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Im Netz des Zentralrats (ZMD)

Die deutsche Bundesregierung wird 2018 die Fördermittel für die islamischen Dachverbände DITIB und den Zentralrat der Muslime (ZMD) laut m.dw.com, um bis zu 90% kürzen. Während DITIB dabei im Fokus der Kritik steht, weiß man wenig über den selbsternannten Zentralrat und dessen Strukturen.

Der ZMD vertritt mit 15.000 – 20.000 Mitgliedern ca. 0,4% der MuslimInnen in Deutschland. Man kann also anders als beim Zentralrat der Juden, der ca. 50% der Jüdinnen und Juden in Deutschland repräsentiert, beim ZMD von einer namenstechnischen Mogelpackung sprechen. Nichtsdestotrotz fühlt sich der Vorsitzende des ZMD, Aiman Mazyek, in diversen Talkshows und bei gemeinsamen Auftritten mit PolitikerInnen, regelmäßig dazu berufen, für alle MuslimInnen in Deutschland zu sprechen.

Wer wirklich in diesem Zentralrat aktiv ist und dort die Strippen zieht, ist bei der medialen Über-Präsenz von Mazyek für die meisten Menschen nicht ersichtlich. Anders als die drei anderen Dachverbände DITIB, Islamrat und VIKZ ist der Zentralrat nicht durch türkische Verbände dominiert und stellt sich mit arabischen, afrikanischen, bosnischen und anderen internationalen Verbänden multikulturell auf. Dass es in den Reihen dieser Verbände aber mehrfach Verbindungen zu islamistischen und teils türkisch-ultra-nationalistischen Organisationen gibt, ist für viele ExpertInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen und Verfassungsschutzämter auch 2017 ein Faktum. Auffallend ist, dass der ZMD seit Ende 2016 die Übersicht über seine Mitglieder „aus Sicherheitsgründen“ nicht mehr transparent für die Öffentlichkeit präsentiert.

Natürlich sind die Mitglieder den KennerInnen der Szene nach wie vor bekannt und auf Anfrage auch einsehbar. Mein besonderes Augenmerk gilt in diesem Artikel den drei Verbänden IGD (Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V.), ATIB (Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.) und IZH (Islamisches Zentrum Hamburg), die im ZMD äußerst einflussreich agieren.

Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) ist eine der ältesten muslimischen Organisationen in Deutschland, die am 9. März 1960 aus dem Projekt Islamisches Zentrum München hervorging, das wiederum 1958 durch den prominenten Muslimbruder und Schwiegersohn des MB-Begründers Hasan al-Banna, Said Ramadan, ins Leben gerufen wurde.

Der US-amerikanische Autor Ian Johnson beschrieb in seinem Buch „A Mosque in Munich. Nazis, the CIA, and the Muslim Brotherhood in the West“ ausführlich, wie der amerikanische Geheimdienst CIA, Ramadan nach Deutschland holte, um ihn in ein bundesweit agierendes anti-kommunistisches Netzwerk einzuspannen. Die Muslimbruderschaft definiert sich seit ihrer Gründung Ende der 1920er Jahre als dezidiert anti-kommunistisch.

1989 wurde die IGD Gründungsmitglied der Federation of Islamic Organisations in Europe (FIOE), die als europäischer Dachverband der Muslimbruderschaft gilt. Islamwissenschaftler Aladdin Sarhan (Muslimisches Forum Deutschland – MFD) beschreibt die IGD wie folgt:

„Bereits seit ihrer Gründung steht die IGD unter bestimmender Einflussnahme der Muslimbruderschaft (MB).“ […] „Die IGD gilt als wichtiger Akteur im europäischen MB-Netzwerk. Sie ist Gründungsmitglied der „Föderation der Islamischen Organisationen in Europa“ (FIOE) mit Sitz in Brüssel. Bei der FIOE handelt es sich um den Dachverband aller MB-nahen Organisationen in Europa.“ […] “ In enger Verbindung zur FIOE steht der „Europäische Rat für Fatwa und Islamstudien“ (ECFR) mit Sitz in Dublin. Seit seiner Gründung 1997 steht er unter dem Vorsitz Yusuf al-Qaradawis, einem in Katar lebenden islamistischen Gelehrten.“ Aladdin Sarhan – Die Muslimbruderschaft in Deutschland

Dass in dieser Beschreibung der Name Yusuf al-Qaradawi fällt, ist kein Zufall. Al-Qaradawi gilt als Vordenker der Muslimbruderschaft, der von Katar aus regelmäßig über den Sender Al Jazeera zu Millionen Menschen in der islamischen Welt spricht. In seinen Predigten und Erörterungen billigt al-Qaradawi Selbstmordattentate im Kampf der Palästinenser gegen Israel als erlaubten Märtyrertod, nennt Adolf Hitler „eine gerechte Strafe Allahs für die Juden“ und stimmt die Muslime auf einen neuerlichen Holocaust in der Zukunft ein. Darüber hinaus befürwortet er die Todesstrafe für „Abkehr vom Islam“ und außerehelichen Geschlechtsverkehr. Homosexualität ist für ihn eine „geschlechtliche Abartigkeit“.

Die IGD wird nicht selten als Organisation beschrieben, die „al-Qaradawis Bücher in Deutschland populär machte“.

Ahmad Mansour (Muslimisches Forum Deutschland – MFD) kritisierte Ende 2016 Sheikh Ferid Heider, der regelmäßig in Kreisen der IGD auftritt und in der Vergangenheit Literatur al-Qaradawis im Internet beworben hatte:

„Mir geht’s nicht um die Inhalte seiner Rede, viel mehr um das, was Heider repräsentiert: um sein Islamverständnis. Denn, wie soll man beispielsweise die Tatsache verstehen, dass er al-Qardawis Buch „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“ auf seiner Seite bewirbt? Al-Qaradawi ist eine Größe in der arabischen, islamischen Welt. Ein Gelehrter, der Selbstmordanschläge gegen Juden in Israel legitimiert und offen Jahre lang zum Jihad in Syrien aufgerufen hat.“

Der bayerische Verfassungsschutz schrieb 2016 über die IGD:

„Die IGD versucht durch politisches Engagement in Deutschland ihre von der Ideologie der Muslimbruderschaft (MB) geprägten Ziele zu erreichen. Die Anhänger der IGD sind bemüht, ihre Verbindung zur MB in öffentlichen Verlautbarungen nicht zum Ausdruck zu bringen. Die Bestrebungen der IGD richten sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland.“

Interessant ist auch die Rolle des IZAs (Islamisches Zentrum Aachen), welches ursprünglich vom Führer der syrischen Muslimbruderschaft, Issam al-Attar, gegründet wurde und sich 1981 von der IGD abspaltete. Das IZA soll laut Islamexpertin Valentina Colombo, die „geistliche Heimat von Aiman Mazyek“ sein.

Ein weiteres Mitglied des ZMD ist die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V. (ATIB).

Die ATIB spaltete sich 1987 von Mitgliedsvereinen der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland (ADÜTDF)“ ab. 2001 wurde die ADÜTDF vom „Zentrum für Türkeistudien“ in einem Gutachten („Zuwanderung“, Essen 2001, S. 78, Tabelle 19) als Tochterorganisation der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) identifiziert. Die MHP ist zugleich die Mutterorganisation der rechtsradikalen Grauen Wölfe-Bewegung. Der Gründer der ATIB, Musa Serdar Çelebi, trat erst jahrelang in Reihen der MHP auf, bevor er sich wohl (laut der Fraktion Die Linke, siehe kleine Anfrage, Drucksache 18/9233) ab den 1990er Jahren der türkischen rechtsextremen-islamistischen Partei BBP (Partei der Großen Einheit) anschloss:

„In der Türkei war Musa Serdar Çelebi zugleich jahrelang Vizevorsitzender der im Jahr 1993 von der MHP abgespaltenen, ebenfalls dem Ülkücü-bzw. Graue-Wölfe-Spektrum zugerechneten Partei der Großen Einheit (Büyük Birlik Partisi – BBP).“

Auch die BBP gehört der „Ülkücü“/Idealisten-Bewegung (Graue Wölfe) an, legt aber anders als die MHP, mehr wert auf den islamistischen Faktor. Islamwissenschaftler Michael Kiefer sieht im Programm der BBP Ähnlichkeiten zur deutschen NPD:

„Meines Erachtens kann man, wenn man Schnittmengen bilden möchte, durchaus sagen, dass die BBP ähnliche Dinge, ähnliche Programmpunkte auffasst wie die NPD.“ 3sat – Fragwürdige Friedensmission

Zentral in dieser Ideologie ist die Türkisch-islamische Synthese, ein politisch rechtsgerichtetes islamisch-konservatives Ideologem, das türkischen Nationalismus und Islamismus miteinander verbindet. Der Begriff wurde 1972 geprägt durch den konservativen Historiker İbrahim Kafesoğlu, der die türkisch-islamische Synthese auf die erste türkisch-islamische Dynastie der Karahaniden im 11. Jahrhundert zurückführte. Kafesoğlu betrachtete den Kontakt der alten Steppenkultur der Türken mit dem Islam als Veredelungsprozess. „Türkentum“ ist nach dieser Vorstellung nur in Verbindung mit dem sunnitischen Islam möglich. Daraus folgt auch die Diskriminierung der AlevitInnen und ChristInnen in der Türkei. Vor allem bei den AlevitInnen würde eine Anerkennung dieser als muslimische Minderheit (eigene Konfession) eine Anzweiflung des Türkentums ergeben und somit als ‚Separatismusbestrebung‘ in der Türkei gelten.

Musa Serdar Çelebis Sohn, Mehmet Alparslan Çelebi, ist ebenfalls Mitglied der ATIB und heute stellv. Vorsitzender des Zentralrats der Muslime.

Çelebi als auch die ATIB weisen jegliche Verbindungen zu den Grauen Wölfen von sich und distanzieren sich auf ihren Internetseiten von Nationalismus und Rechtsradikalismus. Diverse ExpertInnen, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen sehen das allerdings anders.
Dr. Kemal Bozay ( Politik-, Erziehungs-, Sozialwissenschaftler & Experte für türkischen Nationalismus) erwähnte die ATIB in seinem Buch Graue Wölfe heulen wieder mehrfach. So schrieb er:

„Die rechtsextrem-islamistisch gesinnte ATIB dagegen verwendet den Begriff des >Europäischen Türkentums< in enger Verbindung mit der >Nationalen Identität< .“[...] „Die Belebung der >Nationalen Identität< , sowie ihre Übertragung an neue Generationen, bilden in den Argumentationen von ATIB den Grundbaustein für die weitere Existenz des >Europäischen Türkentums< .[...]."

Im Juli 2017 bestätigte er seine Einschätzung in einem Dossier für die Bundeszentrale für politische Bildung:

Ismail Küppeli (für ufuq.de), Menschenrechtler Ilias Uyar, Prof. Dr. Ina Wunn und JournalistInnen der Sendung frontal21 kamen bei ihren Recherchen zu ähnlichen Ergebnissen.

Für mich ist es schwer vorstellbar, dass alle genannten ExpertInnen entweder falsch informiert sind oder gar lügen. Trotzdem überlasse ich die Interpretation der aufgeführten Quellen natürlich der Leserin und dem Leser. ;)

Als dritte fadenscheinige Organisation fällt in Reihen des ZMD das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) auf.

Das IZH ist eine der ältesten islamischen Institutionen Europas und stellt das Zentrum des schiitischen Islam in Deutschland dar. Das IZH ist dem geistlichen Oberhaupt des Iran unmittelbar unterstellt und wird somit durch das islamistische, antisemitische und homophobe Mullah-Regime im Iran kontrolliert. Theoretisch gesehen müsste man hier eigentlich nicht weiter schreiben, um jeglicher Kooperationen mit diesem Verein eine klare Absage zu erteilen. Leider zeichnet sich die momentane Haltung der deutschen Politik nicht durch einen differenzierten Blick auf die islamischen Dachverbände aus. Da das IZH Mitglied der Schura (Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg) ist, arbeitet es als direkter Kooperationpartner mit dem Bundesland Hamburg zusammen.

„Über SCHURA werden von den Mitgliedsgemeinden religiöse und soziale Aktivitäten gemeinsam organisiert und koordiniert. Dies betrifft vor allem den Jugend- und Frauenbereich aber auch gemeinsame Aktivitäten während des Fastenmonats Ramadan (Vorträge, Qur´anlesungen, gemeinsames Iftar), des Opferfestes oder Prophetengeburtstages.“ Schura – Selbstbeschreibung

Jahrelang wurde der antisemitische Quds-Marsch in Berlin vom IZH organisiert. Auch 2017 waren Funktionäre des Zentrums in die Organisation des Quds-Marsches eingebunden. Als Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) sich Anfang 2017 im IZH einer Diskussion stellte, zeigte er sich schockiert über Inhalte, die in Reihen des Zentrums propagiert werden:


Auch der Verfassungsschutz in Hamburg beobachtet das IZH:

„Neben den extremistischen Salafisten sind weitere islamistische Bestrebungen in Hamburg aktiv. So steht die an der Außenalster gelegene, als sogenannte „Blaue Moschee“ bekannte, schiitische „Imam-Ali-Moschee“ weiterhin im Fokus des Verfassungsschutzes. Trägerverein dieses Brückenkopfes des iranischen Regimes nach Deutschland und Europa ist das „Islamische Zentrum Hamburg“ (IZH).“

Warum die Stadt Hamburg weiter über den Schura-Rat mit dem IZH kooperiert, bleibt mir dabei schleierhaft.

FAZIT

Wenn man den diversen ExpertInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen und Verfassungsshutzorganen glaubt, ist der Zentralrat der Muslime (ZMD) ein Sammelbecken für IslamistInnen und türkische Ultra-NationalistInnen. Jegliche Kooperation mit dem ZMD sollte daher umgehend beendet werden. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Die zwei Gesichter der Annette Ranko

Nachdem ich das Buch „Die Muslimbruderschaft – Porträt einer mächtigen Verbindung“ von Annette Ranko gelesen habe, bin ich einerseits dankbar, dass Frau Ranko die politischen Vorstellungen und Ziele der Muslimbruderschaft gut recherchiert präsentiert, andererseits macht es mich fassungslos, dass die Mutter-Organisation des modernen Islamismus auch in diesem Buch als eine Bewegung beschrieben wird, die sich in erster Linie der Wohlfahrt verschrieben hat. Eine fatale Fehleinschätzung, die für mich nicht nachvollziehbar ist. Aber der Reihe nach…

Was mir bei dem Buch besonders bitter aufstößt, ist die Tatsache, dass auf 162 Seiten die Wörter Antisemitismus und Nazis nicht ein einziges Mal (!) genannt werden. So berichtet Ranko davon, dass Hasan al-Bannā (der Gründer der MB) Anfang der 1940er Jahre innerhalb der Organisation einen bewaffneten Geheimapparat ins Leben rief. Sie erwähnt aber nicht, dass die Bruderschaft bis 1939 finanzielle Unterstützung durch die NSDAP erhielt, und dass diese und weitere Gelder wohl auch in den Aufbau des Geheimapparates flossen. Vor allem ging es den Nazis dabei nicht nur um die Förderung eines Kooperationspartners gegen die Briten. Vielmehr zeigte sich schon früh in der „Juden-Frage“, dass entscheidende ideologische Schnittmengen vorhanden waren. In den Straßen Kairos organisierten die Muslimbrüder anti-jüdische Massendemonstrationen, auf denen Parolen wie „Nieder mit den Juden“ und „Juden raus aus Ägypten und Palästina“ propagiert wurden.

Die Muslimbruderschaft verbreitete Flugblätter mit Boykott-Aufrufen jüdischer Waren und Geschäfte. In der Zeitschrift der MB, Al Nadhir, erschien eine regelmäßige Kolumne mit der Kopfzeile „Die Gefährlichkeit der Juden von Ägypten“. Man veröffentlichte Namen und Adressen von jüdischen GeschäftsinhaberInnen angeblich jüdischer Zeitungen aus aller Welt, wobei alles „Böse“ (für Muslimbrüder besonders der Kommunismus) auf die „jüdische Gefahr“ zurückgeführt wurde. Ebenso erlangten die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ und „Mein Kampf“ über die Netzwerke der Muslimbruderschaft eine große Popularität in der arabischen Welt. Antisemitismus ist ein Kernlement der Muslimbruderschaft, wobei die Vernichtung Israels zuletzt 2012 öffentlich beworben wurde.

Mehr Infos: Die Verharmlosung der Muslimbruderschaft

Warum die Autorin diese historischen Fakten nicht erwähnt, kann ich mir nicht erklären. Stattdessen wird mantraartig immer wieder darauf hingewiesen, dass Hasan al-Bannā die Lebensbedingungen der ÄgypterInnen verbessern und „drastische soziale Ungerechtigkeiten“ überwinden wollte. Dass diese „Gerechtigkeit“ freilich nicht für die Jüdinnen und Juden in Ägypten galt, erklärt sich an Hand der Propaganda von selbst. Hasan al-Bannā war ein Antisemit der übelsten Sorte, der mit seinem Freund Mohammed Amin al-Husseini, dem Großmufti von Jerusalem, große Bewunderung für die Nazis und Adolf Hitler pflegte, wobei al-Husseini persönlicher Ehrengast Hitlers in Oybin (Sachsen) wurde, wo ihm ein stattliches Haus, finanziert von den Nazis, überlassen wurde. Dass al-Husseini 1947 schlussendlich zum Führer der Muslimbruderschaft in Palästina ernannt wurde, war somit nur konsequent.

Natürlich setzt sich die Muslimbruderschaft auch für Arme und Bedürftige ein. Doch das oberste Ziel war und bleibt die Errichtung einer islamischen Gesellschaft, aus der sich am Ende ein Gottesstaat entwickeln soll. Hasan al-Bannā formulierte die Grundüberzeugungen der Muslimbrüder in fünf Sätzen:

„Gott ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unsere Verfassung. Der Dschihad ist unser Weg. Der Tod für Gott ist unser nobelster Wunsch.“

Hamed Abdel-Samad beschrieb den sozialen Einsatz der Muslimbruderschaft in seinem Buch „Der Untergang der islamischen Welt“ als ein „Verwalten der Armut“, nicht als einen Einsatz, um die Armut zu überwinden. Dass der Islamismus ein entscheidender Grund, neben den Auswirkungen des Kolonialismus, für die Rückständigkeit und Armut großer Teile der islamischen Welt ist, wird von vielen SymphatisantInnen der Muslimbruderschaft auch heute noch verleugnet. Ich finde es unverzeihlich, dass Ranko sogar soweit geht und auf Seite 110 ihres Buches die Behauptung aufstellt, dass es „den Muslimbrüdern vor allem um Barmherzigkeit und Nächstenliebe gehe“. Eine Relativierung und Glorifizierung des Islamismus, die ich mir widerlicher nicht hätte ausmalen können. Man bedenke, dass Hasan al-Bannā 1938 den berühmten Leitartikel „Die Todesindustrie“ veröffentlichte, der als Blaupause für dschihadistische Selbstmordattentate gilt und in Reihen der Hamas, dem palästinensischer Ableger der MB, eine Art Manifest des Alltags darstellt.

Bei aller berechtigen Kritik an Frau Ranko, muss man aber auch erwähnen, dass Sie innerhalb des Buches ein ganz anderes „Gesicht“ zeigt, Ihrer journalistischen Pflicht nachkommt und sehr wohl kritisch und realistisch das Programm der Muslimbruderschaft einschätzt und bewertet. Dass sich hier der menschenverachtende und faschstoide Charakter der Muslimbruderschaft zeigt, hätte Sie bei Ihren Thesen zur Barmherzigkeit zumindest nachdenklich stimmen müssen. Die Einschätzungen sind so klar und deutlich, dass es reicht, sie unkommentiert zu zitieren. Die Leserin und der Leser bekommen einen ungeschnittenen Einblick in das Gesellschafts- und Menschenbild des Islamismus.

Ziele und politische Vorstellungen der Muslimbruderschaft – Ein Ausschnitt (S. 69-100):

01) „Der dezidiert islamische Charakter der anvisierten politischen Ordnung – der im Widerspruch zu einigen liberal-demokratischen Prinzipien steht – ist klar und deutlich in den Programmschriften offengelegt.“

02) „In diesem Staat soll der islamische Referenzrahmen die zentrale Komponente der politischen Ordnung bilden. Das bedeutet: Die Prinzipien der Scharia sollen Hauptquelle des Rechts sein, sie sollen außerdem die Grundlage der staatlichen Weltanschauung darstellen sowie das Fundament all seiner Handlungen. Dahinter verbirgt sich also der Anspruch, den Islam als ein allumfassendes System zu begreifen, welches auch das politische System einschließt.“

03) […] „die in Koran und Sunna genannten Vorschriften müssten – unabhängig von Ort und Zeit – wörtlich umgesetzt werden. Dies liege daran, dass der Aufrechterhaltung einer konservativ-islamischen Moral ein großer Stellenwert zukomme, denn sie sei der unantastbare Kern der islamischen Identität“ […]

04) „Wichtig ist jedoch zu betonen, dass die Scharia-Prinzipien hierbei immer als den westlichen demokratischen Konzepten überlegen dargestellt werden.“

05) „Verfassung und Gesetz im von der Muslimbruderschaft angestrebten »Rechtsstaat« haben sich an der Scharia zu orientieren. Für die Legislative bedeutet das, dass sich Gesetze, die im Bereich der öffentlichen Moral liegen, weitestgehend an wörtliche Vorschriften aus Koran und Sunna zu halten haben.“

06) „De facto jedoch verankert die Muslimbruderschaft ihre Vorstellungen von Gleichheit im Islam. Das betrifft einige wesentliche Einschränkungen der Rechte, vor allem für Frauen und religiöse Minderheiten. Von einer wahrhaften Gleichberechtigung aller kann also nicht die Rede sein.“

07) „Die Problematik ergibt sich im Kern daraus, dass die Gruppe ihr Konzept des Staatsbürgers im Islam verankert und damit von vorneherein die Rechte nicht-muslimischer Minderheiten beschneidet. Denn im klassischen Rechtsverständnis des Islam wird zwischen Rechten von Muslimen und Nicht-Muslimen unterschieden. Volle Bürgerrechte genießen lediglich männliche Muslime. Die Nicht-Muslime werden unterteilt in Christen und Juden einerseits (ahl-al-Kitab), die Besitzer einer Schrift, die zumindest einen Gott anbeten, und in Angehörige anderer Religionen andererseits. Lediglich die erste Gruppe genießt gewisse Rechte. Christen und Juden werden im klassischen islamischen Recht als Schutzbefohlene (dhimmi) ausgegeben. Sie haben eine besondere Steuer (jiziya) zu entrichten und genießen im Gegenzug den Schutz des islamischen Gemeinwesens“ […]. „Außerdem bleiben ihnen einflussreiche Ämter verwehrt“ […]. „Auch die Muslimbruderschaft schränkt die Rechte der Christen und Juden ein“ […]. „Die Rechte der Mitglieder anderer religiöser Gemeinschaften bleiben völlig ungeklärt. Damit steht immer im Raum, dass diese – falls sie nicht zum Islam konvertieren – keinerlei Rechte besitzen.“

08) „Gleiche Rechte für Mann und Frau sind im anvisierten Staat der Muslimbruderschaft nicht vorgesehen. […] „Laut Muslimbruderschaft unterscheidet sich die Frau aber ebenfalls durch eine verletzlicheres »Schamgefühl« vom Mann. Aus diesem Grund zieme es sich für die Frau, lediglich Gesicht und Handflächen zu zeigen – das heißt, ein Kopftuch zu tragen und mit ihrer Kleidung den Körper bis auf die Hände bedeckt zu halten. Auch der allzu offene Kontakt mit Männern im öffentlichen Raum soll vermieden werden. Zudem hat der Staat – laut Muslimbruderschaft – im Bereich der öffentlichen Moral Scharia-Normen weitestgehend wörtlich zu verstehen und umzusetzen, was die Rechtslage der Frauen noch verschlimmert.“ […] „Die öffentliche Moral verlangt also insbesondere den strengen Blick auf die Rolle der Frau: Aufgrund ihrer »Schamhaftigkeit« soll die Frau den zu offenen Kontakt mit nicht verwandten Männern meiden. Die berufliche Tätigkeit der Frau sollte zu ihrer »weiblichen Natur« passen, was den Beruf der Lehrerin, Kindergärtnerin oder Krankenschwester als besonders geeignet erscheinen lässt. […] „Die Darstellung von Frauen im kulturellen Produktionen, wie Theater, Kino oder auch in der Werbung, soll sich dem Rollenbild der Frau mit erhöhter »Schamhaftigkeit« und ihrer besonderen Rolle als Mutter anpassen. Kino- und Fernsehfilme, die leicht bekleidete Frauen zeigen oder sexuelle Handlungen auch nur andeuten, sollen zensiert werden.“

Fazit

Dass Frau Ranko von Nächstenliebe, Barmherzigkeit und dem Kampf gegen Ungerechtigkeit in Verbindung mit dem Namen „Muslimbruderschaft“ spricht, ist eine Beleidigung eines jeden klar denkenden Menschen. Die Muslimbruderschaft ist der Prototyp des Islamismus, das Abbild des islamistischen Faschismus und das Spiegelbild der Unterdrückung von Frauen und Minderheiten. Wer diese Organisation nicht aufs Schärfste verurteilt und jegliche Kooperation boykottiert, öffnet dem Faschismus Tür und Tor.

Eine Welle des Hasses

Am 17. Juni 2017 wurde in Berlin die Ibn-Rushd-Goethe Moschee u.a. von der Frauenrechtlerin Seyran Ates und dem Islamwissenschaftler Dr. Abdel-Hakim Ourghi eröffnet. Die Moschee verweist in ihrer Selbstdarstellung darauf, dass man in der Gemeinde „das Zusammenleben von Menschen islamischen Glaubens in Deutschland nach den Regeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland“ gestalten wolle.

Das Besondere an dieser Moschee ist nicht nur der Fakt, dass sie sich als explizit liberal versteht und „die verschiedenen Richtungen des Islam, wie Sunniten, Schiiten, Aleviten und andere Ausrichtungen des Islam, sowie Menschen aller sexuellen Orientierungen und Identitäten, in allen Beziehungen vollkommen gleichberechtigt“ willkommen heißt, vielmehr wird in der Moschee das Tabu gebrochen, welches nur Männern das Privileg des Vorbetenden zu kommen lässt. In der Ibn-Rushd-Goethe Moschee halten Frauen und Männer gemeinsam die Predigt und das teilweise sogar ohne die traditionelle Kopfbedeckung der Frau.

Dass diese Erneuerung innerhalb der muslimischen Communitys in Deutschland, die eher konservativ geprägt sind, nicht nur freundliche Reaktionen hervorbringen würde, damit hatte wohl jeder gerechnet. Dass sich aber nach der Eröffnung eine beispiellose Welle des Hasses in den sozialen Netzwerken über die Moschee und ihre Mitglieder ergoss, und Beleidigungen, Morddrohungen und Gewaltfantasien für jedermann live in den entsprechenden Kommentarspalten mitzulesen waren, bestätigte viele Menschen in ihrer Annahme, dass die muslimischen Communitys nach wie vor ein erhebliches Fundamentalismus-Problem haben.

Die Meinung einiger VertreterInnen der islamischen Dachverbände zeigte sich weniger radikal, machte aber deutlich, dass die Ablehnung der neuen liberalen Moschee auch weit bis in die Reihen der politischen RepräsentantInnen der islamischen Gemeinschaft reichen. So schrieb der stellv. Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Mehmet Alparslan Çelebi, bei Facebook:

„Die Islamhasserin Seyran Ates wird zur Imamin, Islamkritiker beten hinter ihr. Die Medien wissen auch nicht mehr genau was sie denken sollen. Köstlich, wenn nicht Ramadan wäre, würde ich mir Popcorn machen und dem Spektakel auf meiner Couch zusehen.“
Quelle: Mehmet Alparslan Çelebi-Facebook

Selbst Haluk Yildiz, der Vorsitzende der BIG-Partei, die von diversen JournalistInnen als „Erdogans Lobbytruppe“ beschrieben wird, sah sich genötigt ein Video-Statement zur Eröffnung der neuen Moschee zu veröffentlichen. In diesem zelebriert er in knapp 11 Minuten die Feststellung, dass für ihn die liberale Form des Islam, die in der Ibn-Rushd-Goethe Moschee gelebt werde, nichts mit „dem“ Islam zu tun habe. Mal wieder scheinen gerade Männer im Sinne des traditionellen Patriarchats den Menschen erklären zu wollen, wie sie ihren Glauben „richtig“ zu leben haben. Ein Desaster, welches noch lange nachwirken wird und den rechten Rändern Deutschlands genau die Munition liefert, die sie für ihre muslimfeindliche Agenda benötigen.

Wer an diesem Punkt einen solidarischen Schulterschluss von einflussreichen Linken-PolitikerInnen mit den Mitgliedern der Ibn-Rushd-Goethe Moschee erwartet, wird diesen leider vorerst vergeblich suchen.
Christine Buchholz (MdB – Die Linke), die als einflussreiches Mitglied der marx21-Bewegung, sich öffentlich mit Aiman Mazyek (Zentralrat der Muslime – ZMD) solidarisiert hatte, nachdem dieser auf einer Todesliste des Bundeswehrsoldaten Franco A. auftauchte, zeigt bis heute (Stand 20.06.2017) kein Zeichen der Anteilnahme oder Unterstützung. Eine Bankrotterklärung.

Dabei scheint sich der Hass vor allem gegen Seyran Ates zu richten, die bereits 1984 von einem türkisch-rechtsradikalen Mitglied der „Grauen Wölfe“-Bewegung in den Kopf geschossen wurde und nur schwer verletzt überlebte.

Und die Gewaltfantasien und Morddrohungen gehen bei weitem nicht nur von Menschen aus, die man im salafistischen Milieu verortet, das zeigen die Facebook-Profile der KommentatorInnen deutlich. Vielmehr scheint das Fundamentalismus-Problem weit in den Mainstream der muslimischen Communitys zu reichen, dabei spielen vor allem die islamischen Dachverbände eine unrühmliche Rolle, auch wenn sich diese öffentlich von Gewalt distanzieren. Jede Silbe der Kritik eines Ahmad Mansours scheint sich hier zu bewahrheiten.

FAZIT

Liberale Projekte wie die Ibn-Rushd-Goethe Moschee brauchen die Unterstützung und Solidarität der Mehrheitsgesellschaft und Politik, auch wenn sich diese eigentlich nicht in die Angelegenheiten einer Religionsgemeinschaft einmischen sollte. Sieht man aber das enorme Gewalt-Potential von Teilen der muslimischen Communitys sogar gegen ihre eigenen Glaubensgeschwister, die für Demokratie und Menschenrechte einstehen wollen, so ist auch ein politisches Zeichen überfällig, um die fundamentalistischen Flügel und Gewalt-PropagandistInnen endlich in ihre Schranken zu weisen.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Marx21 und der Islamismus

Marx21 ist ein Netzwerk innerhalb der Partei Die Linke mit rund 400 Mitgliedern und Nachfolger der im September 2007 aufgelösten entristisch trotzkistischen Organisation Linksruck. Marx21 bezeichnet sich selbst als „Netzwerk um das Magazin marx21“. So besteht das Netzwerk auf antiimperialistische Positionen, wendet sich gegen eine Beteiligung der Partei Die Linke an Regierungen, fordert einen „Sozialismus von unten“ und sieht sich selbst in einer revolutionären Tradition. Der Verfassungsschutz sieht das Ziel der Organisation in der „Errichtung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung durch eine Revolution“. Die bayerische Landesbehörde für Verfassungsschutz stuft marx21 als offen extremistische Vereinigung ein.“ Quelle

Nachdem ich in den letzten Wochen einige sehr emotionale Auseinandersetzungen mit Anhängerinnen und Anhängern der marx21-Bewegung auf Facebook hatte, melde ich mich im neuen Jahr mit einer Zusammenfassung der Geschehnisse zurück auf meinem Blog. Frohes Neues!

Einmal im Jahr veranstaltet marx21 seinen Kongress Marx is` Muss, auf dem in diesem Jahr Themen wie „Wirtschaftskrise, Blockupy-Proteste, die arabische Revolution bis hin zu Debatten über den Aufschwung des Rechtspopulismus in Europa“ kritisch behandelt werden. Als Referentinnen und Referenten findet man auf der Homepage des Kongresses neben PolitikerInnen der Linkspartei, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen, auch VertreterInnen des konservativen Islam, die laut diverser ExpertInnen und Verfassungsschutzämter Verbindungen zu faschistischen, islamistischen Organisationen und sogar türkischen Ultra-NationalistInnen aufweisen. Eigentlich ein Skandal, gerade für eine linke Veranstaltung, sollte man meinen. Menschen, die auf den entsprechenden marx21-Seiten Kritik äußern, werden dabei nicht nur systematisch blockiert, sie werden auch als HetzerInnen beleidigt.

„Hetze gegen bestimmte Personen und deren Religion“? Was war passiert, dass sich marx21 zu einem derartigen Statement veranlasst fühlte?

Als bekannt wurde, dass in diesem Jahr der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek, beim Kongress zum Thema „Wie stoppen wir die AFD“ sprechen wird, kochten auf der Veranstaltungsseite die Emotionen über.

Kritikerinnen und Kritiker äußerten ihr Entsetzen und stützten ihre Kritik dabei besonders auf die Zusammensetzung und die Mitglieder des Zentralrats der Muslime (ZMD).
So beheimatet der ZMD u.a. den türkischen-islamischen Verband „ATIB“, der laut dem Politikwissenschaftler Ismail Küpeli, dem Experte für türkischen Ultra-Nationalismus, Dr. Kemal Bozay (Buch: Die Grauen Wölfe heulen wieder), dem bayrischen Landtag oder JournalistInnen des ZDF (Beitrag: Graue Wölfe | Eine Chronologie der stillen Macht) dem Spektrum der türkisch-rechtsradikalen Grauen Wölfe zugerechnet wird. Die ATIB stellt mit Mehmet Alparslan Çelebi sogar den stellv. Vorsitzenden des ZMD.

Auch die Religionswissenschaftlerin Prof. Dr. Ina Wunn und ihr Kollege Hamideh Mohaghegh kamen in ihrem Buch Muslimische Gruppierungen in Deutschland zu dem selben Ergebnis.

Interessant dabei ist, dass Wunn und Mohaghegh eine ultra-nationalistische Bewegung in einem Buch über islamische Organisationen aufführen. Doch sie liegen genau richtig. Denn die Grauen Wölfe stützen sich auf die Türkisch-islamische Synthese, ein politisch rechtsgerichtetes islamisch-konservatives Ideologem, das türkischen Nationalismus und Islamismus miteinander verbindet. Dabei stand der nationalistische Faktor in der Vergangenheit immer im Vordergrund. Spätestens mit dem Aufstieg der islamistischen AKP ändern sich diese Zustände aber dahingehend, dass der islamistische Faktor inzwischen zumindest als gleichwertig neben dem Nationalismus bei den Grauen Wölfen angesehen wird. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Menschen in der Türkei von der Mutterpartei der Grauen Wölfe, der MHP, abwenden und sich dem rechts-außen Flügel der islamistischen AKP anschließen, auch aus Machtinteressen.

Ein weiteres Mitglied des ZMD ist die IGD (Islamische Gemeinschaft in Deutschland), die laut diverser Verfassungsschutzberichte und der Konrad-Adenauer-Stiftung als Deutschlandvertretung der islamistischen Muslimbruderschaft identifiziert wird. So schreibt die Konrad-Adenauer-Stiftung über die IGD:

„Bereits seit ihrer Gründung steht die IGD unter bestimmender Einflussnahme der Muslimbruderschaft. Ihre Gründung im Jahre 1960 ging von Said Ramadan aus, dem prominenten Muslimbruder und Schwiegersohn des Muslimbruderschaft-Begründers Hasan al-Banna.“ […] „Die IGD gilt als wichtiger Akteur im europäischen Muslimbruderschafts-Netzwerk. Sie ist Gründungsmitglied der „Föderation der Islamischen Organisationen in Europa“ (FIOE) mit Sitz in Brüssel. Bei der FIOE handelt es sich um den Dachverband aller Muslimbruderschafts-nahen Organisationen in Europa.“
Die Muslimbruderschaft in Deutschland

Die Fakten-Lage scheint eindeutig, doch die Reaktion der marx21-Abteilung auf die konstruktiv angebrachte Kritik ist ein Skandal, der seinesgleichen noch lange suchen wird.

Nachdem die kritischen Kommentare auf der Veranstaltungsseite die Oberhand gewannen, löschten die Admins der Seite ALLE kritischen Kommentare zu Aiman Mazyek und lieferten ein skandalöses Statement (das oben im Beitrag zu sehen ist).
Demnach sind alle Menschen, die die Zusammensetzung des ZMD kritisieren, Hetzer gegen Aiman Mazyek und „den“ Islam. Wo konkret „der“ Islam als solcher kritisiert wurde, dazu äußert man sich nicht bei marx21. Fest steht aber, dass marx21 LobbyistInnen der ultra-konservativen Dachverbände regelmäßig ein Podium bietet und KritikerInnen dessen als islamophob beleidigt.

Und Mazyek ist nicht der einzige Total-Ausfall beim „Marx is` Muss“-Kongress. 2015 referierte die AKP-Sympathisantin Betül Ulusoy, die dadurch bekannt wurde, dass sie im Sommer 2016 „Erdogan Gegner als Dreck bezeichnete, der nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei nun gesäubert werden könne“. Zudem machte sie im September des gleichen Jahres in Berlin Wahlkampf für Pinar Cetin (DITIB), eine bekennende Leugnerin des Genozids an den Armeniern 1915/16. Auffällig ist daher auch nicht, dass Ulusoy sich öffentlich der Rhetorik der türkischen Ultra-NationalistInnen bedient, indem sie den Genozid an den Armeniern als „angeblichen Genozid“ tituliert.

Ein weiterer Gast, der auch 2017 wieder referieren wird, ist Sameh Naguib, der die Hamas für eine „nationale Befreiungsbewegung (!) und die Muslimbruderschaft für eine reformistische Massenbewegung“ hält. Quelle

Fehlen darf natürlich auch nicht das marx21-Urgestein Christine Buchholz. Ihr legendärer Satz „Die Dämonisierung der Hizbollah ist Teil der ideologischen Kriegsführung. Die Linke sollte dabei nicht mitmachen“ prägt bis heute ein Selbstverständnis, das fern ab von gut und böse sich Platz in einer Parallel-Realität sucht.

FAZIT

Als Fazit benutze ich heute die Bewertung des „Marx is` Muss“-Kongresses durch meine Kollegin Aziza Vieille Âme. Mehr muss dann auch wirklich nicht mehr gesagt werden.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

RebellComedy – Propaganda für die Parallelgesellschaft

RebellComedy ist eine Stand-Up Comedy Mix-Show von jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Viele der Künstlerinnen und Künstler haben dabei ihre familiären Wurzeln in der arabischen, türkischen oder persischen Welt. Gegründet wurde die Show 2005 von Babak Ghassim (Gondebak) und Usama Elyas (Ususmango), welche die Geschäftsführer der RebellComedy darstellen. Bekanntestes Mitglied der Gruppe ist Pro7-Star Enissa Amani, die inzwischen deutschlandweit bekannt ist.

Die Show feiert große Erfolge und ist besonders beim jungen Publikum mit Migrationshintergrund sehr beliebt. Sich selber beschreiben die Künstler wie folgt:

„Stand-Up Comedy ist hierbei der zentrale Punkt, denn bislang hat es in der hiesigen Comedyszene niemand vermocht, dieses in den U.S.A. bereits etablierte und äußerst erfolgreiche Genre auf deutsche Verhältnisse anzupassen und sich dabei dennoch treu zu bleiben. Somit ist RebellComedy einfach neu, anders und einzigartig.Obwohl die Comedians ihre marokkanischen, iranischen, türkischen oder auch schweizer Wurzeln in der Show auch mal thematisieren, rutschen sie nie in eine klischeebehaftete Schiene. Das Publikum kennt die parodierten Geschichten aus dem eigenen Leben und kann sich deshalb mit den Comedians identifizieren.“
www.rebellcomedy.net

Ich selber habe mir das Programm von RebellComedy schon oft angesehen und musste regelmäßig herzhaft lachen. Ich lebe seit ich denken kann, mit Menschen mit türkischen, kurdischen oder arabischen Wurzeln zusammen und bin seit meiner Kindheit regelmäßig Gast in ihren Familien gewesen. Und genau um die alltäglichen Geschichten dieser Communitys dreht sich ein Hauptteil des Programms der Sendung. Unverblümt, direkt und vor allem sehr lustig.

Doch umso mehr ich die Sendung konsumierte, umso mehr fielen mir auch die klassischen Stereotype auf, die humoristisch dargestellt werden. Und leider musste ich auch feststellen, dass das Denken der Künstlerinnen und Künstler durchsetzt ist von rassistischen Klischees, die zwar lustig verkauft werden, aber doch eine klare Botschaft mit sich bringen: Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sind alles, aber keine Deutschen. Sie sind kein Teil der Mehrheitsgesellschaft. Sie sind anders. Immer wieder wird konkret auf den Unterschied zwischen „Deutschen“ und „Ausländern“ hingewiesen. Dass die jeweiligen Familien seit Jahrzehnten Teil der deutschen Gesellschaft sind, wird dabei eher selten berücksichtigt. Ich frage mich schon seit Jahren, was „deutsch“ und was „ausländisch“ ist? Gelten die Begriffe nur für das Kollektiv oder auch für das Individuum? Vielleicht verstehe ich das Ganze auch falsch und interpretiere mehr hinein, als eigentlich angedacht ist. Wahrscheinlich ist es Teil der Kunst, das Denken der Menschen im Alltag überspitzt einfach widerzuspiegeln. Dahingehend soll sich meine Kritik an der Sendung auch nicht zentral richten.

Was mir seit einiger Zeit bitter aufstößt sind die sehr undifferenzierten und populistisch-politischen Botschaften und Aktionen, die sowohl in der Show, als auf den Facebook-Seiten und im Privatleben der Künstlerinnen und Künstler veröffentlicht werden.
So hat der bekannte Comedian der Sendung Khalid Bounouar, am 4.12.2016 einen Videoausschnitt von seinem Kollegen Salim Samatou mit der Überschrift „Er hat so recht!!!“ veröffentlicht, in dem Samatou erklärt, dass es nur Krieg gäbe, da der „UN-Sicherheitsrat“ es so entscheide. Dabei sein die USA, Rußland, Großbritannien, Frankreich und China für die weltweiten Kriege verantwortlich, weil sie gleichzeitig auch die größten Waffenlieferanten sind. Eine klassisch vereinfachte Verschwörungstheorie, die alles Leid der Welt dem sogenannten Westen + China in die Schuhe schiebt und völlig undifferenziert alle anderen Ländern oder extremistischen Organisationen ihrer Verantwortung entzieht.

Natürlich ist das Agieren des Westens eine Seite der Medaille, die sehr kritisch betrachtet werden muss. Aber Konflikte entstehen eben nicht nur aus dem Grund, dass der Westen Waffen in die Welt liefert. Irgendwer muss diese Waffen ja schließlich benutzen und das wird gerade im Nahen- und Mittleren Osten auch in der Regel auf Grund einer speziellen Ideologie gemacht. Wenn wir von Syrien oder dem Irak reden, sollten wir nicht nur den Einmarsch der Amerikaner in den Irak betrachten, sondern auch die Ideologie der Islamisten dieser Länder. Der IS schneidet Shiiten nicht den Kopf ab, weil es der Westen ihm befohlen hat. Der IS wirft Homosexuelle nicht Kopfüber vom höchsten Punkt einer Stadt, weil Frankreich ihm dieses vermittelt hat. Auch dass in Afghanistan ein shiitischer Patient von einem sunnitischen Arzt in dem ein oder anderen Fall nicht behandelt wird, hat nichts mit dem Agieren des Westens zu tun. Die militärischen Mittel, um die islamistische Ideologie durchzusetzen, mögen nicht selten in der Geschichte vom Westen bereitgestellt worden sein, doch die Ideologie selber erwächst aus der Orthodoxie der islamischen Welt und ist eben nicht Produkt des Westens. Die Haltung zum Umgang mit „Ungläubigen“, zur Rolle von Mann und Frau oder zur konsequenten Ablehnung der Trennung von Religion und Politik, sind Kernprobleme und ein ewiges Konfliktpotential in der islamischen Welt, aus denen auch Kriege und Terror sich entwickeln.

Ahmad Mansour schrieb dazu:

„Es sind diese veralteten, verkrusteten Inhalte, die mit der aufgeklärten Moderne derart in Kollision geraten, dass aus der Reibung eine Truppe wie der IS entstehen kann.“
Ahmad Mansour – Reinheit, Ehre, Todesverachtung

Dahingehend bestätigt RebellComedy bewusst oder unbewusst, die Verschwörungstheorien und die Ablehnung vieler Menschen, oftmals mit Migrationshintergrund und verhaftet in der muslimischen Community, gegenüber ihrer Heimat im Westen. Sie unterstreichen die gängigen Klischees gegenüber der Demokratie und stigmatisieren „den“ Westen. Dass eben dieses schwarz-weiss Denken mit klaren Opfer- und Täter-Bildern zum guten Ton bei Islamisten gehört, scheint hier niemanden zu stören. Das Publikum lacht und applaudiert.

Bis hier hin sollte man den Künstlerinnen und Künstlern aber keine Absicht unterstellen, denn sie sind wie jeder Mensch auch ein Produkt ihres Umfeldes und ihrer jeweiligen Sozialisation. Doch haben die Comedians auch einen Internet-Auftritt bei Facebook und bei einer genaueren Recherche zu den Künstlerinnen und Künstlern kommt leider auch wenig Erfreuliches ans Tageslicht.

So ist Usama Elyas (Ususmango), der Geschäftsführer der RebellComedy, ein gern gesehender Gast bei der IGD, der islamischen Gemeinschaft in Deutschland, die als Vertretung der islamistischen Muslimbruderschaft gilt.

Die IGD steht im engen Kontakt mit der Hilfsorganisation Islamic Relief. Die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall zeigte in einem Beitrag in der Vergangenheit bereits, inwiefern Islamic Relief in Netzwerk der Muslimbruderschaft aktiv sein soll. Islamic Relief wird von einer anderen Organisation unterstützt, die Ususmango in seinem Facebook-Profil supportet. Es handelt sich dabei um die Hilfsorganisation „Sadaka e.V.“.

Und eben diese Sadaka e.V. macht Werbung für Islamic Relief.

Auch weitere Bilder, die die Organisation hochlädt, sagen einiges über die Gesinnung der Menschen aus, die in ihrem Umfeld aktiv sind. So zeigt ein Bild auf der Facebook Seite der Organisation, einen Mann mit dem sogenannten „R4bia“ Zeichen auf dem T-Shirt, das als Symbol des Widerstandes der Muslimbruderschaft gegen das ägyptische Militär gilt.

Auch Diktator Recep Tayyip Erdoğan zeigt dieses Handzeichen bei seinen Auftritten, um seine Solidarität mit der islamistischen Muslimbruderschaft auszudrücken.

Sadaka e.V. scheint neben dem Kontakt zu Usama Elyas (Ususmango), allgemein einen guten Draht zu den Künstlern RebellComedys zu haben. Berührungsängste sehen definitiv anders aus.

Fazit

Ob die Künstler wirklich wissen, wer sie da einlädt, darf bezweifelt werden. Trotzdem ist es gerade die Pflicht einer öffentlichen Person, eines Stars der Medienwelt, sich zu informieren, wen man unterstützt oder als Gast besucht. Dass die islamistische Muslimbruderschaft eine Gefahr für jede demokratische Gesellschaft ist, sollte jedem klar denkenden Menschen inzwischen bewusst sein. Hier geht es nicht darum die Arbeit von Hilfsorganisationen schlecht zu reden, sondern einzig darum, Kontakte und Verknüpfungen zu benennen, die in die radikal-islamistische Community reichen. Die Muslimbruderschaft ist anti-demokratisch, faschistoid, antisemitisch, homophob und mit ihren Vordenkern Hasan al-Bannā und Sayyid Qutb, ein entscheidender Einfluss für Terrorgruppen wie Al-Qaida, Hamas und auch den IS.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle