Die Linke braucht eine Task-Force

Nach dem desaströsen Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden, setzten sich führende Vereinsfunktionäre, Manager und Trainer an einen Tisch und gründeten die sogenannte „Task-Force“ des DFBs. Dieser Zusammenschluss analysierte die Versäumnisse und Fehlentwicklungen der letzten Jahre und verzichtete dabei nicht auf ungeschnittene, harte Selbstkritik. Diese war überfällig, da sich die deutsche Fußball-Landschaft im Stillstand, mitunter auch im Rückschritt befand, was besonders 1998 durch die erste Amtshandlung des neuen Bundestrainers Erich Ribbeck deutlich wurde, der einen 37-Jährigen Lothar Matthäus reaktivierte und sich so den Namen „Totengräber des deutschen Fußballs“ verdiente.

Die deutsche Nationalmannschaft zeigte weder einen schönen noch erfolgreichen Fußball und wurde von kleinen Teams an die Wand gespielt, die sich neuen und effektiveren Systemen zugewandt hatten. Der DFB hingegen fungierte als regressive Autorität, die sich internationalen Entwicklungen verschloss und Kritiker*innen nicht ernst nahm. All das sollte sich nun mit der Task-Force ändern.

Betrachtet man den Zustand, in dem sich das linke Spektrum befindet, ist der Vergleich mit der Situation des deutschen Fußballs nach 1998 nicht abwegig. Weite Teile „der“ Linken versinken in Graben- und Klassenkämpfen, während nicht wenige Genossinnen und Genossen die massive Gefahr des Islamismus partout ignorieren und Kritik an diesem beinahe tabuisieren. Dabei fehlt es auch beträchtlich an historischem Wissen, denn islamistische Gruppierungen wie die Muslimbruderschaft haben einst mit der NSDAP kooperiert und hängen auch heute noch einem Hitler-Kult an, den man nicht zuletzt in Kreisen der Hamas auch öffentlich zur Schau stellt.

Wo sind die qualitativen und nachhaltigen Antworten auf solche Probleme? Eine Linke, die 60.000 Menschen in Berlin zum „Wegbassen“ von deutschen Nationalist*innen mobilisieren kann, aber weitestgehend ohrenbetäubend schweigt, wenn die renommierte Humboldt Universität zu Berlin für ihr neues Islam-Institut eine Kooperation mit islamistischen und antisemitischen Verbänden eingeht.

Diese Art von Doppelmoral und ein damit verbundenes Gefühl der „moralischen Überlegenheit“ tragen die Linke zu Grabe. Politiker*innen wie Christine Buchholz, eine bekannte marx21-Aktivistin und religionspolitische Sprecherin Der Linken, stellt sich seit Jahren an die Seite von Organisationen, die nicht zu Unrecht dem Spektrum des legalistischen Islamismus zugerechnet werden. Solche Aktionen stehen symbolisch für das Weltbild von marx21, wobei die trotzkistische Sekte mit Buchholz und Janine Wissler, der stellvertretenden Vorsitzenden Der Linken, Schlüsselpositionen einer Partei im Bundestag kontrolliert.

Zudem ist mit Jules El-Khatib ein weiterer marx21-Aktivist nun zum stellvertretenden Landesvorsitzenden in NRW gewählt worden, wo er nur noch der Antizionistin Inge Höger untersteht. Nicht zu vergessen die Linksjugend [’solid], die sich zwar am 15.04.2018 beim Bundeskongress gegen Islamismus und die islamischen Dachverbände positioniert hat, beim gleichen Kongress aber Nadine Bendahou zur neuen Bundesvorsitzenden wählte, die mich gerade wegen meiner Kritik an den islamischen Dachverbänden über Monate auf widerlichste Art und Weise versuchte zu diffamieren. In der Person Bendahou spiegelt sich alle Doppelmoral der linken Bewegung wieder, wodurch sich die Dame nicht zu unrecht den Titel „Ribbeck der Linken“ verdient hat.

Die Neurechte Bewegung, Pegida und auch die AfD sind nicht nur im Aufwind, weil sie auf ein nicht zu unterschätzendes Potential an rassistischem Gedankengut in der Mehrheitsgesellschaft zurückgreifen. Ihr Aufstieg hängt untrennbar mit der Heuchelei und Doppelmoral weiter Teile der linken Bewegung zusammen, die die Islamismus-Problematik tabuisiert und selbst Menschen mundtot machen will, die sich differenziert und emanzipatorisch mit den Problemen des klerikalen Faschismus nicht-europäischer Herkunft auseinandersetzen. So konnte ein Vakuum der nicht beantworteten Fragen entstehen, das AfD und Konsorten für ihre fremdenfeindliche Ideologie instrumentalisieren und ausschlachten.

Dem gegenüber steht eine Linke, die Menschenrechtsverletzungen im Namen problematischer Islam- und Traditionsverständnisse als kulturelle Vielfalt verkauft und Menschen als Rassist*innen diffamiert, die derartige Absurditäten in Frage stellen. Eine Linke, die regressiv regiert wird, Neuentwicklungen und Öffnungen für einen internationalen antifaschistischen Kampf bei Seite wischt und sich vordergründig „nur“ mit deutsch-deutschen Rassist*innen und Nationalist*innen beschäftigen will. Und ja, inzwischen ist es gelegentlich auch legitim geworden von „DER“ Linken zu reden, denn wenn ein Kreis von marx21-Aktivist*innen und AntiImps derart einflussreich in der größten linken Partei der Bundesrepublik agiert, der jedes Jahr aufs Neue von Genoss*innen in den parteiinternen Wahlen bestätigt wird, dann wird die Mehrheit, die vielleicht progressiv denken könnte, zur irrelevanten Masse.

Man fragt sich zu Recht, wo hier das revolutionäre Potential ist, das man so häufig für sich in Anspruch nimmt. Diese Heuchelei kombiniert mit dem Antisemitismus-Problem von Teilen der Linken, zerstört jeden Traum an eine solidarische und gerechte Gesellschaft.

Wir befinden uns an einem Scheideweg der Geschichte. Ein Punkt, an dem wir die Linke zu Grabe tragen und das Schicksal dieser Gesellschaft in die Hände von Nationalist*innen legen, oder an dem wir aufstehen, mutig und ehrlich zu uns selber sind und uns endlich eingestehen, dass es so nicht weiter gehen kann. Wir brauchen eine Task-Force, die hart und konstruktiv den ideologischen Rost hinterfragt und revolutionär die regressiven Grenzen und Mauern in unseren Köpfen niederreißt.

Fritz Scherer, ein Teil der damaligen DFB-Task-Force, sagte 2000, „dass man keine Ja-Sager mehr bräuchte und man nun Verantwortung übernehmen und vertreten müsse“. Diese Ja-Sager*innen kennen wir nur zu gut. Menschen, die uns in einem Vier-Augen-Gespräch zwar recht geben, aber im nächsten Satz anmerken, dass sie uns öffentlich nicht unterstützen, da dies zu Missverständnissen führen könnte. Ich habe ein für alle Mal genug von solchen Genossinnen und Genossen, es reicht!

„Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme.“ Karl Marx

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle


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