Islamistisches Gedankengut in der Welt der Promis?

Am 06. Oktober 2018 kam es in Las Vegas zum Duell der beiden MMA-Superstars Conor McGregor und Khabib Nurmagomedov. Nurmagomedov dominierte den Kampf weitestgehend und besiegte McGregor in der 4. Runde mit einem Würgegriff. Was danach passierte, wird schon heute als die „UFC-Schande“ beschrieben.

Nachdem sich Nurmagomedov durch McGregors Entourage beleidigt fühlte, kletterte er über den Käfig, sprang von der Umrandung ins Publikum und prügelte sich dort mit den Betreuern des Iren. Währenddessen enterten zwei Männer des russischen Teams das Oktagon und gingen dort auf McGregor los. Es entwickelte sich eine wüste Massenschlägerei.

Bereits im Vorfeld des Kampfes war McGregor seinen Gegner mit gewohnt rauer Rhetorik angegangen. Provokationen, Beleidigungen und Sticheleien – man kennt derartiges aus der Welt des Kampfsports. Aber dieses Mal kam eine weitere Komponente dazu, die den Konflikt für viele Menschen auf eine neue Ebene hob: Die Religion.

Nurmagomedov ist strenggläubiger sunnitischer Muslim. Im Juli 2014 hatte er die Chance auf einen lukrativen Titelkampf gegen Donald Cerrone, doch winkte ab, weil das Duell im Fastenmonat Ramadan stattgefunden hätte. Später wurde ihm ein Kampf bei der UFC 200 angeboten. Erneut lehnte er dankend ab, da wenige Tage vorher das Fest des Fastenbrechens (auf Arabisch: ʿĪd al-Fitr) gefeiert wurde.

In diesem Kontext war es interessant zu sehen, wie Nurmagomedov nach dem Skandal in der Wüste von Nevada seinen Ausraster entschuldigte:

„Das ist nicht meine beste Seite. Ich bin auch nur ein Mensch, aber ich verstehe nicht, warum die Leute darüber sprechen, dass ich auf den Käfig springe während er über meine Religion spricht, über mein Land, meinen Vater.“ Die UFC-Schande und ihre Folgen

Explizit wird hier das Sprechen über die Religion hervorgehoben. Und ja, McGregor hatte im Vorfeld seinen Kontrahenten auf eine durchweg niveaulose und asoziale Art und Weise beleidigt und attackiert. Es stimmt aber ebenso, dass das Beleidigen einer Religion, selbst unter Zuhilfenahme von Fäkalsprache, Teil einer modernen Demokratie sowie Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit ist. Dieses Recht wurde über die Jahrhunderte blutig gegen die Kirche in Europa erkämpft und entwickelte sich zu einem entscheidenden Zahnrad des Humanismus und der Aufklärung. Diese Freiheit ist dem Islamismus fremd, vielmehr bedroht diese Freiheit seinen klerikal-faschistischen Kern.

Natürlich ist Nurmagomedov nicht der einzige Mensch auf der Welt, der dünnhäutig auf Beleidigungen reagiert. Spürbar hat sich dennoch etwas geändert. Die islamische Welt ist heute nicht für eine progressive Religionskritik bekannt, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Dass Menschen aber immer öfter zu massiver Gewalt greifen, um ihre Religion zu beschützen, ist in der westlichen Hemisphäre der Moderne eine eher neue Erscheinungsform.

Es ist richtig, dass die überwiegende Mehrheit von Muslim*innen sich gegen Religionskriege und andere Barbareien im Namen der Religion ausspricht. Aber immer öfters hört man auch Verständnis für die Taten von dschihadistischen Terrorist*innen und Islamist*innen.

So erklärte der deutsch-iranische Rapper Milonair in einem Interview mit dem HipHop-Magazin Backspin, dass er nachvollziehen könne, dass eine Gruppe von Islamisten die Charlie-Hebdo-Redaktion gestürmt hatten, um ihren Propheten vor Beleidigungen zu beschützen.

Da der Islamismus die heiligen Texte und den Propheten als unfehlbar beschreibt, ist jede Kritik an diesen zwangsläufig eine Beleidigung Gottes. Ein dogmatisches und totalitäres Religionsverständnis, das keinen Widerspruch duldet.

Die marrokanisch-stämmige Sängerin Namika, die weder sehr religiös noch konservativ wirkt, und in ihren Liedern über Freiheit, Liebe und Zusammenhalt singt, äußerte sich im Mai 2018 in einem Interview mit HipHop.de über die Folgen des Echo-Skandals rund um Kollegah und Farid Bang und legte zudem ihre Sichtweise zum Thema Religionskritik dar.

„It’s just don‘t mess with religion. Generell, lass Religion aus dem Spiel, mach‘ deine Kunst und alles ist in Ordnung.“

Ich möchte Namika kein islamistisches Gedankengut unterstellen. Aber ihre Grundhaltung und der Imperativ nicht über Religion zu sprechen, schon mal gar nicht kritisch, widerspiegelen ein reaktionäres und dogmatisches Verständnis von Religion, das in der muslimischen Welt weit verbreitet ist und die betroffenen Gesellschaften auf verschiedensten Ebenen lähmt.

Dieser Schleier des Schweigens bildet in der islamischen Welt die indirekte ideologische Basis des Islamismus. Der Nährboden für Organisationen wie die Muslimbruderschaft, die bei vielen Menschen wirtschaftliche Nöte und Bildungsferne zu instrumentalisieren wissen.

Ich hatte bereits in einem meiner ersten Artikel 2016 darauf hingewiesen, wie die mehrheitlich muslimischen Comedians von RebellComedy, einseitige politische Erklärungsversuche unter ihr durchaus amüsantes Programm mischen:
RebellComedy – Propaganda für die Parallelgesellschaft

Weite Teile der muslimischen Communities in Deutschland sind konservativ sozialisiert und neigen seit 2001 immer mehr dazu, auch islamistisch gefärbte Gedankenmuster zu vertreten. Ob nun ein Mesut Özil, der sich mit dem Islamisten Erdoğan fotografieren lässt, ein muslimischer Rapper wie Kollegah, der klar antisemitische Weltbilder in seinen Songs propagiert, oder eine Enissa Amani, die bei „Hart aber fair“ islamischen Fundamentalismus relativiert – sie alle scheinen nicht überblicken zu können, dass es Islamverständnisse gibt, die in erhebliche Reibung mit der Moderne und den Menschenrechten kommen. Dabei sind Ansätze islamistischer Gesellschaftsvorstellungen bereits Teil unseres Alltags geworden und verstecken sich in diversen Denkverboten und Dogmen. Darüber zu schweigen und die Religion vor Kritik zu beschützen, fördert nicht den Fortschritt, sondern den Untergang einer Religion.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle


0 Antworten auf „Islamistisches Gedankengut in der Welt der Promis?“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


− zwei = sechs