mit türkischen, kurdischen oder arabischen Wurzeln zusammen und bin seit meiner Kindheit regelmäßig Gast in ihren Familien gewesen. Und genau um die alltäglichen Geschichten dieser Communitys dreht sich ein Hauptteil des Programms der Sendung. Unverblümt, direkt und vor allem sehr lustig.

Doch umso mehr ich die Sendung konsumierte, umso mehr fielen mir auch die klassischen Stereotype auf, die humoristisch dargestellt werden. Und leider musste ich auch feststellen, dass das Denken der Künstlerinnen und Künstler durchsetzt ist von rassistischen Klischees, die zwar lustig verkauft werden, aber doch eine klare Botschaft mit sich bringen: Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sind alles, aber keine Deutschen. Sie sind kein Teil der Mehrheitsgesellschaft. Sie sind anders. Immer wieder wird konkret auf den Unterschied zwischen „Deutschen“ und „Ausländern“ hingewiesen. Dass die jeweiligen Familien seit Jahrzehnten Teil der deutschen Gesellschaft sind, wird dabei eher selten berücksichtigt. Ich frage mich schon seit Jahren, was „deutsch“ und was „ausländisch“ ist? Gelten die Begriffe nur für das Kollektiv oder auch für das Individuum? Vielleicht verstehe ich das Ganze auch falsch und interpretiere mehr hinein, als eigentlich angedacht ist. Wahrscheinlich ist es Teil der Kunst, das Denken der Menschen im Alltag überspitzt einfach widerzuspiegeln. Dahingehend soll sich meine Kritik an der Sendung auch nicht zentral richten.

Was mir seit einiger Zeit bitter aufstößt sind die sehr undifferenzierten und populistisch-politischen Botschaften und Aktionen, die sowohl in der Show, als auf den Facebook-Seiten und im Privatleben der Künstlerinnen und Künstler veröffentlicht werden.
So hat der bekannte Comedian der Sendung Khalid Bounouar, am 4.12.2016 einen Videoausschnitt von seinem Kollegen Salim Samatou mit der Überschrift „Er hat so recht!!!“ veröffentlicht, in dem Samatou erklärt, dass es nur Krieg gäbe, da der „UN-Sicherheitsrat“ es so entscheide. Dabei sein die USA, Rußland, Großbritannien, Frankreich und China für die weltweiten Kriege verantwortlich, weil sie gleichzeitig auch die größten Waffenlieferanten sind. Eine klassisch vereinfachte Verschwörungstheorie, die alles Leid der Welt dem sogenannten Westen + China in die Schuhe schiebt und völlig undifferenziert alle anderen Ländern oder extremistischen Organisationen ihrer Verantwortung entzieht.

Natürlich ist das Agieren des Westens eine Seite der Medaille, die sehr kritisch betrachtet werden muss. Aber Konflikte entstehen eben nicht nur aus dem Grund, dass der Westen Waffen in die Welt liefert. Irgendwer muss diese Waffen ja schließlich benutzen und das wird gerade im Nahen- und Mittleren Osten auch in der Regel auf Grund einer speziellen Ideologie gemacht. Wenn wir von Syrien oder dem Irak reden, sollten wir nicht nur den Einmarsch der Amerikaner in den Irak betrachten, sondern auch die Ideologie der Islamisten dieser Länder. Der IS schneidet Shiiten nicht den Kopf ab, weil es der Westen ihm befohlen hat. Der IS wirft Homosexuelle nicht Kopfüber vom höchsten Punkt einer Stadt, weil Frankreich ihm dieses vermittelt hat. Auch dass in Afghanistan ein shiitischer Patient von einem sunnitischen Arzt in dem ein oder anderen Fall nicht behandelt wird, hat nichts mit dem Agieren des Westens zu tun. Die militärischen Mittel, um die islamistische Ideologie durchzusetzen, mögen nicht selten in der Geschichte vom Westen bereitgestellt worden sein, doch die Ideologie selber erwächst aus der Orthodoxie der islamischen Welt und ist eben nicht Produkt des Westens. Die Haltung zum Umgang mit „Ungläubigen“, zur Rolle von Mann und Frau oder zur konsequenten Ablehnung der Trennung von Religion und Politik, sind Kernprobleme und ein ewiges Konfliktpotential in der islamischen Welt, aus denen auch Kriege und Terror sich entwickeln.

Ahmad Mansour schrieb dazu:

„Es sind diese veralteten, verkrusteten Inhalte, die mit der aufgeklärten Moderne derart in Kollision geraten, dass aus der Reibung eine Truppe wie der IS entstehen kann.“
Ahmad Mansour – Reinheit, Ehre, Todesverachtung

Dahingehend bestätigt RebellComedy bewusst oder unbewusst, die Verschwörungstheorien und die Ablehnung vieler Menschen, oftmals mit Migrationshintergrund und verhaftet in der muslimischen Community, gegenüber ihrer Heimat im Westen. Sie unterstreichen die gängigen Klischees gegenüber der Demokratie und stigmatisieren „den“ Westen. Dass eben dieses schwarz-weiss Denken mit klaren Opfer- und Täter-Bildern zum guten Ton bei Islamisten gehört, scheint hier niemanden zu stören. Das Publikum lacht und applaudiert.

Bis hier hin sollte man den Künstlerinnen und Künstlern aber keine Absicht unterstellen, denn sie sind wie jeder Mensch auch ein Produkt ihres Umfeldes und ihrer jeweiligen Sozialisation. Doch haben die Comedians auch einen Internet-Auftritt bei Facebook und bei einer genaueren Recherche zu den Künstlerinnen und Künstlern kommt leider auch wenig Erfreuliches ans Tageslicht.

So ist Usama Elyas (Ususmango), der Geschäftsführer der RebellComedy, ein gern gesehender Gast bei der IGD, der islamischen Gemeinschaft in Deutschland, die als Vertretung der islamistischen Muslimbruderschaft gilt.

Die IGD steht im engen Kontakt mit der Hilfsorganisation Islamic Relief. Die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall zeigte in einem Beitrag in der Vergangenheit bereits, inwiefern Islamic Relief in Netzwerk der Muslimbruderschaft aktiv sein soll. Islamic Relief wird von einer anderen Organisation unterstützt, die Ususmango in seinem Facebook-Profil supportet. Es handelt sich dabei um die Hilfsorganisation „Sadaka e.V.“.

Und eben diese Sadaka e.V. macht Werbung für Islamic Relief.

Auch weitere Bilder, die die Organisation hochlädt, sagen einiges über die Gesinnung der Menschen aus, die in ihrem Umfeld aktiv sind. So zeigt ein Bild auf der Facebook Seite der Organisation, einen Mann mit dem sogenannten „R4bia“ Zeichen auf dem T-Shirt, das als Symbol des Widerstandes der Muslimbruderschaft gegen das ägyptische Militär gilt.

Auch Diktator Recep Tayyip Erdoğan zeigt dieses Handzeichen bei seinen Auftritten, um seine Solidarität mit der islamistischen Muslimbruderschaft auszudrücken.

Sadaka e.V. scheint neben dem Kontakt zu Usama Elyas (Ususmango), allgemein einen guten Draht zu den Künstlern RebellComedys zu haben. Berührungsängste sehen definitiv anders aus.

Fazit

Ob die Künstler wirklich wissen, wer sie da einlädt, darf bezweifelt werden. Trotzdem ist es gerade die Pflicht einer öffentlichen Person, eines Stars der Medienwelt, sich zu informieren, wen man unterstützt oder als Gast besucht. Dass die islamistische Muslimbruderschaft eine Gefahr für jede demokratische Gesellschaft ist, sollte jedem klar denkenden Menschen inzwischen bewusst sein. Hier geht es nicht darum die Arbeit von Hilfsorganisationen schlecht zu reden, sondern einzig darum, Kontakte und Verknüpfungen zu benennen, die in die radikal-islamistische Community reichen. Die Muslimbruderschaft ist anti-demokratisch, faschistoid, antisemitisch, homophob und mit ihren Vordenkern Hasan al-Bannā und Sayyid Qutb, ein entscheidender Einfluss für Terrorgruppen wie Al-Qaida, Hamas und auch den IS.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Nachtrag: Der Gründer von RebellComedy, Usama Elyas (Ususmango), ist der Sohn von Nadeem Elyas, dem Gründer des Zentralrats der Muslime (ZMD)