Stefanie Carp – Symbol des gescheiterten interkulturellen Dialoges

„Im Weißbuch des Europarats zum interkulturellen Dialog wird der kulturelle Dialog genauer definiert als „ein Prozess des offenen und respektvollen Meinungsaustausches von Einzelnen und Gruppen unterschiedlicher ethnischer, kultureller, religiöser und sprachlicher Herkunft und Traditionen in einem Geist von gegenseitigem Verständnis und Respekt. Die Freiheit und die Fähigkeit der Meinungsäußerung, aber auch der Wille und die Fähigkeit, dem, was die anderen zu sagen haben, zuzuhören, sind hierbei unverzichtbar. Der interkulturelle Dialog trägt zur politischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Integration bei sowie zum Zusammenhalt von Gesellschaften mit unterschiedlichen Kulturen.“

In Deutschland des 21. Jahrhunderts scheint sich der interkulturelle Dialog, für den die freie und somit auch kritische Meinungsäußerung unverzichtbar sind, zu einem leblosen und versteinerten Protokoll entwickelt zu haben. Einige Funktionär*innen der deutschen Mehrheitsgesellschaft treten als eine Art kollektives „Ich“ auf, das auf Lobbyist*innen von meist muslimischen Interessengruppen trifft, die als „die Fremden“ fungieren. Andere Kulturen sind zumindest in der Wahrnehmung bei diesem Dialog nicht präsent. Es gibt in Deutschland weder eine Konferenz für Hindus, Buddhist*innen oder Atheist*innen. Die Islam-Konferenz hingegen ist Aushängeschild der deutschen Innenpolitik. Dass an diesem Tisch nur ultra-konservative Vertreter*innen sitzen, mutet beinahe preußisch an.

Das eigentliche Problem dabei ist aber nicht der Fokus auf dem Faktor „Islam“. Das Protokoll des Scheiterns fußt auf dem Fundament eines rassistischen Menschenbildes – geformt und gepflegt durch Teile der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Dieses Bild sieht im „Ich“ einen „Big Player“, welcher sich nachvollziehbar allen Kritikpunkten des menschlichen Verstandes und den Mindestanforderungen der Menschenrechte stellt. Man analysiert Eigenschaften, die von Vorteil sind und andere, die es abzulehnen gilt. In der Religion würde man von gut und böse sprechen. Dieses Mindestmaß an Reflexion und Anspruch erwartet das „Ich“ im interkulturellen Dialog aber nicht von seinem Gegenüber, „dem Fremden“. Hier gibt man sich damit zufrieden, diesen auf die Attribute „edel“ und „Opfer“ zu reduzieren.

Aus dem rassistischen Menschenbild der europäischen Kolonialherren, die Fremde als „wilde Barbaren“ herabwürdigten, ist ein positiver Rassismus entstanden, der sie nun als eine Art „edle Exoten“ und ständige Opfer kapitalistischer Umtriebe beschreibt. In dieser Wahrnehmung ist kein Platz für das Indiviuum. Menschen werden kollektiviert und homogenisiert. Das trifft in Deutschland besonders auf viele linke Aktivist*innen und ihren Umgang mit Muslim*innen zu.

Als tragisches Symbol dieser Gedankenwelt tritt gerade Stefanie Carp, die Intendantin der Ruhrtriennale, in Erscheinung. Erst lud sie die Gruppe „Young Fathers“, die herzlich mit der antisemitischen BDS-Kampagne sympathisieren, ein, um sie dann wieder auszuladen und schlußendlich wieder einzubestellen. Gestern stellte sich zudem heraus, dass mit dem Hezarfen-Ensemble aus Istanbul, ein Gast auf der Ruhrtriennale eine Bühne geboten bekommt, der den Völkermord an den Armenier*innen 1917 im Osmanischen Reich eine „Umsiedlung“ nennt, sich also dem Sprachgebrauch türkischer Nationalist*innen bedient.

„Spätestens beim Wort „Umsiedlung“ hätten alle Alarmsysteme schrillen müssen. Denn hier „wird nicht nur die planmäßige und nationalistisch motivierte Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich zu einer Umsiedlung verharmlost, sondern der Genozid als solcher geleugnet“, sagte Dogan Akhanli WELT. Der deutsche Schriftsteller mit türkischen Wurzeln ist einer der besten Kenner der Geschichte des armenischen Völkermordes.“ Welt – Worüber Intendantin Stefanie Carp nicht sprechen will

In beiden Fällen sei Frau Carp nicht ausreichend informiert gewesen. Das Ganze geht soweit, dass Frau Carp sich jede kritische Frage zu den Themen verbittet, da sie keine Politikerin sei. Dass die Dame aber sehr wohl politische Interessen verfolgt, zeigt das Programmheft der Triennale:

„Das Programmheft ist voll von Themen wie Migration, Gleichheit, Freiheit. Carp will „autokratische Regierungen, neue Nationalismen und Rassismus verhindern“, wie sie im Vorwort schreibt. Dazu lädt sie Künstlerinnen und Künstler vorwiegend aus dem afrikanischen und arabischen Raum ein, die ihre These belegen sollen.“

Künstler*innen, die ein Programm gegen Rassismus und Nationalismus bereichern sollen, müssen anscheinend nur aus Afrika oder dem arabischen Raum kommen, um von Frau Carp berücksichtigt zu werden. Sie werden reduziert auf Ethnie und Herkunft. Welche Ziele und Ansichten diese Menschen losgelöst von ihrer Herkunft verfolgen, scheint irrelevant zu sein. Fremde Exoten, die kollektiv edel und für Carp wohl selbst Opfer sind, wenn sie eine „Kauf nicht bei Juden“-Kampagne unterstützen. Dass Antisemitismus, Nationalismus und Rassismus Teil einer jeden Gesellschaft dieser Erde sein können, passt dabei nicht in das Weltbild einiger Kulturschaffender. Denn dann müsste man die „Ich und der Fremde“-Logik hinterfragen. Auf diesem Niveau bewegt sich die gesamte Debatte rund um Islam und Islamismus in Deutschland. Der interkulturelle Dialog in Deutschland wird immer noch von einer Art „Kolonialwarenhändler*innen“ geführt, die die Rechnung vorlegen. Die Rechnung ist simple und verbittet sich Kritik:

„Ich und der Fremde – Die Kollektivsucht der angeblich moralisch Überlegenden.“

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle


1 Antwort auf „Stefanie Carp – Symbol des gescheiterten interkulturellen Dialoges“


  1. 1 sandra 14. August 2018 um 21:28 Uhr

    Der Rassismus ist eine alte Sache. Auch dass der Iran nach wie vor hofiert wird, zusammen mit den Krokodilstränen für die Palästinenser (Krokodilstränen, weil Palästinensische Armut, oder gar Tote die von anderen Arabern „produziert“ wurden, keine Sau interessieren)zeigt vor allem, dass man alles, was die Führer dieser Leute von sich geben, einfach nicht geglaubt wird! Iran will israel vernichten, ah geh – das ist doch nur Säbelrasseln, die Hamas schickt hunderte von Raketen, ah geh, das sind doch nur Spielzeugwaffen, die Araber wollen Israel nicht anerkennen – ah geh, das meinen die ja nicht so, die armen Hascherln. Es ist Rassismus in Reinkultur.

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