Archiv für November 2016

Fidel Castro und „die“ Linke

Am 25. November 2016 ist Commandante Fidel Castro in Havanna verstorben. Castro war mit der Bewegung des 26. Juli (M-26-7) die treibende Kraft der kubanischen Revolution, die 1959 zum Sturz des Diktators Fulgencio Batista führte. In seiner politischen Karriere war er unter anderem Regierungschef, Staatspräsident und Vorsitzender der Kommunistischen Partei Kubas, einer Einheitspartei. Schon der Gedanke einer Einheitspartei, die für sich in Anspruch nimmt, den Willen und die Interessen des gesamten Volkes zu vertreten, und daraus ihren Anspruch auf die alleinige Macht ableitet, meist verbunden mit der Absicht eine „Nationale Einheit“ zu verkörpern, trägt für mich ein tendenziell faschistoides Konzept in sich. Dazu aber später mehr…

Teile der Links-Partei widmen ihrem Commandante medial letzte Worte voller Respekt & Anerkennung und weisen u.a. daraufhin, wie toll das Bildungssystem auf Kuba heute ist.

Die kubanische Revolution 1959 gehört zu den einflussreichsten Entwicklungen Lateinamerikas, und kann/muss als eine der „Leitrevolutionen“ für den weltweiten Sozialismus gesehen werden. Das Bild des „Bauern & Guerilla-Kampfes“ bestimmt, besonders durch die Mainstream-Symbolik des Castro-Mistreiters Ernesto „Che Guevara“, bis heute die Interpretation der kubanischen Revolution.

Der Aufstand gegen den kubanischen Diktator Batista wird nach dessen Verfassungsbrüchen, Wahlmanipulationen, Unterdrückungen und erheblichen Menschenrechtsverletzungen, denen bis zu 20.000 Menschen in Foltergefängnissen zum Opfer fielen, heute als zwangsläufig verstanden, dieser Interpretation schließe auch ich mich an.

Batista war besonders dafür bekannt, dass er als Lobbyist der amerikanischen Mafia galt, die in Kuba unter seiner Herrschaft ein Imperium des internationalen Verbrechens aufbaute und Havanna zur Vergnügungsmetropole nordamerikanischer Touristen machte, fernab der us-amerikanischen Justiz.
Diese Mafia-Strukturen werden sehr gut in dem Film Der Pate 2 nachgestellt, in dem sich die Führungsriege der amerikanischen Mafia in Havanna trifft und die Zuständigkeiten der einzelnen Familien für die Mafia-Casinos aufteilt. Dass diese Szenen sich in ähnlicher Weise wirklich abgespielt haben, haben diverse Historiker bereits mehrfach bestätigt.

Kuba war von Korruption, Anti-Demokratie und Unterdrückung zerfressen. Worte wie Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und freie Opposition galten als Fremdwörter. Die USA waren zudem glücklich darüber, dass Batista mit seinen ehemaligen Verbündeten, den Kommunisten brach und unterstützten das kubanische Regime. Hier ist die Kritik an der amerikanischen Politik mehr als angebracht und zwangsläufig.

Das erklärte Ziel des Widerstands rund um Castro war die Wiederherstellung der von Batista seit 1952 teilweise außer Kraft gesetzten Verfassung von 1940, einschließlich aller demokratischen Grundrechte sowie der in ihr enthaltenen Landreform, die die ungerechten Strukturen von Landbesitz, die Involvierung internationaler Akteure und die Ausgrenzung kleinbäuerlicher Landwirtschaft beenden sollte.
Fidel Castro versprach vor und während der Revolution dem kubanischen Volk, dass eine seiner ersten Amtshandlungen die Einführung von freien demokratischen Wahlen sein würde. Eine Lüge, die bis heute von Teilen der Linken in Deutschland relativiert und schön gemalt wird.
Ich spreche immer wieder davon, dass es (meiner Meinung nach) nicht „DIE“ eine Wahrheit gibt, doch wenn sich eine Revolution zentral auf ein Versprechen beruft und ihre ausführenden Kräfte dann genau das Gegenteil praktizieren, wie sollte man diesen Zustand benennen? Hier sind wahrscheinlich die Philosophen gefragt…

Was passierte nach der Revolution 1959 auf Kuba?

Da faire Gerichtsverfahren angeblich aus Mangel an Zeit und Gelegenheiten nicht durchführbar waren, überzog die neue Herrschaftsriege um Castro und Guevara das Land mit tausenden Exekutionen, denen Soldaten und Polizisten des alten Batista-Regimes, aber auch etliche Bürgerinnen und Bürger zum Opfer fielen. Und ja, viele dieser Soldaten und Polizisten waren wirklich Verbrecher und Menschenschänder gewesen. Aber wodurch unterschieden sich die neuen Machthaber vom Batista-Regime, wenn sie „den Gegnern“ kein faires Gerichtsverfahren zustanden, jegliche Menschenrechte missachteten und wahllos alles erschossen und niedermetzelten, was ihnen zu wider lief?

Die Soziologie-Professorin Marifeli Pérez Stable schrieb über die Folgen der Revolution:

„[Es gab] tausende Exekutionen, vierzig-, fünfzigtausend politische Gefangene. Die Behandlung politischer Gefangener, mit dem was wir heute über Menschenrechte und Menschenrechte betreffende internationale Normen wissen … ist es legitim, die Frage nach möglichen Menschenrechtsverletzungen in Kuba zu stellen.“
http://www.pbs.org/wgbh/amex/castro/peopleevents/p_castro.html

Neben den tausenden Exekution wurde Hunderten von Soldaten und Polizisten ebenfalls der Prozess gemacht. Che Guevara wurde zum obersten Ermittler ernannt, mit Amtssitz in der Hafenfestung La Cabaña. Eine Verteilung der Staatsgewalt auf mehrere Staatsorgane zum Zweck der Macht­begrenzung und der Sicherung von Freiheit und Gleichheit, wollte man dabei eher nicht ins Auge fassen. Schon hier wurde klar, dass Kuba alles werden würde, außer einer Demokratie.

Am 1.Mai 1960 sagte Fidel Castro öffentlich vor Ehrengästen aus den kommunistischen Ländern, dass er im Gegensatz zu seinen vor der Revolution wiederholten Versprechungen, keine freien Wahlen abzuhalten gedenke. Che Guevara äußerte dazu Sympathien für den Maoismus, indem Mao selber bestimmte, wer „Freund“ und „Feind“ war, und sich selber eine Rechtfertigung zuschrieb, zur vollständigen physischen Vernichtung jeder Art von Opposition.

Andersdenkende wurden und werden auf Kuba bis heute verfolgt und bestraft. Unterstützer und Kämpfer der Revolution waren davon nicht ausgenommen. Huber Matos, Kämpfer an Castros-Seite, erklärte im Oktober 1959 unter Protest gegen die von ihm beobachtete schrittweise Hinwendung der Regierung zum Kommunismus seinen Rücktritt. Er wurde daraufhin im Dezember 1959 als „Verräter“ zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem Fidel Castro im Gerichtsprozess die Todesstrafe gefordert hatte.

Das politische Agieren Castros nach der Revolution weist, meiner Meinung nach, Schnittmengen mit den 14. Merkmalen des Ur-Faschismus nach Umberto Eco auf.
So beschreibt Eco im Faschismus den „nationalen Führer“, der sich in einer untrennbaren Einheit mit „seinem“ Volk sieht, dessen Willen umsetzt und dabei scheinbar „fehlerfrei“ oder zumindest geschützt vor Kritik agiert. Aus diesem Gedanke erwächst wahrscheinlich auch das Entstehen einer Einheitspartei. Kritikerinnen und Kritiker werden als „geistige Zersetzer“ gebrandmarkt, verfolgt und liquidiert. Aus dem Wissen über die Kritik entsteht eine „Obsession der Verschwörung“. Sexismus ist dabei ein weiterer wichtiger Punkt, der besonders durch Castro propagiert und gelebt wurde, indem er Homosexuelle als „soziale Abweichler“ und „konterrevolutionäre“ Einflüsse beschrieb, „die es auszumerzen galt“.

Dass auf Fidel Castro gefühlt die meisten Anschläge auf einen Menschen durch Geheimdienstkreise der USA verübt wurden, ist mir sehr wohl bewusst, daher betrachte ich „den Verfolgsungswahn“ in diesem Fall als nachvollziehbar. Trotzdem kann man in der Verfolgung und Liquidierung der politischen Gegner, der systematischen Ausschaltung der Opposition, Pressefreiheit und Meinungsfreiheit auf Kuba durch Castro, Grundzüge des Faschismus identifizieren.
Ein Staat, der heute auf Platz 171 von 180 im Ranking der Pressefreiheit bei „Reporter ohne Grenzen“ verweilt. Ein Staat über den „humanrights.ch“ schreibt:

„Kuba ist ein autoritärer Ein-Parteien-Staat, in dem jegliche Opposition unterdrückt wird. Wer den Staat kritisiert, wird strafrechtlich verfolgt. Die Polizei greift zu Drohungen und Gewalt. Präventive Verhaftungen, um friedliche Protestmärsche oder politische Veranstaltungen zu verhindern, sind üblich. Politische Gefangene sind zahlreich, die Gefängnisse überfüllt und unhygienisch, und die Inhaftierten sind oft unterernährt.“ […] „Folter, Schläge und Einschüchterungen durch Aufseher bleiben ungeahndet. Menschenrechtsverteidiger/innen leben weiterhin gefährlich, Menschenrechtsorganisationen sind nicht zugelassen. Die Regierung kontrolliert alle Medien.“ […] „Die strafrechtliche Verfolgung erfolgt oft willkürlich und Gerichtsverfahren finden unter unfairen Bedingungen statt. Das Arbeitsrecht wird nicht umgesetzt.“

Und jetzt dürft ihr euch einmal die Danksagungen einiger Linker auf Facebook anschauen:

Fazit:

Wenn Teile der Linken einen Diktator wie Castro als Helden feiern, wundert es mich nicht, dass Teile der Linken Islamisten unterstützen.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Betül Ulusoy und „die“ Linke

In Teilen der Linken, besonders im einflussreichen Netzwerk „marx21″, scheint man kein Problem damit zu haben, eine AKP-Sympathisantin wie Betül Ulusoy als Referentin einzuladen und sie auch öffentlich zu verteidigen, nachdem sie Erdogan-Gegner als Dreck bezeichnete, den man nach dem Putsch nun säubern könne.

So wurde Ulusoy zu dem bundesweiten marx21 kogress „marx is muss“ als Referentin eingeladen, um einen Vortrag zum Thema „Feindbild Islam: Türöffner für die neue Rechte“ zu halten.
Dass Betül Ulusoy in der Berliner Sehitlik-Moschee von DITIB aktiv ist, auf deren Friedhof „zwei Drahtzieher des Genozids an den Armeniern im Ersten Weltkrieg in Ehrengräbern bestattet sind“, scheint dabei niemanden zu interessieren.

„Hier liegt zum einen der als „Schlächter von Trabzon“ bekannte Cemal Azmi, der 1915/16 als Gouverneur dieser Provinz für Deportationen und Massaker an Armeniern und Pontosgriechen verantwortlich war. Tausende Frauen und Kinder sollen auf Azmis Anordnung im Schwarzen Meer ertränkt worden sein.“ […] „Azmi zur Seite liegt Bahaddin Sakir, Gründungsmitglied der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reiches, des Komitees für Einheit und Fortschritt, das den Völkermord an den Armeniern und die Vertreibung der Griechen organisierte. Laut dem in Paris lehrenden Historiker Raymond Kévorkian koordinierte Sakir die Deportationen aus den westarmenischen Hauptsiedlungsgebieten. Eine Mehrheit der Historiker geht zudem davon aus, dass Sakir als Anführer der Todesschwadronen „Teskilat-i-Mahsusa“ der Architekt des Völkermordes war.“ „Ehrengräber für Völkermörder in Berliner Moschee“

Dass Frau Ulusoy für Pinar Cetin (Sehitlik Moschee, DITIB) im September 2016 in Berlin-Neuköln Wahlkampf machte, scheint auch nicht diskussionswürdig zu sein.

Pinar Cetin sorgte u.a. dadurch für Aufsehen, dass sie den Völkermord an den Armeniern öffentlich anzweifelt und als Hauptmotivation für ihren Wahlkampf angab, dass durch die „Armenien-Resolution des deutschen Bundestages“, sich türkisch stämmige Menschen nicht mehr durch die alteingesessenen Parteien repräsentiert fühlen würden.

In Neuköln hatte auch die Linke „Frau Ulusoy u.a. 2015 zu einem Vortrag geladen.“
Wusste man 2015 etwa in Neuköln noch nicht, dass Betül Ulusoy als Besucherin von Erdogan Auftritten in Deutschland schwärmte?

Ultra-Konservative und leider auch IslamistInnen haben es inzwischen gelernt, sich als eloquente und herzergreifende „DemokratInnen“ zu verkaufen, die sich gerne bei Teilen der Linken ein Podium geben lassen, um ihre ultra-konservative oder islamistische Agenda durch die Hintertür in den öffentlichen Diskurs einzubringen.
In emotionalen Momenten zeigen sie hingegen gelegentlich ein anderes Gesicht. Daher kann der gescheiterte Putsch in der Türkei auch als eine Art „Chance“ begriffen werden, da er einige Akteurinnen und Akteure öffentlich demaskiert hat.

Wer Menschen als „Schmutz“ bezeichnet, der „gesäubert werden muss, ist keine Demokratin und besonders keine Anhängerin der Menschenrechte.
Wer Menschen als „Schmutz“ bezeichnet, der gesäubert werden muss, spuckt auf die Errungenschaften des Humanismus, der Aufklärung und jeden empathisch denkenden Menschen.

Und wie reagiert die Linksjugend [’solid] Ruhr auf derartige Entgleisungen? Verurteilt sie derartige Aussagen? Nein, sie stellt ein Statement von der linken Bundestagsabgeordneten Christine Buchholz online, in dem es auf einmal um „Religionsfreiheit und rassistische Stimmungsmache“ geht. So heisst es in dem Statement:

„Beispielsweise wurde die in der zu DITIB gehörenden Berliner Sehitlik-Moschee ehrenamtlich engagierte Betül Ulusoy heftig dafür kritisiert, dass sie die Verhaftung und Bestrafung der Putschisten forderte. Zugleich wurde ignoriert, dass sie sich öffentlich auf Facebook gegen die Todesstrafe aussprach. Ihre Erklärung ist auch deshalb lesenswert, weil sie einen verstehen lässt, warum viele Mitbürgerinnen und Mitbürger mit türkischen Wurzeln mit Erdogan sympathisieren.“ […] „Die Mehrheit der türkischen Staatsbürger in Deutschland unterstützt Erdogan in Umfragen. Sie haben auch das Recht darauf, sich für die AKP in Deutschland politisch zu betätigen…“

Ich möchte eigentlich ungern Frau Buchholz den Kontext erklären, in dem man in Deutschland in der Vergangenheit von „Dreck säubern“ redete.
Und dass Frau Buchholz es richtig findet, dass man in Deutschland für eine islamistische Partei wie die AKP, die den IS jahrelang unterstützt hat, Werbung machen sollte, finde ich ebenfalls fragwürdig.
Andererseits verwundet es mich auch nicht, dass eine Frau, die in der Vergangenheit als „Hamas und Hisbollah Sympathisantin“ auffiel, nun Erdogan Anhängerinnen verteidigt. Erdogan selber lädt die Hamas Führung ja regelmäßig als Ehrengast ein.

Es gibt innerhalb der linken Bewegung nicht wenige Menschen, die mit der islamistischen Muslimbruderschaft, der Mutterorganisation der Hamas, sympathisieren. Interessant dabei ist, dass die Muslimbruderschaft ebenfalls als Mutterorganisation der Millî Görüş-Bewegung in der Türkei gilt, aus der Recep Tayyip Erdoğan kommt. Und somit schließt sich hier der Kreis. ;)

Fazit:

Die antisemitischen und pro-islamistischen Abgründe, die sich in Teilen der Linken immer weiter auftun, sind unerträglich und müssen zwangsläufig eine Debatte lostreten, inwiefern sich die Linke in Zukunft bezüglich der weltweiten Islamismus-Problematik positioniert.
Islamismus ist Faschismus und sollte genauso bekämpft werden, wie jede andere Art des Faschismus. Wenn sich Teile der Linken und besonders einflussreiche Mitglieder der Solid NRW weiter mit Ultra-Konservativen und IslamistInnen solidarisieren, bleibt die Linke auch in Zukunft umwählbar.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

Ich verlasse die Linksjugend

Nach einem Jahr in der Linksjugend [’solid] Oberhausen, werde ich diese nun endgültig verlassen.
Es war ein Jahr voller aufregender und fantastischer Momente, die sowohl mich, als auch die Genossinnen und Genossen in ihrem Denken und Handeln nach vorne gebracht haben. Gerade hier sei erwähnt, dass die linke Bewegung keine einheitliche, sondern eine heterogene Bewegung ist, bei der teils gravierende inhaltliche Gegensätze immer wieder zu internen Reibungen führen.

Ich möchte mich bei meinen mutigen Solids aus Oberhausen bedanken, die offen und interessiert für diverse Punkte waren, die ich auf Grund meiner Erfahrungen mit der islamistischen Szene oder den ultra-nationalistischen Grauen Wölfen in Europa, mit in die Gruppe brachte.
Unsere Veranstaltungen mit Menschen wie Burak Yilmaz (Muslimisches Forum Deutschland – MFD), Dr. Abdel-Hakim Ourghi (Säkulare Muslime) oder Frau Chatschadorian, die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Armenier, waren Veranstaltungen, die für die linke Bewegung in Oberhausen ungemein wichtig waren.

Auch als die Parteispitze der Linken, Aiman Mazyek (den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime – ZMD) einlud, waren wir uns innerhalb der Solid Oberhausen schnell darüber einig, dass es ein Unding ist, einen Menschen einzuladen, der in seinem Verband rechtsradikale Graue Wölfe und islamistische Muslimbrüder duldet. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass uns die Linke Liste in Oberhausen in diesem Moment, ohne mit der Wimper zu zucken, den Rücken stärkte und unser Statement auf ihrer Seite hochlud. Hierfür danke ich besonders Yusuf Karacelik, Martin Goeke, David Driever und Thomas Haller.

Es ist demnach falsch, wenn Kritikerinnen und Kritiker der Linken, grundsätzlich alle Linken in Deutschland als Realitätsverweigerer und Heuchler bezüglich des Problems mit Islamismus und türkischem Ultra-Nationalismus bezichtigen. Die linke Bewegung war und ist nicht homogen!

Trotzdem taten sich gerade bei der Kritik an Aiman Mazyek und dem Zentralrat der Muslime, Abgründe innerhalb der nordrhein-westfälischen Solid Bewegung auf. Als wir dem Vorstand der Linksjugend [’solid] NRW unser Statement schickten und um Unterstützung baten, bekamen wir folgende Antwort von Nadine Bendahou, der Landessprecherin der Solid NRW:

„Auf unserer gestrigen LSPR-Sitzung habe ich das Thema eingebracht. Der LSPR hat entschieden diese Stellungnahme nicht zu teilen, die vorhandene nicht zu unterzeichnen und den ZMD bzw. Aiman Mayzek auch nicht mit einer eigenen Stellungnahme anzugreifen. Euch möchten wir dennoch die Möglichkeit bieten es persönlich einzubringen.“

Klarer konnte eine Antwort wohl kaum ausfallen. Aus Kreisen der Linksjugend [’solid] Essen konnte man unter vorgehaltener Hand hören, dass wir mit unserem Statement ein „Signal für antimuslimischen Rassismus“ gesetzt hätten. Ferner machte man sich wohl in Essen darüber Gedanken, dass sogenannte „Anti-Deutsche“ in der Solid Oberhausen hinter diesem Statement stecken würden. Mir fehlten zeitweise bei so einer Reaktion die Worte. Wir kritisierten u.a. (sehr gut recherchiert) den Zentralrat der Muslime (ZMD) dafür, dass er die ATIB, die laut diverser WissenschaftlerInnen und JournalistInnen dem Spektrum der Grauen Wölfe zugerechnet wird, in Spitzenpositionen duldet. Aus Kreisen des Solid Vorstandes bekam man um drei Ecken dann zu hören, dass der ZMD und Aiman Mazyek zu den liberalen Vertretern der Muslime in Deutschland zählen würden und alle anderen Erkenntnisse an den Haaren herbei gezogen sein. Ein Skandal… Es widerte mich an, wie hier eine konstruktive Kritik mal eben ohne Argumente mit einer Arroganz und Heuchelei zerrissen wurde, wie ich es mir nicht schlimmer hätte vorstellen können.

Doch es kam noch schlimmer: Als eine Delegation unserer Solids aus Oberhausen nach Essen zum vereinbarten Gespräch mit dem Solid-NRW-Vorstand erschien, hatten die entsprechenden Vorstandsmitglieder den Termin einfach vergessen. Eine größere Demütigung kann ich mir bis heute nicht ausmalen… traurig, aber wahr.
Ein neuer Termin wurde vereinbart und unserer Statement kam in Düsseldorf auf den Tagesplan der Solid-NRW-Vorstandssitzung.
Und ja, dieses Mal erschienen wir nicht bzw. ich lag an dem Tag noch stark angetrunken in den Seilen, weil ich mit einigen Genossinnen und Genossen die Nacht zuvor im AZ-Mülheim eine 90s Trash-Pop-Party besuchte. :mrgreen: :mrgreen:
Und es war verdammt nochmal ein gutes Gefühl, diesen Vorstand der Heuchelei einfach mal sitzen zu lassen, ich würde es heute wieder genau so machen. Wer einen Verband, der Rechtsradikale und Islamisten in Spirtzenpositionen duldet, einen liberalen Vertreter nennt, mit dem setze ich mich nicht mehr an einen Tisch.

Es ist nicht verwunderlich, dass Mitglieder der Solid-NRW, Solid-Essen und der linke Bundestagsabgeordnete Niema Movassat aus Oberhausen, schon 2014 dadurch auffielen, dass sie die Skandal-Demonstration „Stoppt die Bombardierung Gazas – Für ein Ende der Eskalation im Nahen Osten“ in Essen mit organisierten, aus der sich ein antisemitischer Mob entwickelte, und die Menschen in der Essener Innenstadt in Angst und Schrecken versetzte. Von dieser verachtenswerten Kundgebung hat sich die Solid in NRW bis heute nicht erholt und hat dadurch immer noch den Ruf einer Organisation, die es zu meiden und boykottieren gilt. Das wirklich schlimme dabei ist, dass die Veranstalter sehr wohl wussten, welche Interessengruppen diese Demo unterstützen und besuchen werden.

Da scheint es auch wenig verwunderlich, dass uns Niema Movassat, der die Solid in Oberhausen mit aufbaute, bei unseren Statements gegen Aiman Mazyek, Graue Wölfe und andere Islamisten nie wirklich unterstützt hat. Ich war selber Admin der Solid Oberhausen Facebook-Seite und konnte jeden Tag miterleben, wie Movassat gefühlt alles mit „Gefällt mir“ unterstütze bis auf unsere Islamismus-kritischen Posts. Ein wahrer Teilzeit-Anti-Faschist ;)

Leider gibt es neben Movassat weitere einflussreiche Politiker innerhalb der Linken, die auf Kuschelkurs mit Islamisten gehen.
Bodo Ramelow, der linke Ministerpräsident von Thüringen, macht öffentlich Werbung für ein Buch von Aiman Mazyek, der wie erwähnt in seinem Verband Graue Wölfe und Muslimbrüder duldet.

Christine Buchholz, Linke und Mitglied des Bundestages, wurde von der Zeit 2008 ein „offenes Sympathisieren“ mit der Hamas und der Hisbollah vorgeworfen. „Der linke Bundestagsabgeordnete Norman Peach verharmloste Raketenangriffe der Hamas aus dem Gazastreifen auf Israel gar als „Neujahrsraketen“.“ Meiner eigenen Recherche nach, scheint es auch Kontakt zwischen zumindest einem einflussreichen Solid-Essen Mitglied und Betül Ulusoy zu geben, die in der Vergangenheit keinen Hehl daraus machte, dass sie Sympathien für die islamistisch-nationalistische AKP-Regierung in der Türkei hat und im Sommer diesen Jahres dadurch negativ auffiel, dass sie Erdogan Gegner als Dreck bezeichnete, der gesäubert werden muss.

Die Liste lässt sich beliebig weiterführen und ist einer der Gründe, warum ich dem Umfeld dieser Partei in Zukunft fernbleiben möchte, trotz aller schönen Erfahrungen mit den mutigen Solids in Oberhausen.

Ich hoffe, dass man meinen Input an Gedanken in der Solid Oberhausen weiter verfolgt und ausbaut, denn das Potential eines konstruktiven und produktiven Anti-Faschismus ist in dieser Gruppe definitiv gegeben. Gerade jetzt ist es Zeit, Gesicht und klare Kante zu zeigen, auch wenn dieses Vorgehen Gegenwind erzeugt. Es ist ebenso wichtig, dass Kritikerinnen und Kritiker der Links-Bewegungen, Gruppen wie der Solid Oberhausen eine Chance geben und nicht von vorne herein alles schlecht reden. Genauso wie es jetzt einer starken demokratischen Mitte bedarf, so braucht das Land auch eine starke Linke, die Faschismus in all seinen Facetten, auch außerhalb der Mehrheitsgesellschaft bekämpft. Über ein gesundes Wirtschaftsprogramm kann dann im weiteren Verlauf konstruktiv gestritten werden. ;)

Mein Weg wird mich in naher Zukunft wohl in eine neu gegründete kleine Partei führen, dazu aber bald mehr.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle

EDIT: Leider haben sich heute, Stand Juni 2017, wieder die alten Kräfte in der BG Oberhausen durchgesetzt, sprich man ist wieder Solid NRW und marx21 nah.
Schade Oberhausen – einen Versuch war es wert.

Hallo Welt!

Hallo und herzlich willkommen auf meinem Blog „Schmalle und die Welt“!

Ausgehend von meinem persönlichen Lebensmittelpunkt, dem Ruhrpott, verfolge und erlebe ich seit 1984 die Welt und ihre unterschiedlichen Gesellschaften, Kulturen, Traditionen und Weltansichten.
Heute arbeite ich als Erzieher mit jungen Menschen und bin seit Jahren auch privat aktiv in der Jugend- und Integrationsarbeit. Mein Spezialgebiet ist dabei die Arbeit mit Menschen aus den verschiedenen muslimischen Communitys.
Dahingehend werde ich regelmäßig von freien & öffentlichen Trägern, politischen Organisationen oder Gruppen von Studierenden, als Referent zum Thema „Islam & Islamismus in Deutschland“ geladen.

Politisch würde ich mich als Humanist mit einer links-liberalen Einstellung, die offen für Kritik und Erneuerungen ist, umschreiben. In der Vergangenheit war ich bereits in verschiedenen Jugendverbänden der linken Parteien aktiv und sammelte dort umfangreiche Erfahrungen und Einblicke im Alltag der deutschen Parteienlandschaft.

Seit einigen Jahren schreibe ich auch regelmäßig für diverse Internetportale wie die „Ruhrbarone“ oder „music-news.at.“ Dabei ist meine Verbindung zur deutschen Musik-Szene besonders ausgeprägt, da ich zehn Jahre als Rap-Musiker bzw. MC aktiv war. Innerhalb dieser Zeit leitete ich diverse Rap-Workshops mit Jugendlichen, die oftmals in den muslimischen Communitys beheimatet waren. „Multi-Kulti is` halt Pott!“

Wie man schnell merkt, fallen die Begriffe „Muslime“ und „Islam“ in meiner Selbstbeschreibung relativ oft. Einerseits ist der Islam Teil meiner Lebenswirklichkeit: Muslime sind meine Freundinnen und Freunde, meine ArbeitskollegInnen und vielleicht in Zukunft auch Teile meiner Familie.
Andererseits beschäftige ich mich intensiv mit den Problemen, die eben in dieser Community herrschen und auch die nicht-muslimische Gesellschaft immer wieder in ihren Bann ziehen. Ich stehe für einen offenen, konstruktiven und respektvollen Diskurs. Muslime sind keine „Kuscheltiere“, die beschützt werden müssen. Sie sind Menschen wie du und ich. Und genauso wie wir über die schönen Seiten, Vorteile und Annehmlichkeiten einer Community sprechen können, so können wir auch über ihre Schattenseiten und die Probleme reden – auf Augenhöhe.

Interessiert bin ich besonders an der Zusammenarbeit mit liberalen Muslimen, die ihren Glauben am säkularen Prinzip der modernen Demokratie ausrichten, und für die keine „heilige Schrift“ über den Menschenrechten und den Grundrechten des Individuums steht. Ich habe kein Problem mit der Spiritualität eines Menschen und ich will mir auch nicht anmaßen, über die Verbindung eines Menschen mit Gott oder anderen „Schöpfern“ zu urteilen. Doch eines steht fest: Ich sehe eine enge Verbindung von Politik und Religion mehr als kritisch. Umso mehr politische Macht eine Religionsgemeinschaft hat, umso mehr leidet die Demokratie und Freiheit der Menschen. Das hat uns die Geschichte gelehrt.

Ich pflege regelmäßigen Kontakt zu Personen wie Dr. Abdel-Hakim Ourghi, Ahmad Mansour oder Burak Yilmaz vom Muslimischen Forum Deutschland (MFD) und habe auch so einen Einblick in ein liberales Islamverständnis, das es zu fördern und unterstützen gilt.

Die individuelle Freiheit ist die wichtigste Voraussetzung, um ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Der Mensch ist eigenverantwortlicher Gestalter seines Lebens und der Gesellschaft. Grundsätzlich soll der Staat nicht bestimmen, was für ein erwachsenes Individuum richtig ist und welche Entscheidungen es für das eigene Leben trifft. Der Staat tritt nicht als Vormund seiner BürgerInnen auf. Viel mehr hat er die Aufgabe, neben anderen Rechten insbesondere die individuelle Freiheit zu gewährleisten und zu schützen. In diesem Sinne sehe ich mich als Liberaler.

Der Mensch ist ein soziales Lebewesen. Seine herausragenden Fähigkeiten sind Kommunikation und Kooperation, Lernfähigkeit und Entwicklung von Kultur. Menschen setzen auf gegenseitige Hilfe und Solidarität. Durch Arbeitsteilung und noch mehr durch friedliche und kooperative Zusammenarbeit erreicht jeder Mensch für sich und die Menschheit insgesamt Hochleistung und Fortschritt. Als Humanist schützt und unterstützt man auch die schwächsten Mitglieder der Menschheit nach seinen besten Möglichkeiten. Eine gerechte Gesellschaft ist eine erfolgreiche Gesellschaft. In diesem Sinne bin ich sozial und linksorientiert.

Dieser Blog wird mir nun in Zukunft die Möglichkeit bieten, meine Gedanken mit der Gesellschaft zu teilen und ich hoffe, dass ich die eine oder andere konstruktive Diskussion mit meinen Beiträgen anstoßen kann.

Mit antifaschistischen Grüßen
Schmalle